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Ein Urlaubsfoto mit Freunden kann problematisch werden: Möchte die Fotografin das Bild aus dem italienischen Pisa auf einer Plattform wie Facebook veröffentlichen, darf sie das nur, sofern ihre Freunde zugestimmt haben.

Finanztest

Die Rechtslage bei Urlaubsfotos

Dank digitaler Fotografie wird der Urlaub inzwischen hundertfach in Bildern festgehalten – und noch während der Reise werden erste Fotos ins Netz geladen oder über Dienste wie WhatsApp verschickt. Das ist aber nicht immer erlaubt.

Worauf muss man beim Fotografieren im Urlaub achten? Die Stiftung Warentest ist in ihrer aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“ dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis: Grundsätzlich haben Menschen ein Recht am eigenen Bild, das heißt: „Jeder darf selbst bestimmen, ob er fotografiert oder gefilmt werden will und vor allem, ob die Aufnahmen veröffentlicht werden dürfen“, schreiben die Finanztest-Experten. Dabei seien die Regeln fürs bloße Knipsen weniger streng als fürs Veröffentlichen.

„Wer aber ganz gezielt Fremde ablichtet, sollte vorsichtig sein“, warnen die Experten. Das sogenannte Kunsturhebergesetz gelte auch für Privataufnahmen. Zwar schreibe das Gesetz nur vor, dass Fotos anderer Personen ohne deren Erlaubnis nicht veröffentlicht werden dürfen. „Dennoch ist schon das Ablichten eines anderen an dessen Persönlichkeitsrecht zu messen und unter Umständen rechtswidrig“, sagen die Experten.

Allerdings gelten auch hier Ausnahmen: „Der Fotograf braucht keine Erlaubnis, wenn fremde Personen zufällig als ,Beiwerk‘ in einer schönen Landschaft oder neben einer Sehenswürdigkeit erscheinen.“ Dann dürfe er sie laut Kunsturhebergesetz ohne Erlaubnis ablichten und die Bilder sogar ohne deren Einverständnis im Internet verbreiten.

Ebenfalls erlaubt sei es, Fotos von „Personen und Ereignissen der Zeitgeschichte“ zu machen. Diese Fotos dürften ebenfalls veröffentlicht werden. Das Foto eines Sängers bei einem Konzert dürfe dann veröffentlicht werden, sofern kein Fotografier- und Veröffentlichungsverbot seitens des Veranstalters besteht. Das Publikum als große Menschenmenge darf ebenfalls ungefragt abgebildet werden. Sobald aber der Fotograf gezielt eine Person aus dem Publikum heranzoome, gelte wiederum das Verbot.

Die Finanztest-Experten weisen darauf hin, dass nicht zwingend ein mündliches Einverständnis erforderlich ist: „Bei Erwachsenen reicht es, wenn sie in die Kamera lächeln oder posieren und so ihr Einverständnis zeigen“, schreiben die Experten. Sofern Kinder fotografiert werden, müssten die Sorgeberechtigten einverstanden sein, heißt es weiter.

Angenommen, alle Urlaubsfotos sind rechtskonform zustande gekommen, in strittigen Fällen wurden die Fotografierten um Erlaubnis gebeten: Was ist beim späteren Hochladen der Fotos auf Internet-Plattformen zu beachten? Wann ist das Veröffentlichen erlaubt? „Hat jemand die Erlaubnis zum Fotografiert- oder Gefilmtwerden gegeben, gilt das nicht gleichzeitig als Zustimmung zur Veröffentlichung“, warnen die Rechts-Experten. Dafür brauche der Fotograf oder die Person, die das Bild ins Internet hochlädt, eine weitere Erlaubnis.

Der Ratschlag der Experten: „Wer Fotos auf Facebook hochlädt oder über Whats-App oder sonstige Messenger-Dienste verschickt, sollte die abgebildeten Personen um Erlaubnis bitten.“ Juristen würden das Versenden oder Hochladen als „Verbreiten“ im Sinne des Kunsturhebergesetzes sehen – und dies sei nur erlaubt, wenn der Abgelichtete eingewilligt habe. mm

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