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Viele Reiseportale verlangen für Flüge saftige Extra-Gebühren, die nicht immer gleich ersichtlich sind.

Viele Anbieter tricksen

Vermeintliche Reise-Schnäppchen: Das sind Ihre Rechte

München - Reiseanbieter müssen bei Online-Buchungen von Beginn an den Gesamtpreis kenntlich machen – doch Verbraucherschützern zufolge ignoriert eine Vielzahl von Firmen das geltende Recht.

Die Aussicht auf einen günstigen Flug in den wohlverdienten Urlaub war für den Dachauer verlockend. Der von dem Online-Portal angegebene Reisepreis schien ihm auf den ersten Blick unschlagbar – doch eben nur auf den ersten Blick. Denn einige Zeit nach der Internet-Buchung stellte der Mann fest, dass der Preis, den er schlussendlich zahlen sollte knapp 100 Euro über dem zunächst von der Firma angegebenen lag. Während des Buchungsvorgangs hatte der Online-Anbieter nach Aussage des oberbayerischen Kunden noch einmal saftige Gebühren draufgeschlagen. Der Mann hatte den gestiegenen Preis beim Abschluss der Buchung jedoch schlicht nicht bemerkt.

Pech, möchte da mancher meinen – hätte der Kunde mal besser bei jedem Mausklick genau aufgepasst, was ihm der Reiseanbieter da zum Abschluss der Buchung noch alles an Gebühren in Rechnung stellt. Doch die Rechtslage ist klar auf Seiten des Dachauers: Mitte Januar hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass Kunden bei der Online-Buchung eines Fluges in der Lage sein müssen, den tatsächlichen Preis eines Reise- oder Flugangebots bereits auf den ersten Blick zu erkennen. Ein elektronisches Buchungssystem müsse „bei jedem Flug von Anfang an den zu zahlenden Endpreis ausweisen“, entschieden die Richter. Es sei unzulässig, Buchungsgebühren, Steuern oder Kerosinzuschläge erst bei Abschluss einer Buchung anzuzeigen. Kunden müssten den Preis verschiedener Flüge effektiv vergleichen können, begründete das Gericht seine Entscheidung (Az. C-573/13).

Am besten direkt bei den Airlines buchen

Doch Verbraucherschützern zufolge ignorieren offenbar zahlreiche Anbieter das Urteil schlicht und geben weiterhin den Endpreis für eine Flugbuchung nicht sofort an. Das geht aus einer gestern veröffentlichten Stichprobe der Stiftung Warentest hervor. Die Tester kontrollierten bei fünf Fluggesellschaften und fünf Reiseportalen, ob diese das Urteil auch einhalten. Von den überprüften Internet-Flugbörsen soll sich den Verbraucherschützern zufolge nur der Anbieter lastminute.de an die Vorschriften halten.

Expedia schlage im Verlauf der Buchung je nach Airline unterschiedliche Zahlungsgebühren auf; kostenlos sei die Buchung nur mit Visa Credit, teilte Stiftung Warentest mit. Die Portale Fluege.de, flug.de und opodo.de verlangen demnach im Verlauf der Buchung „üppige Gebühren“. Aus einem Anfangspreis von 23 Euro für einen Ryanair-Flug von Berlin nach London wurden so bei fluege.de und opodo.de fast 54 Euro, bei flug.de stieg der Preis von 33 auf fast 50 Euro. Endpreise gebe es mitunter erst nach Eingabe persönlicher Daten, monierte Stiftung Warentest. Auch ein flug.de-Kunde behauptet auf der Stiftungsseite „test.de“, der Endpreis sei bei seiner Buchung „definitiv nicht bei Beginn der Buchung angezeigt“ worden.

Eine Sprecherin von Fluege.de sagt, man könne die Vorwürfe der Stiftung Warentest nicht nachvollziehen. „Selbstverständlich arbeitet Fluege.de nach geltendem Verbraucher- und Luftverkehrsrecht.“ Die gesetzlich vorgeschriebene Darstellung des Endpreises werde auf der Seite „voll umfänglich entsprochen“. Die anderen von Stiftung Warentest angegriffenen Firmen waren bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht erreichbar oder ließen Anfragen unserer Zeitung unbeantwortet.

Das EuGH-Urteil erzwungen hatte der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV). Der Verband hatte Air Berlin verklagt. Die zweitgrößte deutsche Fluglinie hatte, so der Vorwurf, im November 2008 Flugpreise im Internet falsch ausgewiesen. Die Airline habe in einer Tabelle Preise ohne Steuern, Flughafengebühren oder Kerosinzuschläge angezeigt. Nur für einen ausgewählten Flug sei unterhalb der Vergleichstabelle der wahre Preis zu sehen gewesen. Air Berlin hatte bereits während des Verfahrens seine Preisanzeige im Internet so abgeändert, dass sie dem EuGH-Urteil entspricht.

Die Warentester nahmen in ihrer Stichprobe nun erneut Air Berlin sowie andere Fluglinien ins Visier – mit erfreulichem Ergebnis: die Berliner und die Lufthansa nennen demnach sofort den Endpreis, ein Gepäckstück ist in allen Tarifen enthalten. Bei Easyjet, Germanwings und Ryanair wird das Gepäck extra berechnet – dies passiert im zweiten Buchungsschritt. Nach dem EuGH-Urteil freute sich das Bundesverbraucherministerium, das Urteil sei ein „großer Gewinn für den Verbraucher“. Doch welchen Wert haben Gerichtsentscheidungen, wenn sich eine Vielzahl von Firmen offenbar nicht oder nur bedingt daran halten? Stiftung Warentest empfiehlt Reisenden, direkt bei einer Fluggesellschaft zu buchen. Bei der Wahl könnten Preisvergleichsseiten helfen. Und auch der Dachauer, der sich von dem Online-Portal abgezockt fühlt, wird das nächste Mal misstrauischer sein.

Tobias Lill

Mit Material von afp und dpa

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