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Nichts wie weg: Viele können es nicht erwarten, endlich am Strand zu liegen. Dann ist es besonders ärgerlich, wenn man wegen verschobener Abflugzeiten viel Urlaubszeit verliert.

Das müssen Sie beachten

Wenn sich die Flugzeiten plötzlich ändern

München - Reiseveranstalter dürfen Flugzeiten nicht willkürlich ändern: Das hat der BGH entschieden. An der Praxis hat das Urteil jedoch offenbar wenig verändert. Verbraucher sitzen oft am kürzeren Hebel. Doch manche wehren sich mit Erfolg.

Es soll ein stressfreier Familien-Urlaub werden, auf Gran Canaria. Im Februar bucht Thomas Reimann (Name geändert) im Reisebüro einen Pauschalurlaub, für seine Frau, seinen Sohn und sich. Reiseveranstalter ist TUI, Hinflug 12. April, Rückflug 20. April. Und zwar um 17.40 Uhr, am späten Nachmittag. „Ich habe die Reise bewusst so ausgewählt, dass wir am Abreisetag keinen Stress in der Früh haben“, erzählt Reimann. Doch das bleibt ein frommer Wunsch. Denn am 20. März flattert ein Brief des Reisebüros ins Haus: TUI hat den Rückflug um sieben Stunden nach vorne verlegt – auf 10.20 Uhr. Der letzte Urlaubstag ist futsch.

Dabei sollte es so etwas eigentlich gar nicht mehr geben. Reiseveranstalter müssen sich bei Pauschalangeboten generell an die Flugzeiten halten, die sie in den Reiseunterlagen genannt haben. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) im Dezember 2013 entschieden. Wie es schien, hatte der BGH damit ein weit verbreitetes Ärgernis für Urlauber verboten: Dass Reiseveranstalter die Flugzeiten bereits gebuchter Pauschalreisen um mehrere Stunden verschieben. Reiserechtler erklärten: Verbraucher können bei Flugzeit-Murkserei den Preis mindern.

Thomas Reimann beschwert sich bei TUI – zunächst über das Online-Kontakformular der Reisegesellschaft. Es ist der Beginn einer sehr einseitigen Kommunikation. Da TUI nicht reagiert, beschwert er sich am 26.3. erneut online, am 27.3. per Fax und per Brief. Eine Antwort erhält er am 7. April: 17 Tage nach seiner ersten Beschwerde – und fünf Tage vor Reisebeginn. „Die Flugdaten sind grundsätzlich unverbindlich und dadurch veränderbar“, teilt TUI mit. Tatsächlich steht in Reimanns Vertrag, dass Änderungen der Fluggesellschaft und der Flugzeiten „auf allen Flügen vorbehalten“ seien. Nur: Sind solche Klauseln nach dem BGH-Urteil noch rechtens?

Reimann lässt nicht locker. Er schreibt erneut an TUI, verweist auf den Richterspruch und bittet, den ursprünglichen Flug wieder einzusetzen. TUI antwortet am 15. April. Da sitzt Reimann bereits mit seiner Familie am Pool auf Gran Canaria. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit sei es „in Ausnahmefällen“ nötig, einzelne Flüge und Strecken zusammenzulegen: „Entgegen der allgemeinen Darstellung in der Öffentlichkeit ist es nicht so, dass Flugzeiten jetzt fest in der Reisebestätigung angegeben werden müssen.“ Die Reimanns beißen in den sauren Apfel und treten den frühen Rückflug an. Nach der Rückkehr bleibt Thomas Reimann aber hartnäckig. Er fordert, den Reisepreis zu mindern. Wochenlang erhält er keine Antwort.

Bei TUI sieht man sich weiterhin im Recht. Auf Nachfrage unserer Zeitung bekräftigt eine Sprecherin, dass der BGH den Reiseveranstaltern „ein gewisses Maß an Flexibilität“ bei Verschiebungen gelassen habe. Wie groß der Spielraum sei, habe das Gericht nicht festgelegt. Beim Urteil sei es konkret um zwei Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der TUI gegangen. Beide Klauseln habe man gestrichen. „Das Urteil besagt nicht, dass der Reiseveranstalter künftig schon bei Buchung feste Flugzeiten garantieren muss.“ Eine Minderung des Reisepreises werde „nach gründlicher Beurteilung der Faktenlage je nach Einzelfall“ gewährt.

Damit macht es sich TUI einfach – glaubt die Verbraucherzentrale Bayern. „Wenn TUI die Formulierung, wie sie gegenüber Herrn Reimann verwendet wurde, gegenüber einer Vielzahl von Kunden verwendet, kann es sich gleichwohl um eine allgemeine Geschäftsbedingung handeln“, sagt Daniela Czekalla, Juristin bei der VZ Bayern. Soll heißen: TUI mag keine Klausel mehr offen in ihren AGBs führen, in der sie sich die endgültige Flugzeiten offenhält. In der Praxis tut sie dies offenbar trotzdem. Czekalla betont zudem, der BGH sei im Urteil ziemlich konkret geworden. Darin heißt es, Reiseveranstalter könnten sich einen Spielraum verschaffen, indem sie lediglich ein Zeitfenster für den Flug angäben. Etwa, dass der Flug „zwischen 9 und 12 Uhr“ stattfinden werde. Weiter müsse eine vereinbarte voraussichtliche Flugzeit zumindest „annähernd“ eingehalten werden. Ansonsten könnten Reisende eine Preisminderung verlangen. Wenn sich Verbraucher ohne Anwalt beschwerten, passiere allerdings meistens nichts, räumt die Juristin ein.

Im Fall von Thomas Reimann hat bei TUI doch noch ein Sinneswandel stattgefunden. Ein paar Tage nach der Anfrage unserer Zeitung geht ein Brief bei Thomas Reimann ein. Darin entschuldigt sich TUI für die „in der Beantwortung eingetretene Verzögerung“. Für die „Ärgernisse hinsichtlich der Flugzeitenänderung und für die Wartezeit leisten wir einen Ausgleich in Höhe von 160 Euro.“

Angelo Rychel

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