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Abend am Meer - Mit der richtigen Medizin kann man sich im Urlaub besser entspannen.

Reisemedizin

Das A & O für den gesunden Urlaub

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Wer seinen Urlaub unbeschwert genießen möchte, sollte ein paar Dinge beachten. Was gehört in die Reiseapotheke? Welche Impfung brauche ich? Hier finden Sie die wichtigsten Tipps.

„Eine Unze Prävention ist so viel wie ein Pfund Therapie“ – sagte einst Benjamin Franklin, Gründervater der USA. Was dieser Satz mit der heutigen Reisemedizin gemeinsam hat? Jede Menge! Nachfolgend die wichtigsten Fragen mit Experten-Antworten.

Worauf sollte man vor jeder Reise achten?

Unsere Expertin: Dr. Hedwig Roggendorf, Reise-Impfsprechstunde des Klinikums rechts der Isar.

„Vor dem Beginn der Reiseplanung sollte stets eine gründliche Information über das Reiseland stehen“, sagt Dr. Hedwig Roggendorf von der Reise-Impfsprechstunde und Gelbfieberimpfstelle des Zentrums für Prävention, Ernährung und Sportmedizin am Klinikum rechts der Isar in München. Will heißen: Erkundigen Sie sich, wie die klimatischen, ökologischen und hygienischen Bedingungen sind. Und: Finden Sie heraus, ob Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes für „Ihr“ Reiseland bestehen.

Je nach Urlaubsregion empfiehlt sich ein Sonnen- und Mückenschutz, zudem der Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung oder sogar einer Rückhol-Versicherung. Abhängig vom Reisestil, sprich „dem problemlosen Zugang zu medizinischer Versorgung“, wie Roggendorf sagt, sollte die Reise-Apotheke ausgestattet werden. Und: Bitte rechtzeitig über notwendige Impfungen nachdenken.

Stichwort Impfung: Was ist ein Muss?

Generell gilt: Vor jeder Reise sollte der Impfstatus überprüft werden. Zu den Standardimpfungen kommen dann die jeweils spezifischen Impfungen. „Der Schutz gegen Hepatitis A sollte bei allen Reisen in östliche und südliche Länder vorhanden sein“, sagt Roggendorf.

Je nach Reiseland und -stil kann eine Tollwut-, Meningokokken- oder Typhus-Impfung erforderlich sein. Zudem eine Impfung gegen Japanische Enzephalitis, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME,) sowie Cholera. Für die Gelbfieber-Impfung für Reisen nach Afrika und Südamerika gibt es besondere Einreisebestimmungen und Impfstellen. Abhängig vom Urlaubsland kann auch eine „Malaria-Prophylaxe“ (siehe Kasten) erforderlich sein.

Informationen erhalten Sie bei der Reise-Impfsprechstunde der Technischen Universität und bei der Reise- und Impfberatung der Ludwig-Maximilians-Universität, beide in München; zudem beim Hausarzt. Die Kosten für Reise-Impfungen werden von einigen Kassen ersetzt.

Welche Untersuchungen sollte man vor Reiseantritt unbedingt machen?

Das hängt natürlich stark davon ab, welche Aktivitäten geplant sind. Konkret heißt das: „Vor einem Tauchurlaub sollte zum Beispiel eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung stattfinden“, rät Roggendorf. „Bei Hochalpintouren eine höhenmedizinische Untersuchung.“

Wenn jemand herzkrank ist – welche Vorkehrungen sollte er treffen?

„Zunächst empfiehlt es sich, die Reise mit dem behandelnden Arzt zu besprechen – und festzustellen, ob die Erkrankung unter den heimischen Bedingungen gut und stabil eingestellt ist“, rät Roggendorf.

Besonders wichtig: Ausreichend Medikamente mitnehmen, die man täglich braucht, zumal diese im Reiseland nicht immer erhältlich sind. Bei chronisch Herz- Lungenkranken können zudem während einer Flugreise Beschwerden wie Gefühle der Atemnot oder eine Thrombose auftreten. „Hier empfehlen sich Bewegung oder sogenannte isometrische Muskelübungen am Sitzplatz“, sagt Roggendorf. Betroffene sollten auch viel trinken, allerdings keinesfalls Alkohol. „Weiterhin ist eine spezielle Beratung erforderlich bei Reisen im Alter, in der Schwangerschaft, mit Kindern, bei chronischen Krankheiten sowie bei Immunsuppression“, sagt Roggendorf.

(Anmerkung der Redaktion: Immunsuppression meint die Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem schwächen.)

Wie schütze ich mich vor Ansteckungen im Urlaubsland?

„Um sich vor Ansteckung mit bestimmten Erregern zu schützen, sollte man einen möglichst umfassenden Impfschutz anstreben“, rät Roggendorf. Allerdings sind nicht alle Erreger „impfpräventabel“, sprich: Man kann sich nicht impfen lassen – das gilt etwa fürs Denguefieber oder HIV. Schützen kann man sich trotzdem, indem man etwa guten Mückenschutz aufträgt oder, im Fall von HIV, beim Geschlechtsverkehr Kondome benutzt.

Was ist der wichtigste Ratschlag bei Hitze?

Reisende sollten das „landesübliche Verhalten beachten“, rät Roggendorf. Will heißen: Während der größten Hitze im Schatten oder im Haus bleiben, vielleicht auch eine Siesta machen. Stets an Sonnenschutz und Kopfbedeckung denken. Viel trinken, am besten Wasser – keinen Alkohol! Und: Klimaanlage nicht zu kalt stellen.

Was gilt bei einem Wanderurlaub?

„Eine gute Kondition und Ausrüstung sind unabdingbar“, sagt Roggendorf. Allerdings sei nicht vorhersehbar, ob man von der sogenannten Höhenkrankheit betroffen sein wird. Hier gilt also: „Adaptation an die Höhe, langsamer Aufstieg, ausreichende Flüssigkeitsaufnahme.“ Sollten dennoch Symptome wie starke Kopfschmerzen und Schwindel auftreten: Sofort soweit absteigen, bis sie aufhören.

Was müssen Reisende beim Essen beachten?

„Andere Länder, anderes Essen – und anderes Keimspektrum“, erklärt Roggendorf. Insbesondere für tropische Länder empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation Folgendes: Ungekochte und nicht gebratene Lebensmittel sowie Früchte und Gemüse, die sich nicht schälen lassen, meiden. Kein Wasser aus der Leitung trinken, nicht mal fürs Zähneputzen verwenden. Zudem: Auf Eiswürfel, auch in Drinks, und auf Speiseeis sowie Eierspeisen verzichten. Fleisch, Fisch und Schalentiere nie roh verzehren. „Risikofreie“ Getränke sind in der Regel heißer Tee, Kaffee, Bier, Wein und Getränke aus original- und festverschlossenen Flaschen.

Was, wenn man trotzdem Durchfall bekommt?

„Den Flüssigkeitsverlust durch viel Tee mit Zucker und Salz ersetzen“, rät Roggendorf. Bei länger andauernden Durchfällen mit hohem Fieber stets einen Arzt aufsuchen!

Welche Nachuntersuchungen empfehlen sich, sobald man zurück ist?

Abhängig vom Reiseland- und stil können auch nach der Rückkehr Erkrankungen auftreten. In jedem Fall sollte der behandelnde Arzt über die (Tropen)-Reise informiert werden. Dies ermöglicht eine zeitnahe Diagnostik bestimmter Erreger oder Erkrankungen – etwa Malaria oder andauernde Durchfallerkrankungen.

Flugreisen sind für den Körper anstrengend. Schnupfen, schwaches Herz oder frisch operiert – wann können Urlauber ohne Sorgen in ein Flugzeug steigen und wann nicht?

Interview & Zusammenfassung: Barbara Nazarewska

Reiseapotheke - das gehört hinein

  • Verbandsmaterial: Heftpflaster, Mullbinden, sterile Kompressen, elastische Binde.
  • Insektenschutzmittel: zum Auftragen auf die Haut geeignete Präparate mit DEET-Gehalt („Nobite“, „Autan“) von etwa 50 Prozent, Insektizidspray für die Kleidung, ggf. Moskitonetz.
  • Sonstiges: Schere, Fieberthermometer, Pinzette, Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor, Präservative.

Medikamentenliste bei ...

  • Allergie und allergischen Hautreaktionen: Antihistaminika. Augenentzündung: antibiotikahaltige Tropfen und Salben.
  • Bauchschmerzen: Antazida (säurebindende Mittel) und Spasmolytika (krampflösende Mittel).
  • Durchfall: Präparate zum Ausgleich von Flüssigkeit- und Mineralstoffverlust, Motilitätshemmer, Saccharomyces- Präparat (Hefe) und Spasmolytika (krampflösende Mittel). Erbrechen und Übelkeit: Antiemetika.
  • Fieber: Antipyretika (fiebersenkende Mittel). Halsschmerzen: Lutschtabletten.
  • Harnwegsinfekte: Sulfonamide.
  • Lokal begrenzte Hautinfektion: Desinfektionsmittel.
  • Husten: Sekretolytika (Schleimlöser), Antitussiva (Hustenstiller). Lokaler Pilzbefall: Antimykotika. Schmerzen und Kopfschmerzen: Analgetika.
  • Verstopfung: Laxantien.
  • Zudem: Mittel bei Sonnenbrand, zudem bei Sportverletzungen, Gelenkschmerzen und Blutergüssen.

Malaria-Prophylaxe

„Die Vermeidung von Moskitostichen ist das Entscheidende zur Vermeidung der Malaria!“, sagt Impf-Expertin Dr. Hedwig Roggendorf. Denn Malaria wird durch infizierte Mücken („Anopheles“) auf den Menschen übertragen.

Malaria Symptome

Charakteristisch ist eine grippeähnliche Symptomatik mit Fieber, Schüttelfrost, Gliederschmerzen, Kopf- und Oberbauchschmerzen sowie Übelkeit.

Bei Verdacht auf Malaria muss man umgehend zum Arzt, da eine frühzeitige Behandlung von entscheidender Bedeutung ist. Eine sofortige Behandlung ist lebensrettend! Auch nach der Rückkehr. Malaria-Mücken sind in der Dämmerung und nachts aktiv.

Reisende sollten sich vor Insektenstichen durch verschiedene Maßnahmen schützen:

1. Anwendung von „Repellentien“ (etwa „Autan“ oder „Nobite“) auf der exponierten Haut.

2. Möglichst keine Spaziergänge in der Dämmerung im Malariagebiet

3. Ausreichende, helle Bekleidung (Arme, Knöchel!)

4. Moskitonetz über dem Bett, verschlossene Schlafraumfenster

5. Insektensprays für die Schlafräume (pyrethrumhaltig).

Bei Aufenthalten in Risikogebieten kann auch die Einnahme von Medikamenten zur Malaria- Prophylaxe und/oder zur Anwendung im Notfall empfohlen sein. Vor der Selbstmedikation sollte man jedoch möglichst einen Arzt aufsuchen.

mm

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