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Vom Bollwerk zum Kunstwerk: Im Stadtteil Friedrichshain steht das Stück in der East Side Gallery.

Berliner Mauer: Gib Dir den Rest

Vor 20 Jahren fiel die Mauer, das Bauwerk, das Berlin wie kein anderes geprägt hatte. Der sogenannte „antifaschistische Schutzwall“  trennte auf 40 Kilometern die Stadt und die Menschen in West und Ost.

Was davon bis heute geblieben ist – eine Spurensuche zum Jahrestag des Mauerfalls:

Es war die Souvenirjagd der etwas anderen Art: Nach der Wende wurden fast alle 45 000 Betonklötze, aus denen die Mauer bestand, abtransportiert und hinausgetragen in die Welt. Nur, wer genau hinschaut, findet heute noch mitten in Berlin Spuren der Mauer.

Das Brandenburger Tor ist ein guter Ausgangspunkt für einen solchen Rundgang. Auch direkt vor dem Tor waren in den frühen Morgenstunden des 13. August 1961 erste Barrikaden errichtet worden. Besucher im Westteil der Stadt sahen die Quadriga fortan nur hinter der Mauer versteckt, Bewohner des Ostteils kamen wegen des breiten Kontrollstreifens nicht einmal mehr in ihre Nähe.

Ostalgie: am Potsdamer Platz kann man sich von einem Händler in Volkspolizei-Uniform ein „DDR-Visum“ geben lassen.

Eine Reihe Pflastersteine, die den einstigen Verlauf der Mauer markiert, führt zum Potsdamer Platz. An der Ecke vor dem modernen Bahn-Hochhaus stehen sieben einzelne Mauersegmente. Ein Mann in Volkspolizei-Uniform bietet „Original DDR-Visum mit Stempel“ an, Touristen haben ihre Initialen auf den Beton gekritzelt.

Seit 1990 führt Klaus Kowatsch Besucher durch Berlin. Der Martin-Gropius-Bau in Kreuzberg fordert sein ganzes Erklärungstalent: „Die Grenze verlief hier so, dass der Bürgersteig direkt am Gebäude zwar vor der Mauer lag, dennoch zum Ostteil der Stadt gehörte und von den Menschen im Westen nicht benutzt werden durfte.“

Der Eingang zu den Ausstellungsräumen habe deshalb zwangsweise zur Südseite verlegt werden müssen. Erst seit dem Mauerfall kann das Haus, eines von Berlins wichtigsten Ausstellungsgebäuden, wieder über seinen eigentlichen Haupteingang betreten werden. Gleich nebenan steht eines der drei längsten erhalten Mauerstücke – hellgraue Betonklötze, auf 200 Metern aneinandergereiht. Das Mauerstück steht unter Denkmalschutz.

Auch der legendäre Checkpoint Charlie, den zu DDR-Zeiten nur Ausländer und Diplomaten passieren durften, ist ein Besuchermagnet. Das Grenzkontrollhäuschen der amerikanischen Streitkräfte wurde 1990 abgebaut, später durch einen Nachbau ersetzt. Zum Urlauber-Pflichtprogramm gehört auch der Besuch im Museum „Haus am Checkpoint Charlie“.

Nächste Adresse mit historischer Bedeutung: Zimmerstraße 26. Ein Mahnmal erinnert an einen der ersten Mauertoten: Der 18-jährige Bauarbeiter Peter Fechter versuchte am 17. August 1962 mit einem Freund über die Mauer zu klettern. Der Freund schaffte den Sprung in den Westen, Fechter wurde angeschossen und blieb schwer verletzt an der Ostseite der Mauer liegen, wo er verblutete.

Mit der S-Bahn geht es in die Bernauer Straße. Eine 200 Meter lange Betonfront erinnert daran, dass hier nach dem Mauerbau zahlreiche Menschen aus Häuserfenstern in den Westen sprangen – und einige dabei den Tod fanden.

Weiter im Osten finden Besucher schließlich das wohl bekannteste Mauerstück: die 1,3 Kilometer lange East Side Gallery, das längste erhaltene Stück Mauer, das Künstler aus aller Welt bemalt haben. Zu den bekanntesten Motiven gehört Dmitrji Vrubels „Bruderkuss“ zwischen Honecker und Breschnew.

Im Internet: www.berlin.de/mauer

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