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Automobile Schätze vor grandioser Bergkulisse: Bei der Südtirol Classic Schenna haben die Oldtimer Vorfahrt.

Scharfe Kurven für starke Typen

Freunde automobiler Schätze kommen Anfang Juli rund um Schenna auf ihre Kosten. Bei der 25. Südtirol Classic fahren ab dem 8. Juli chromblitzende Oldtimer durch die Dolomiten.

Wir haben uns von einem Experten die Faszination dieser Fahrt erklären lassen, und er verrät, wo man die Legenden der Landstraße am besten bestaunen kann.

Der Oldtimer-Liebhaber: Dirk Henning Strassl hat vor 25 Jahren die Südtirol Classic Schenna mitgegründet und seither jedes Jahr daran teilgenommen. Er geht gemeinsam mit seiner Frau Ingrid in einem auberginefarbenen Jaguar XK 120 OTS, Baujahr 1953, an den Start – das Auto gehörte mal Hollywoodstar Ava Gardner.

Dirk Henning Strassl möge verzeihen, aber für ihn gilt eigentlich auch das, was er selbst über sein Auto gesagt hat: „Ein Oldtimer, der bewegt wird, ist immer besser dran als einer, der steht.“ Den 72-Jährigen aus Seefeld am Pilsensee als Ruheständler zu bezeichnen, wäre glatt gelogen. Der Unruhige ist im Grunde dauernd unterwegs, und das nicht selten in einem seiner Oldtimer, einem Jaguar XK 120 oder einem Austin Healey. Demnächst fährt er wieder: bei der Südtirol Classic Schenna, einer Rallye für klassische Fahrzeuge, die heuer zum 25. Mal startet. Das Jubiläum gilt auch für Strassl, denn er gehört zu den Gründervätern dieser Veranstaltung und war bis jetzt jedes Jahr dabei. Anfangs hieß die Veranstaltung Meraner Klassiker Tage, danach BMW Euro Classic – weil Dirk Henning Strassl für seinen Arbeitgeber, die Bayerischen Motorenwerke, das Konzept ausgearbeitet hatte und den heute noch gültigen Slogan „Rallye der Sympathie“ als Motto kreiert hatte.

Aber nicht nur deswegen ist er dabei. „Es ist eine Genussveranstaltung“, sagt Strassl. Trotz professioneller Struktur mit Routenplan und Zeitprüfungen bleibe genug Muße, auch mal einen Stopp für einen Espresso einzulegen, unterwegs anzuhalten und mit über die Jahre lieb gewonnenen Rallyekollegen Benzingespräche zu führen. „Ich genieße die Landschaft, das Auto und fahre nicht unter Druck.“ Natürlich gibt es am Ende einen Sieger: Wer auf den Prüfungsstrecken die geringste Abweichung von der vorgegebenen Zeit hat, gewinnt.

Die schönsten Panoramastraßen

Die schönsten Panoramastraßen für den Urlaub

Die Rallye soll in gemütlichem Tempo absolviert werden, „es ist nicht gewollt, dass Raserei stattfindet,“ sagt Dirk Henning Strassl. Die Carabinieri würden auf ordentliche Fahrweise achten, „hin und wieder holen die auch einen raus“. Aber wer hier rast, hat sowieso den Sinn nicht verstanden. Denn die Strecke am zweiten und dritten Tag wird bewusst so gewählt, dass die Teilnehmer die schönsten Landschaften Südtirols zu sehen bekommen.

Bei der 25. Südtirol Classic gehören die Pässe den Oldtimern

Heuer geht’s am Freitag auf der Dolomiten-Rundfahrt von Schenna über Kastelruth und das Grödner Joch nach Corvara, dann über den Furkelpass nach Bruneck und Franzensfeste und über Sterzing und den Jaufenpass zurück zum Ausgangspunkt. „Das ist schon anspruchsvoll“, sagt Strassl zu dieser 270 Kilometer langen Runde, „da fährt man richtig Auto und kommt abends ziemlich zermantscht zurück“. Aber zufrieden. Tags darauf, wenn es von Schenna westwärts übers 2757 Meter hohe Stilfser Joch und den Umbrailpass (2503 Meter) bis Santa Maria Müstair im Schweizer Kanton Graubünden geht, werden überhitzende Kühler und nicht auf diese Höhe eingestellte Vergaser zur Herausforderung für die Fahrzeuge. „Ich bin mir nicht sicher, ob jeder oben ankommt.“ Wer die 140 Fahrzeuge ganz nah erleben will, kann am Donnerstagabend die Fahrzeugparade auf der Kurpromenade in Meran bestaunen. Den besten Blick auf die Oldtimer in Aktion hat man unterwegs an den Steigungen und auf den Pässen. „Ideal sind auch die Zeitprüfungen“, sagt Strassl. Da müssen die Teilnehmer eine vorgegebene Strecke in einer festgelegten Zeit absolvieren. Wer zu schnell oder zu langsam fährt, kassiert Strafpunkte. Am Freitagvormittag sind’s gleich drei solcher Wertungen (s. Info-Kasten), anschließend können sich die Teilnehmer bei der Mittagspause in Bruneck erholen, während die Fahrzeuge von 12 bis 15 Uhr auf dem Rathausplatz zur Schau gestellt werden. 

Am Sonntag dann, wenn nach der Siegerehrung und dem Frühschoppen in Schenna die Pokale verstaut und alle Benzinthemen ausgetauscht sind, dann steigen Dirk Henning Strassl und seine Frau Ingrid wieder in ihren Jaguar XK 120 und fahren zurück nach Seefeld. Der Oldtimer will schließlich bewegt werden.

Volker Pfau

DIE REISE-INFOS

REISEZIEL Schenna liegt in Süd­tirol oberhalb von Meran auf etwa 600 Metern Höhe. Die Gesamtgemeinde, die noch weitere sechs Ortsteile umfasst, hat knapp 3000 Einwohner.

ANREISE Mit dem Auto von München über die Brennerautobahn bis Ausfahrt Bozen Süd, auf der Schnellstraße bis Meran Süd, dann über die Landesstraße kurz vor Meran rechts abzweigen Richtung Schenna. Reizvolle Alternativen: Brennerautobahn bis Sterzing, dort über den Jaufenpass ins Passeiertal und kurz vor Meran links nach Schenna abbiegen oder durchs Ötztal und übers Timmelsjoch ins Passeiertal und kurz vor Meran nach Schenna abbiegen. Mittwochs und samstags fährt um 14 Uhr ein Bus von München ZOB direkt nach Schenna (Rückfahrt ab Schenna um 6.30 Uhr). Preis 59 Euro (Hin- und Rückfahrt), Info und Buchung beim Tourismusbüro Schenna (Adresse s. unten).

WOHNEN Das Angebot in Schenna reicht von günstigen Zimmern in Frühstückspensionen bis zu exklusiven Hotels. Beispiele: Im Hotel-Garni Feldhof (Tel. 00 39/04 73/23 46 12) kostet die Ü/F im DZ ab 31 Euro pro Person, im Blumenhotel (vier Sterne) kostet die Übernachtung mit Verwöhnpension ab 95 Euro pro Person. Tel. 00 39/04 73/94 57 67, Internet: www.blumenhotel.it. Finden Sie hier weitere Hotelangebote... SÜDTIROL CLASSIC Die 25. Rallye findet vom 8. bis 11. Juli rund um Schenna statt. Auftakt ist am 8. Juli (ab 16.30 Uhr) ein Prolog durchs Meraner Land mit Fahrzeugparade in Meran, tags darauf ist die Dolomiten-Rundfahrt (Start 8.30 Uhr, u.a. Grödner Joch, Furkelpass, Jaufenpass, Mittagspause in Bruneck), am Samstag (Start 8.30 Uhr) steht die Südtirol-Panoramafahrt (u.a. übers Stilfser Joch, Mittagspause im Schloss Goldrain im Vinschgau) auf dem Programm. Siegerehrung ist am Sonntagvormittag in Schenna (ab 10 Uhr). Weitere Informationen im Internet unter www.suedtirolclassic.com.

ZEITPRÜFUNGEN Am Donnerstag ab 17 Uhr zwischen Zenoberg und Meran, ab 18.15 Uhr in Freiberg/Labers. Am Freitag ab 8.15 Uhr zwischen Gargazon und Terlan, ab 10.30 Uhr zwischen Pederoa und der Seilbahn „Piculin“, ab 11.30 Uhr zwischen Olang und Reischach (Seilbahn Kronplatz) und ab 15.30 Uhr zwischen St. Leonhard und St. Martin. Am Samstag ab 9.15 Uhr zwischen Latsch (OG Ortler) und Goldrain Bhf., ab 9.30 Uhr zwischen Eyris und Spondinig sowie ab 12 Uhr in Laas Dorf.

INFO Tourismusbüro Schenna, Erzherzog-Johann-Platz 1/D, I-39017 Schenna, Tel. 00 39/04 73/94 56 69, Internet: www.schenna.com.

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