+
Laut BGH-Urteil ist eine inhaltliche Prüfung von Userkommentaren für Betreiber von Online-Bewertungsportalen nicht zumutbar.

Schlechte Bewertung im Internet: Hostel scheitert mit Klage

Bücher, Kleider, Hotels. Kaum etwas entgeht der Bewertung im Internet. Die entsprechenden Online-Plattformen haben daher einigen Einfluss. Über die Pflichten urteilte jetzt der BGH.

Karlsruhe - Die Betreiber von Online-Bewertungsportalen müssen schlechte Kritiken in der Regel nicht vorab inhaltlich prüfen. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden.

Die Richter wiesen deshalb die Klage von Betreibern eines Hostels in Berlin-Mitte ab, die das Online-Reisebüro HolidayCheck verklagt hatten. Grund war eine negative Bewertung auf dem Internetportal von HolidayCheck. Auf der im Juli 2010 eingestellten Kritik hatte ein User behauptet, im Hotel seien Bettwanzen gewesen - was falsch war. HolidayCheck entfernte die Bewertung nach einer Abmahnung.

Die Kläger wollten jedoch erreichen, dass derartige Einträge erst gar nicht online erscheinen und die Plattformbetreiber schlechte Anmerkungen vor dem Einstellen genauer prüfen.

Dem erteilte der BGH eine Absage: Eine inhaltliche Prüfung vorab sei nicht zumutbar, hieß es. Für schlechte Kritiken hafte ein Plattformbetreiber daher erst, wenn diese Rechte verletzten, er das wisse und sie dennoch nicht beseitige.

Der BGH folgte auch nicht der Argumentation des Anwalts der Kläger, wonach Plattformen wie HolidayCheck ein "hochgradig gefährliches Geschäftsmodell" mit besonderen Prüfungspflichten darstellen.

Die für die Internetseite des Reisebüros abgegebenen Bewertungen werden von HolidayCheck vor ihrer Freischaltung durch eine Software vorab auf Beleidigungen, Schmähkritik oder Eigenbewertungen anderer Hotelbetreiber geprüft. Ausgefilterte Bewertungen werden von Mitarbeitern noch einmal geprüft. Eine Kontrolle danach, ob der Inhalt richtig ist, findet nicht statt. Aus den Bewertungen errechnet HolidayCheck für das jeweilige Hotel eine Durchschnittsbewertung.

Internetkritiken spiegelten aber nur einen kleinen Ausschnitt der Kundenmeinungen wider, hatte der Anwalt der Hostel-Betreiber argumentiert. Außerdem sei die Missbrauchsgefahr immens: Rachsüchtige Kunden und deren Freunde, Konkurrenzunternehmen - niemand wisse, was an einer Bewertung wirklich dran sei. Die Betriebe müssten jedoch mit den daraus resultierenden wirtschaftlichen Nachteilen leben.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Diese Art von Passagieren nervt Flugbegleiter am meisten
Gutes Verhalten gilt auch in 10.000 Metern Höhe. Daher sollten sich diese Passagiertypen das nächste Mal genauer überlegen, ob ihr Verhalten angebracht ist.
Diese Art von Passagieren nervt Flugbegleiter am meisten
Frauen packen häufiger zu viel ein - aber eher mit System
Frauen packen anders als Männer? Eine Umfrage legt dies nahe. Demnach gehen sie dabei vor allem systematischer vor. Doch am Ende könnte dennoch zu viel im Koffer landen.
Frauen packen häufiger zu viel ein - aber eher mit System
Können Flugzeuge Turbulenzen schon bald vorzeitig erkennen?
Turbulenzen im Flugzeug treten häufig spontan auf. Nicht selten kommen Passagiere und Crew dabei zu Schaden. Das könnte sich ab nächstem Jahr ändern.
Können Flugzeuge Turbulenzen schon bald vorzeitig erkennen?
Europäische Route der Backsteingotik
Der rote Backstein prägt die Landschaft Nordeuropas - als Baustoff für Kirchen, Rathäuser oder Giebelhäuser. Vor zehn Jahren gründete sich der Verein "Europäische Route …
Europäische Route der Backsteingotik

Kommentare