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Übernachten am Wasser: Camper-Sharing etwa über die Plattform Share a Camper ermöglicht es Privatleuten, ihre Gefährte zeitweise an andere Urlauber zu verleihen. Foto: Lotta Heimbach

Zuhause auf Zeit

So funktioniert Camper-Sharing

Mit dem Bulli durch Europa: Diesen Reisetraum haben viele, das passende Gefährt die wenigstens. Abhilfe verspricht das sogenannte Camper-Sharing. Was verbirgt sich hinter dem Angebot?

München (dpa/tmn) - Wendy blickt mit kreisrunden Frontscheinwerfern in den Sonnenuntergang, ihr zartes Pastellblau schimmert im Abendlicht.

Spüle, Kühlschrank und ein kleiner Gasherd machen den VW-Bulli zu einem romantischen Zuhause auf Zeit, in dem man schlafen, kochen und die Seele baumeln lassen kann. Der Clou ist: Dafür muss einem Wendy nicht einmal selbst gehören.

Online Plattform in sechs verschiedenen Ländern

Denn der Besitzer bietet seinen über 40 Jahre alten T2 auf Yescapa zur Miete an, auf einer Webseite, die Camper von Privatbesitzern zum Teilen im Portfolio hat. Vom ausgebauten Campingbus über Alkoven und Kastenwagen bis hin zum vollintegrierten Wohnmobil bieten dort Privatleute in sechs Ländern ihre Fahrzeuge an.

Der französische Anbieter Yescapa ist nicht das einzige Unternehmen mit der Idee. In Deutschland bringen Paul Camper, Campanda oder Share a Camper Urlauber und Fahrzeug zusammen. Camper-Sharing heißt das.

Liebe zum Detail und eine Faustregel

Daniel Schneider, Student aus München, hat im Sommer 2018 eine Woche mit Wendy auf Teneriffa verbracht. Ein Jahr später war er mit dem Camper einer Mietwagenfirma in Schottland unterwegs. "Es gibt kaum Unterschiede, der Camper auf Teneriffa war aber natürlich toll geschmückt, da war deutlich mehr Liebe reingesteckt."

Als Faustregel könne man sagen, dass die private Miete eines Reisemobils über ein Sharing-Portal etwa 10 Euro pro Tag günstiger ist als die klassische Vermietung bei einem gewerblichen Anbieter wie dem ADAC, McRent oder DRM, sagt Daniel Rätz, Sprecher beim Caravaning Industrie Verband (CIVD).

Begehrtes Konzept für großen Trend

Camper-Sharing hat zwei Vorteile: Mieter kommen in den Genuss von Fahrzeugen abseits des Mainstreams, die individuell ausgestattet sind, und das vergleichsweise günstig. Der Besitzer hat wiederum einen Nebenverdienst für die Zeit, in der das Fahrzeug ungenutzt herumstehen würde und Versicherungskosten frisst.

Dass das Konzept so begehrt ist, liegt auch am wachsenden Interesse an der Reiseform: Caravaning ist im Trend. "Die Neuzulassungen von Reisemobilen und Caravans wachsen bereits seit Jahren, 2018 wurde ein neuer Rekord erreicht", erklärt CIVD-Sprecher Rätz.

Uneinheitliche Standards und Versicherungen

Der Nachteil des Sharing-Modells liegt darin, dass Kunden keinen verlässlichen Service mit standardisierten Fahrzeugen bekommen wie bei klassischen Mietwagenfirmen - auch wenn die Plattformen nach eigenen Angaben bemüht sind, Kunden und Vermietern jederzeit mit Rat und Hilfe zur Seite zu stehen. Dazu zählt auch eine Versicherung im Schadensfall oder Pannenhilfe, falls der in die Jahre gekommene Bulli plötzlich mitten in der Pampa liegenbleibt.

Die meisten Fahrzeuge sind über Versicherungspartner der Portale für Teil-, Vollkasko- und Haftpflichtschäden versichert, auch Pannenhilfe ist inklusive. Wenn Vermieter das nicht wollen, müssen sie eine Selbstfahrervermietversicherung abschließen.

Alle helfen zusammen und die Dinge nehmen wie sie kommen

Im Zweifel hilft aber auch der Vermieter. Als Daniel Schneider eines Morgens den Motor seiner Wendy nicht mehr starten konnte, hatte der Besitzer das Problem per Ferndiagnose schnell erkannt und den entsprechenden Lösungsvorschlag parat.

Trotzdem sollte man sich bei Privatfahrzeugen eher darauf einstellen, dass manches nicht funktioniert wie geplant. "Wenn die Standheizung dann nach drei Stunden ausgeht, ist das sonst blöd", sagt Schneider.

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