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Tierischer Job: Jannina Corbeck arbeitet in der Animal Lounge am Flughafen.

Die Super-Nanny vom Flughafen

Die Passagiere, die hier Pause machen, tragen Fell, haben Flügel oder Flossen. Es wird gebellt, gewiehert und gezwitschert. Und mittendrin erledigt Jannina Corbeck ihre Arbeit. Sie ist Tierpflegerin in der Animal Lounge am Flughafen Frankfurt.

Irgendwie geht es hier zu wie in einer Senator Lounge, nur dass das Getränke-Angebot von Spirituosen absieht und wohl keiner der Gäste mit der goldenen Amex-Karte zahlt.

Wer was bestellen möchte, ruft nach Jannina Corbeck, sie ist hier die Service-Kraft. Die 26-Jährige kümmert sich im Frachtbereich des Frankfurter Flughafens um Tiere, die vor dem Verladen oder nach einem Flug einen Zwischenstopp einlegen müssen. Manche bleiben für Stunden in der Tierlounge, andere über Nacht. „Jeder Tag ist spannend“, sagt Jannina, „weil man nie weiß, was einen erwartet.“

Nur eines weiß sie sicher: Es ist jeden Tag tierisch was los. Das so genannte Competence Center Animals mit einer Fläche von 3750 Quadratmetern ist die weltweit modernste Airport-Tierstation. Alle für diese Transporte notwendigen Abteilungen sind hier direkt nebeneinander untergebracht – von der Tiermedizin bis zur Pflege. Die Fluggäste – strikt getrennt nach Ausreise, Einreise und Transit – finden in dieser speziellen Lounge einen Service wie in der First Class. 42 Großtierställe, 29 Kleintierboxen, 12 Klimakammern und spezielle Vogelvolieren wurden eingerichtet.

Bär oder Hund in der Animal Lounge nehmen sie es mit fast jedem auf

Flexible Ställe mit Sicht und Schallschutz sorgen für Ruhe. Es geht überall artgerecht und hygienisch zu, streng nach den Richtlinien des Washingtoner Artenschutzabkommens und des internationalen Flugverbandes IATA. Auch auf Sicherheit wird viel Wert gelegt, alle Räume sind von Kameras überwacht. Jannina Corbeck fühlt sich pudelwohl an ihrem tierischen Arbeitsplatz. Gelernt hat sie eigentlich Zootierpflege, die Stelle am Flughafen bedeutete eine Umstellung für sie. „Man kann hier nur schwer eine Beziehung zu den Tieren aufbauen, weil sie ja nur kurz bei uns sind“, sagt sie. Hunde und Katzen sind die Tiere, die sich in der Station am häufigsten aufhalten.

Rund 14 000 Haustiere fliegen jährlich mit der Lufthansa. „Mit den Hunden ist es manchmal ganz schön schwierig“, weiß Jannina. „Es gibt welche, die sind durch den Reisetress sehr ängstlich.“ Wenn ein Hund gleich die Zähne fletscht, wird auch das Füttern kein Spaß. Als Geheimtipp für solche Fälle habe sich Katzenfutter entpuppt. Das lehne kaum einer ab. Ein Vorteil sei es immer, wenn der Namen des Tieres auf einem vom Besitzer beigefügten Zettel vermerkt ist.

Ob normales Haustier, Koalabär, Antilope oder Nashorn – die Pfleger in der Animal Lounge nehmen es mit fast jedem auf. Letztlich geht es bei allen Tieren darum, ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Dazu gehört es auch, mit Hunden raus zu gehen, wenn sie ihr „Geschäft“ nicht in der Box machen wollen. Vor allem Pferde haben beim Fliegen meist Begleiter, weil die Tiere hochsensibel und oft sehr kostbar sind. Mehr als 1400 Pferde fliegen pro Jahr mit Lufthansa, Jannina Corbeck und ihre Kollegen greifen bei diesen Passagieren nur unterstützend ein. Zu ernsthaft gefährlichen Situationen ist es für die 26-Jährige im Umgang mit den Tieren bisher selten gekommen. „Mich hat noch nie ein Hund gebissen, aber dafür ein Papagei. Die Narbe habe ich heute noch. Es hieß damals, der sei ganz zahm. Was wir leider erst später erfuhren: Der Papagei mochte nur Männer.“

Lufthansa Cargo nimmt durchaus nicht jedes Tier an Bord. Die deutsche Frachtfluggesellschaft hat sich selbst auferlegt, keine Versuchstiere zu fliegen und verzichtet zudem auf den Transport von Delfinen oder Haien sowie in freier Wildbahn gefangener Tiere. Je nach Art und Gattung werden die Tiere in speziellen Käfigen oder Boxen transportiert. „Nager können nicht in eine Holzkiste, die würde von ihnen zerstört. Ein Seelöwe darf nicht in einen dichten Käfig, er würde überhitzen, und Hornträger brauchen Kisten, die oben gepolstert sind“, erklärt die Tier-Nanny. Das bisher schönste Erlebnis hatte die Tierpflegerin mit einem Rudel Wölfe. „Es war faszinierend, sie zu erleben wie sie ihren menschlichen Begleiter als Rudelführer akzeptiert haben. Das kannte ich selbst vom Zoo nicht.

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