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Kuba Libre

Tourismus: Das bedeutet Kubas Annäherung an Amerika

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München - Barack Obama und Raúl Castro haben sich im alten Jahr die Hand gereicht. Sie wollen das Embargo, das seit der Revolution von 1959 auf Kuba gilt, lockern. Wie sich das auf die Karibikinsel als Urlaubsziel auswirken wird – ein Ausblick.

Die alten amerikanischen Straßenkreuzer, unvernünftig lang, unglaublich bunt und so unbeschreiblich kultig, sie sind wie nichts anderes das Symbol dieser Insel. Mehr noch als die berühmten Zigarren, handgedreht und knüppeldick. Mehr noch als die charmanten Musik-Oldies vom Buena Vista Social Club. Mehr noch als die Tanzgirls aus der Tropicana-Show mit dem federleichten Kopfschmuck und den atemberaubenden Beinen. Mehr noch als Kubas berühmtester Dauergast Ernest Hemingway, der in Zimmer Nummer 511 im Hotel Ambos Mundos in Havanna eine Dauerbleibe hatte und in der Bar La Teraza Dauergast war. Er liebte übrigens nicht den Cuba Libre, den während des Spanien-Amerika-Kriegs 1898 kreierten Drink aus Rum, Cola und Limette, sondern Mojitos und Daiquiris. Außerdem liebte er den Ozean und die Menschen. Die Hauptfigur in seinem Roman „Der alte Mann und das Meer“, das war wohl Gregorio Fuentes, ein kubanischer Fischer aus Cojimar, mit dem er sonntags gerne auf seiner Yacht „El Pilar“ zum Hochseeangeln ging.

Kubas Straßenkreuzer, in den letzten Jahren zunehmend auch im Tourismus im Einsatz, als Taxis oder Leihwagen oder auch mal als Transportmittel für eine ganze Inselrundreise, die wird das gelockerte Embargo wohl als erstes treffen. Konservator der chromblitzenden Oldtimer, von denen es bis heute fast 60000 auf der Insel gibt, war vor allem das Verbot des freien Autohandels. Weil sie sich einen Toyota oder Nissan nicht leisten konnten, fuhren die Kubaner Cadillac, Chevrolet oder Studebaker, Jahrzehnte alt, hunderttausende von Kilometern auf dem Tacho, unendliche Male in irgendwelchen Hinterhofwerkstätten wieder zum Leben erweckt. Das war Castros Kuba.

Freilich: Mit der Lockerung des Embargos öffnet sich Kuba, die deutsche Touristenhochburg in der Karibik seit dem ersten Charterflug vor 20 Jahren, nun auch verstärkt dem amerikanischen Markt. Und wird sich den Bedürfnissen des US-amerikanischen Klientels zunehmend anpassen. „Mittel- bis langfristig werden auch amerikanische Urlauber ins Land strömen“, weiß Katharina Schirmbeck. „Aber mehr touristisches Angebot kann auch positiv für den deutschen Markt sein“, meint sie. „Die konkreten Veränderungen sind heute noch nicht absehbar.“

Wer aber auf Nummer sicher gehen und das alte Kuba noch einmal erleben will, mit Straßenkreuzern und Buena Vista Social Club, mit alten patinierten Bars in Havanna, in denen nicht nur die bildbepflasterten Wände Geschichten erzählen, der sollte sich beeilen.

Christine Hinkofer

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