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Mallorca ist nicht nur der Ballermann: Das Foto zeigt die Stadt Port d’Andratx an der Westküste der spanischen Mittelmeerinsel. Tausende Urlauber zieht es in Regionen fern der Strände.

Fernab des Ballermanns

Tourismus auf Mallorca: Ringen mit zu großer Wanderlust

Mallorca bietet ja nicht nur Sonne und Strand, betonen Politik und Tourismusbranche seit Jahren. In diesem Winter war die Insel bei den Urlaubern so gefragt wie nie – das hat allerdings auch Schattenseiten.

Palma de Mallorca – Die Woche Wanderurlaub, die Norbert und Marianne Hofmann Anfang Mai auf Mallorca verbrachten, war traumhaft. „Aber wir hätten nicht gedacht, dass es hier in den Bergen so voll ist“, sagt das Paar aus Nordrhein-Westfalen, das die Insel zum ersten Mal bereiste. Die Serra de Tramuntana, deren höchster begehbarer Gipfel immerhin 1365 Meter hoch ist und die 2011 zum Unesco-Welterbe erklärt wurde, ist längst nicht mehr nur bei Einheimischen beliebt. Immer mehr Touristen entdecken den Reiz von Mallorcas Bergwelt für sich – doch so viel Andrang wie im vergangenen Winter und Frühjahr herrschte kaum.

„Man merkt, dass in anderen Ländern Krieg ist“, sagt Wanderführer Salvador Suau aus dem Bergstädtchen Sóller. Schon im Februar, einem sonst verschlafenen Monat, sei viel los und sein Terminkalender entsprechend gut gefüllt gewesen. Die fünf Wanderherbergen, die Mallorcas Inselrat verwaltet, waren fast durchgehend ausgebucht. Zwischen Januar und Mai habe man mit knapp 16 000 Übernachtungsgästen rund ein Viertel mehr verbucht als im selben Zeitraum des Vorjahres. Sogar im Juni, wo es eigentlich schon zu warm wird zum Wandern, lägen die Belegungs- und Reservierungszahlen deutlich über dem Durchschnitt.

Über eine außergewöhnliche Bilanz freuen sich auch die Anbieter von Radreisen und geführten Radtouren. Zu den bis zu 10 000 mallorcaweit verfügbaren Leihrädern seien zudem Tausende Fahrer hinzuzurechnen, die ihr eigenes Rad mitgebracht hätten. Verantwortlich für den großen Andrang ist Knaf zufolge aber nicht nur der seit Jahren anhaltende Radsport-Boom auf Mallorca, sondern auch die politische Situation in der Türkei, die bei Radurlaubern in der Vergangenheit sehr beliebt gewesen sei.

Kein Wunder also, dass die Statistik über die Touristenzahlen insgesamt ein dickes Plus aufweist: 1,44 Millionen ausländische Besucher wurden im ersten Quartal 2016 auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln gezählt – und damit knapp 22 Prozent mehr als 2015. „Das ist eine gute Nachricht, dafür kämpft die Politik seit Jahren“, sagt Pilar Carbonell, die Nummer 2 im balearischen Tourismusministerium. Natürlich weiß auch sie, dass die politischen Konflikte in anderen Urlaubsregionen Mallorca in diesem Jahr in die Hände spielten. Ebenso der milde Winter. „Das gute Wetter auf Mallorca war sicher für viele Kurzentschlossene ausschlaggebend.“ Eine Rolle gespielt habe aber auch das verbesserte Flugangebot in den Wintermonaten.

Seit im Tourismusministerium die links-ökologische Partei Més das Sagen hat, macht man sich vermehrt Gedanken um die Belebung der Nebensaison. Man will vom ewigen Image der Sonnen- und Partyinsel wegkommen. Und vor allem sollen die Urlaubermassen besser übers Jahr verteilt werden, um den Tourismus verträglicher und nachhaltiger zu gestalten.

Dass dadurch nach der Küste auch die Bergwelt zunehmend von Touristen besucht wird, ist Carbonell durchaus bewusst: „Es ist wichtig, dass wir die Serra de Tramuntana haben, aber wir brauchen klare Regeln und Naturschutzpläne.“ Das Umweltministerium arbeite an einem Auflagenkatalog für die Serra und andere Schutzgebiete. Zumal Wander- und Natururlauber sich in der Regel respektvoll verhielten.

Wanderführer Salvador Suau hingegen ist weniger optimistisch: Den Unesco-Titel habe die Tramuntana wegen ihrer gut erhaltenen Landschaft verliehen bekommen, sagt er. „Doch um die ist es inzwischen schlecht bestellt.“ Zudem sei das Gedränge auf manch klassischer Wanderrouten, von Deià nach Port de Sóller etwa, unangenehm. „Wer in den Bergen Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, wird hier arg enttäuscht“, sagt der Mallorquiner, der die Serra seiner Kindheit nicht mehr wiedererkennt.

Nachdem die Politik seiner Meinung nach seit Jahren untätig zuschaue, hätten manche Eigentümer – Mallorcas Berge befinden sich zu über 90 Prozent in Privatbesitz – inzwischen die Notbremse gezogen und die über ihre Grundstücke führenden Wege kurzerhand gesperrt.

Von Stephanie Schuster

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