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Unbekannte Schätze: Der Ishak-Pascha-Palast in Dogubeyazit an der Grenze zum Iran.

Tipps für den Türkei-Urlaub

Schätze hinter der Küste

Sonne, Strand und ein bisserl Einkaufen – das ist für die meisten Deutschen die Vorstellung von einem Urlaub in der Türkei. Doch dieses Land hat viel mehr zu bieten – unsere Autorin Kathrin Finke hat die besten Geheimtipps zusammengestellt.

Der erste Weg in Ankara führt immer zu Atatürk. Zumindest offizielle Besucher fahren vom Flughafen direkt zum „Anit Kabir“, dem 1953 fertig gestellten Mausoleum für Staatsgründer Mustafa Kemal Pascha, genannt Atatürk. Wer die moderne Türkei verstehen will, zu deren Hauptstadt er Ankara 1923 erkor, muss hier gewesen sein. Großzügig die Architektur, anrührend die frischen Blumen am Sarkophag, informativ das Museum. Dort ist selbst Atatürks Pyjama zu sehen und man kann nachvollziehen, wie der „Große Gazi“ (große Führer) den orientalischen Sultansstaat binnen weniger Jahre zu einer modernen Demokratie umbaute.

Ankara: Mehr als Politik

Tipps für einen Stadtrundgang: Zum Einkaufsbummel geht man am besten nach Ulus, dem kunterbunten Basarviertel rund um die alte Festung. Von dort oben hat man einen schönen Blick über die Stadt. Unterhalb der Zitadelle liegt gleich das weltberühmte Muesum für Anatolische Zivilisationen. Die hethitischen Kultstatuen hier sehen aus wie moderne Kunst, sind aber 3000 Jahre alt. Unbedingt mit Führung besichtigen! Auch Tagestouren zur nahen Hethiter-Hauptstadt Hattuscha werden angeboten.

Nicht weit entfernt liegen zudem berühmte römische Relikte wie Augustus-Tempel, Julians-Säule und Caracalla-Thermen. Spätestens jetzt ist es Zeit für eine Stärkung: Den schönsten Sonnenuntergang gibt’s im Restaurant „Kale Washington“ oben auf der Festung.

Van: Karibik unter Viertausendern

Er ist siebenmal so groß wie der Bodensee, karibisch blau und umringt von Viertausendern: An den Van-See im äußersten Osten verirren sich nur wenige Touristen. Dabei wartet die erhabene Landschaft voller Schafherden und Wildblumen-Wiesen nur darauf, entdeckt zu werden. Boote schippern zu Inseln mit uralten armenischen Kirchen. Die berühmteste ist die gut erhaltene Heiligkreuzkirche auf Ahtamar (9. Jh.) mit ihren wunderschönen Figuren-Friesen.

Als Ausgangspunkt bietet sich die moderne Stadt Van an, die für ihr herzhaftes Frühstück berühmt ist. Nicht verpassen: Sonnenuntergang erleben auf der gigantischen Van-Festung (7. Jh. v. Chr.) hoch über dem See.  Drei Stunden Fahrt durch spektakuläre Gebirge und Lavafelder entfernt liegt Dogubeyazit an der Grenze zum Iran. Dort, im Schatten des schneebedeckten Ararat (5137 Meter, Noahs Arche soll dort gelandet sein), baute sich ein Kurdenemir vor 300 Jahren den märchenhaften Ishak-Pascha-Palast, der selbst als Ruine bezaubert.

Zwei Jahrtausende früher dran waren die Urartäer mit ihrer Festung in Cavustepe (8. Jh. v. Chr.), wo steinerne Weinpressen und sogar eine Königs-Toilette erhalten sind.

Trabzon: Wo der Tee herkommt

Die Hagia Sophia in Istanbul ist weltberühmt, ihre kleine Schwester in Trabzon kennt kaum jemand. Doch diese Basilika ist mindestens ebenso sehenswert! Idyllisch in einem Garten hoch über dem Schwarzen Meer gelegen, verströmt die 1204 erbaute Basilika erhabene Ruhe. Die Fresken im Inneren sind gut erhalten, draußen laden alte Olivenbäume und ein Teegarten zu einer Pause im Schatten ein.

Teppichküpfer

Im Juli und August ist die beste Reisezeit für die östliche Schwarzmeerküste, dann regnet es etwas seltener auf die Teefelder von Rize. Dort, fast an der Grenze zu Georgien, wächst, was alle Türken literweise trinken: Cay („tschai“). Kleine, sattgrüne Sträucher klammern sich an steile Hänge, die selbst im Sommer oft nebelverhangen sind. Das Teemuseum von Rize informiert über die Kunst des Tee-Anbaus: Die frisch geernteten Blätter müssen verarbeitet werden, bevor sie zu welken beginnen.

Für Naturfreunde lohnen Abstecher in die Seitentäler nach Ayder und zum malerischen See Uzungöl. Dort gibt es von alten seldschukischen Steinbrücken überspannte Wildbäche, Almen und köstlichen Honig. Ein Muss ist das Sumela-Kloster südlich von Trabzon: Wie ein Adlerhorst sind Kapellen und Mönchszellen (5. Jh.) in eine Felswand geklebt.

Lilafarbenes Leuchten versprach im Frühling den Reichtum: Einst waren es die Blütenfäden des Safrankrokusses, die den Einwohnern von Safranbolu ein gutes Auskommen bescherten. Bis heute ist die kleine Stadt an der Seidenstraße – auf halbem Weg zwischen Ankara und dem Schwarzen Meer gelegen – ein Kleinod osmanischer Baukunst. Die UNESCO hat es sogar auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt.

Safranbolu: An der Seidenstraße

Ein Tag in Safranbolu ist wie eine Zeitreise: Eng schmiegen sich in den Gassen die „Konaks“ aneinander, die typischen Holzständerbauten aus der Zeit der Sultane. Anders als in anderen türkischen Städten wurden sie hier jedoch nicht dem Verfall preisgegeben, sondern liebevoll restauriert. Zwischen den Lädchen des Basarviertels, die allesamt Safran-Lokum verkaufen, die lokale Süß-Spezialität, ranken Weinreben. Inmitten des Gassengewirrs zwischen Moschee und Hamam (traditionelles türkisches Badehaus) thront majestätisch die alte Karawanserei. Hier machten einst die Händler der Seidenstraße Rast, heute kann jeder im „Cinci Han“ übernachten. Und wer noch ein paar Tage länger Zeit hat, geht in den Bergen ringsum wandern. Oder besucht die kleinen Küstenorten rund um Amasra, um zu baden.

Hattuscha: Dicke Mauern

DAs in Felsen gebaute Sumela-Kloster

Wer durch die karge Weite Zentralanatoliens fährt, hat Zeit nachzudenken. Etwa darüber, wie viele Völker im Laufe der Jahrtausende durch diese Ebene gezogen sind: Phryger, Lyder, Perser, später Römer, Byzantiner und Osmanen. Und mit als erste kamen die Hethiter. Mächtige Felsblöcke türmten sie auf, um ihre um 3000 v. Chr. gegründete Hauptstadt Hattuscha – heute UNESCO-Weltkulturerbe – gegen Feinde zu sichern. Davon gab es nicht viele – die Hethiter waren stark genug, um sich mit Assyrern und Ägyptern die antike Welt zu teilen. Von den dicken Stadtmauern ist bis heute einiges übrig, und zum Teil auch in Lehmbauweise rekonstruiert. Wer neben dem mächtigen „Löwentor“ steht, fühlt sich ziemlich klein. Ein großer Tempel, von dem noch die Grundmauern stehen und rätselhafte Altäre, gepflasterte Straßen, Reste von Häusern – gut zwei Autostunden östlich von Ankara taucht man hautnah in die Welt der Hethiter ein. Tipp: Das Museum für Anatolische Zivilisationen in Ankara bietet manchmal Tagestouren nach Hattuscha an.

Von der weitläufigen Hauptstadt, die Archäologen seit 1834 nahe dem Dorf Bogazkale ausgraben, zogen die hethitishen Priester einst zum nahen Felsenheiligtum Yazilkaya: In einer engen Schlucht ziehen sich meterlange Götter-Friese über die Felsen. Spitze Helme, strenger Blick – die Götter sind so gut erhalten, als wären sie gerade erst entstanden.

REISE-INFOS ZUR TÜRKEI

Die Journalistin Kathrin Finke hat mit Mann und Sohn über vier Jahre in Ankara gelebt, wo sie nicht nur versucht hat, die komplizierte Landessprache zu lernen, sondern auf vielen Reisen auch möglichst viele unbekannte Winkel der Türkei entdecken wollte.

REISEZIEL Das Staatsgebiet der Türkei ist rund 815.000 Quadratkilometer groß, 97 Prozent davon gehören zu Asien, drei Prozent zu Europa. In der Türkei leben knapp 78 Millionen Menschen (zum Vergleich: Deutschland hat rund 81 Millionen Einwohner und eine Fläche von rund 357.000 Quadratkilometer).

ANREISE Nonstop-Flüge von München nach Ankara bieten Lufthansa, Turkish Airlines und Sun Express an. REISEN IM LAND BUS: Das Fernbus-Netz in der Türkei ist weit besser ausgebaut und sicherer als die Bahn. Eine Fahrt im Luxusbus (Bordverpflegung inklusive!) von Ankara nach Trabzon kostet bei Ulusoy 28,50 Euro. Die Busse der Firmen Ulusoy (www.ulusoy.com, Tel. 0090/312/44418 88) und Varan (www.varan.com, Tel. 0090/312/4448999) sind sicher und zuverlässig.

FLUGZEUG: Schneller überwindet man die großen Distanzen mit den Verbindungen von Turkish Airlines (www.thy.com, Tel. 00 90/212/444 08 49). Deren Billig-Tochter Anadolujet (www.anadolujet.com, Tel. 0090/212/444 25 38) fliegt die Strecke Ankara-Trabzon ab 15 Euro (plus Steuern und Gebühren, klappt nur bei sehr zeitiger Buchung).

ÜBERNACHTEN VAN: Günstig und sauber ist das Büyük Asur Hotel (www.buyukasur.com), DZ/F ab rund 50 Euro). SAFRANBOLU: Schlafen Sie wie ein Händler der Seidenstraße im Hotel Cinci Han, einer 400 Jahre alten Karawanserei. DZ/F 85 Euro, www.cincihan.com Tel. 0090/370/712 06 80.

ESSEN VAN: Der Ort ist berühmt für sein herzhaftes Frühstück, das bis nachmittags serviert wird. Probieren Sie „Sütcü Fevzi“ in der Cumhuriyet Caddesi 9 (www.sutcufevzi.com, Tel. 00 90/423/216 66 18. ANKARA: Abendessen bei Sonnenuntergang bietet das „Kale Washington“ in der Hauptsatdt gleich links neben dem Festungs-Tor (www.washingtonrestaurant.com.tr , Tel. 00 90/312/311 43 44).

EINKAUFEN In Ankaras Altstadtviertel Ulus macht Stöbern richtig Spaß. Schlendern Sie durch die Gassen rund um die Festung und halten Sie Ausschau nach anatolischen Kelims (Web-Teppichen), handgemachten Kupferwaren oder Porzellan mit den traditionellen Iznik-Mustern. Handeln ist erwünscht: Nehmen Sie sich Zeit und den angebotenen Tee an. Bieten Sie am Anfang etwas mehr als die Hälfte des Preises, weniger wäre beleidigend. Und machen Sie sich vorher klar, wieviel Geld sie höchstens ausgeben wollen. Falls Sie sich nicht einigen können, ist der Händler nicht böse. Er zeigt Ihnen dann preislich passende Alternativen.

ANTIQUITÄTEN Der Export bedarf einer Ausfuhrgenehmigung (cikis izni, gesprochen „tschüküsch isni“). Wenn Sie nach diesem Dokument fragen, entpuppt sich so manches alte Kleinod doch als moderne Replik. Im Zweifel gilt aber: Was antik ist, entscheidet letzlich der Zoll.

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