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Die Deutschen lassen sich den Urlaub nicht vermiesen: Laut einer Umfrage, die allerdings vor den Anschlägen in der Türkei durchgeführt wurde, plant gut ein Viertel der Deutschen 2016 mehr Reisen, 29 Prozent wollen mehr Geld ausgeben. Unser Bild zeigt Hurghada in Ägypten.

Urlaub in Zeiten der Verunsicherung

Wie sicher sind beliebte Reiseziele?

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Tunesien, Paris, Istanbul und nun die indonesische Hauptstadt Jakarta – die Terroranschläge an diesen Reisezielen in jüngster Zeit haben viele Urlauber verunsichert. Wie steht es um die Sicherheit in beliebten Urlaubsländern? Ein Überblick.

München - Urlaub trotz Terror? Bislang haben Anschläge und weltweite Krisen die Deutschen nicht vom Reisen abgehalten. Nach einer vorläufigen Bilanz der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) gaben die Bundesbürger im vergangenen Jahr für längere Urlaubsreisen mit rund 69 Milliarden Euro etwa vier Prozent mehr aus als im Jahr zuvor. Die Zahl der Urlaubsreisen dürfte um zwei Prozent auf 70 Millionen gestiegen sein, Kurzurlaube sind dabei noch nicht enthalten. Mit einer ähnlichen Entwicklung rechnet Professor Martin Lohmann vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung auch in diesem Jahr – trotz des Anschlags auf deutsche Urlauber in Istanbul. Die Deutschen seien es inzwischen ein Stück weit gewohnt unter Krisenbedingungen zu buchen, sagte Lohmann. Es gebe genügend Ausweichmöglichkeiten. Der größte deutsche Reiseveranstalter TUI spürt bereits eine Veränderung der Buchungsströme für die Mittelstrecke. Es gebe eine schwächere Nachfrage nach Zielen in Nordafrika. Davon profitiere vor allem Spanien.

Rund jeder vierte Urlauber will wegen der Terroranschläge in den vergangenen Monaten auf den kommenden Reisen bestimmte Länder meiden. Das geht aus einer repräsentativen YouGov-Befragung hervor, die allerdings noch vor dem Anschlag in Istanbul mit zehn deutschen Opfern durchgeführt wurde. Wo kann man noch beruhigt Urlaub machen? Wir haben Reisewarnungen und Sicherheitshinweise für beliebte Reiseziele zusammengestellt – unter besonderer Berücksichtigung terroristischer Gefahren.

Europa

Frankreich: Am Freitag, den 13. November 2015, wurden in Paris mehrere schwere Terroranschläge verübt. Seitdem wurden in Frankreich besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Es finden verstärkt Personen- und Gepäckkontrollen an öffentlichen Plätzen, Bahnhöfen, Flughäfen, in Zügen, Bussen und U-Bahnen statt. Auch an den Landesgrenzen zu Deutschland wird kontrolliert. Seit Ende Dezember müssen Fahrgäste, die mit dem Thalys von Paris nach Deutschland reisen, außerdem flughafenähnliche Sicherheitsschleusen passieren.

Italien: Die italienischen Sicherheitsbehörden haben nach den jüngsten Anschlägen in Paris ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Eine erhöhte Gefährdung durch Terrorismus auch an religiösen Stätten könne nicht ausgeschlossen werden, heißt es beim Auswärtigen Amt.

Spanien: Nach den islamistisch motivierten Terroranschlägen in Madrid am 11. März 2004 mit 191 Toten sind in Spanien keine terroristischen Anschläge von islamistischen Gruppen mehr registriert worden. Spanien sieht sich aber weiter als mögliches Ziel radikaler muslimischer Terrorgruppen. Seit 2009 ist es zu keinen Anschlägen der baskischen Untergrundorganisation ETA gekommen. Das Risiko weiterer Anschläge sei nicht völlig auszuschließen, habe sich aber seit der 2011 verkündeten Erklärung der ETA, mit der sie „die endgültige Beendigung der bewaffneten Aktionen“ ankündigte, deutlich verringert, schreibt das Auswärtige Amt.

Schweden, Norwegen, Finnland: Nach den Terroranschlägen in Paris wurde die allgemeine Bedrohungseinschätzung für Schweden von der seit 2010 geltenden Stufe 3 (erhöhtes Risiko) auf Stufe 4 (hohes Risiko) von fünf Stufen erhöht. Aufgrund der aktuellen Flüchtlingssituation hat Schweden vorübergehend wieder Grenzkontrollen eingeführt. Für Norwegen und Schweden bestehen aktuell keine landesspezifischen Sicherheitshinweis.

Türkei: Am 12. Januar wurde auf dem At Meydani, in der Innenstadt von Istanbul, ein Terroranschlag verübt, dem deutsche Reisende zum Opfer gefallen sind. Die Ermittlungen der zuständigen Behörden dauern noch an. „Reisenden in Istanbul und anderen Großstädten der Türkei wird dringend geraten, Menschenansammlungen auch auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Attraktionen zu meiden und sich über die aktuellen Reisehinweise und die Medien zur Lageentwicklung informiert zu halten“, rät das Auswärtige Amt. Landesweit sei weiter mit politischen Spannungen, gewaltsamen Auseinandersetzungen und terroristischen Anschlägen zu rechnen.

Nordafrika

Ägypten: Am Abend des 8. Januar 2016 kam es zu einem Anschlag auf ein Touristenhotel in Hurghada am Roten Meer. Dabei wurden drei ausländische Reisende verletzt. Der Hintergrund der Tat ist bislang unklar. „Reisenden wird geraten, sich in Hurghada selbst umsichtig zu verhalten, auf Ausflüge vorläufig zu verzichten und sich über diese Reise- und Sicherheitshinweise sowie die Medien informiert zu halten“, rät das Auswärtige Amt, das eine Teilreisewarnung ausgesprochen hat. Es bestehe landesweit ein erhöhtes Risiko terroristischer Anschläge und die Gefahr von Entführungen.

Tunesien: Auf Sicherheitskräfte in der Innenstadt von Tunis wurde im November 2015 ein Anschlag verübt. Dabei kam es zu mehreren Todesopfern. Die tunesische Regierung hat daraufhin den Ausnahmezustand verhängt. Reisenden wird dringend empfohlen, Anweisungen der Sicherheitskräfte zu befolgen. Das Auswärtige Amt rät angesichts der bestehenden Terrorgefahr zu erhöhter Aufmerksamkeit – insbesondere in der Nähe von Sehenswürdigkeiten und religiöser Stätten.

Marokko: Marokko ist ein politisch stabiles Land mit guter touristischer und sicherheitspolitischer Infrastruktur. Dennoch rät das Auswärtige Amt bis auf weiteres von Reisen in entlegene Gebiete der Sahara, insbesondere in den Grenzregionen mit Algerien und Mauretanien und jenseits befestigter Straßen, eindringlich ab. „Für Staatsangehörige westlicher Staaten besteht ein erhöhtes Anschlags- und Entführungsrisiko.“

Südostasien

Indonesien: IS-Kämpfer haben in der Hauptstadt Jakarta am vergangenen Donnerstag eine Attentatsserie verübt. Fünf Angreifer und zwei Zivilisten wurden nach Polizeiangaben getötet sowie mehr als 20 Menschen verletzt. Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land. Dort wurden bereits in den Jahren 2000 bis 2009 mehrere schwere Bombenanschläge verübt. Aktuell rät das Auswärtige Amt, den Innenstadtbereich Jakartas zu meiden.

Thailand: Die Sicherheitslage im Land hat sich nach dem Militärputsch 2014 stabilisiert. Im August 2015 kam es in Bangkok jedoch zu einem Bombenanschlag mit vielen Toten. Das Auswärtige Amt betont auch für Thailand: Terroranschläge können nicht ausgeschlossen werden. Von Reisen ins Grenzgebiet zu Malaysia wird dringend abgeraten. Dort seien radikale muslimische Gruppen aktiv, die Anschläge verübten. Das Grenzgebiet zu Kambodscha ist militärisches Sperrgebiet.

Malaysia: In dem muslimischen Land habe es in den vergangenen Monaten Verhaftungen von Terrorverdächtigen gegeben, so das Auswärtige Amt. Es gebe derzeit Hinweise auf mögliche Anschläge auf Vergnügungsstätten in Kuala Lumpur.

Vietnam, Laos und Kambodscha: Die drei Staaten sind verhältnismäßig sichere Reiseländer. Das Thema Terror spielt in den Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes keine Rolle.

Philippinen: Anschläge terroristischer Gruppierungen könnten sich überall im Land ereignen, schreibt das Auswärtige Amt. Besonders hoch sei die Gefahr auf Mindanao. Dort komme es zu Entführungen auch von Ausländern. Dieses Risiko könne auch auf Palawan und den Urlaubsinseln Boracay und Siargao nicht ausgeschlossen werden.

Reisewarnungen

Besteht eine akute Gefahr für Leib und Leben, spricht das Auswärtige Amt eine offizielle Reisewarnung aus. Momentan rät das Amt von Reisen in die folgenden neun Länder dringend ab: Irak, Gaza-Streifen, Jemen, Zentralafrikanische Republik, Afghanistan, Syrien, Südsudan, Somalia und Libyen. Teilreisewarnungen gibt das Auswärtige Amt heraus, wenn einzelne Regionen als nicht sicher eingestuft werden. Aktuell bestehen Teilreisewarnungen für 16 Länder: Tschad, Ägypten, Kamerun, Niger, Burkina Faso, Ukraine, Nigeria, Pakistan, Mali, Algerien, Mauretanien, Demokratische Republik Kongo, Libanon, Japan, Georgien und Eritrea.

Die beliebtesten Länder

Am liebsten bleiben die Deutschen in der Heimat. Auch 2016 werden nach der Prognose der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen gut ein Drittel der Urlaubsreisen hierzulande unternommen. Es folgen Spanien, Italien, die Türkei und Österreich. Knapp zwei Drittel aller Urlaubsreisen sind in eines dieser fünf Länder geplant.

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mit dpa

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