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 “Zone - Heimat. Tschernobyl“ - die Ausstellung zeigt Fotos des preisgekrönten russischen Künstlers Andrej Krementschouk zu sehen.

Verstrahltes Land -Tschernobyl Foto-Schau

Eine Schau mit unheimlicher Aktualität: In Mannheim sind von diesem Sonntag an Fotos aus der evakuierten Zone rund um den Atomreaktor Tschernobyl zu sehen.

Zone - Heimat. Tschernobyl“ ist bis zum 31. Juli in Mannheim zu sehen.

Mehr Infos im Internet unter www.zephyr-mannheim.de/

Der Fotograf Andrej Krementschouk dokumentiert das Leben von Menschen, die ihre Heimat nicht aufgeben wollen. 25 Jahre nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl zeigen die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen eine außergewöhnliche Ausstellung: Von diesem Sonntag an sind Fotos des preisgekrönten russischen Fotokünstlers Andrej Krementschouk zu sehen.

In 110 teilweise großformatigen Bildern dokumentiert der 37-Jährige in Porträts, Landschafts- und Architekturaufnahmen das Leben von Menschen, die trotz anhaltender Strahlung ihre Heimat nicht aufgeben wollen. Die Bilder sind rund um die 30-Kilometer-Sperrzone des 1986 außer Kontrolle geratenen Atomreaktors sowie der geplünderten und verlassenen früheren 50 000-Einwohner-Stadt Pripjat entstanden - beklemmende Schönheit in einer vergifteten Welt.

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Die Schau “Zone - Heimat. Tschernobyl“ ist bis zum 31. Juli zu sehen. Der Titel ist dabei zugleich Programm. Denn trotz des Sperrgürtels und der Verbotszone rund um den Atomreaktor haben sich in dem heute zur Hälfte zu Weißrussland gehörenden Gebiet einige hundert meist über 50 Jahre alte Menschen wieder angesiedelt. Sie wollen in ihren vertrauten Dörfern leben.

Blick auf das Atomkraftwerk Tschernobyl (Archivfoto vom 19.04.2010).

“Nach meinem zweiten Besuch hatte ich keine Angst mehr, in dem Gebiet verstrahlt zu werden“, sagt der Fotograf, der immer einen Geigerzähler bei sich hat. Auf abenteuerliche Weise reiste er mehrfach auch “mehr oder weniger illegal“ in die Region, die ihn an eine “verwunschene und mystische Märchenlandschaft erinnert“. Dort hat er unter anderem mehrere “Wunderheiler“ getroffen, die behaupten, andere durch Handauflegen von schweren, durch den Atomunfall entstandenen Krankheiten geheilt zu haben.

In Weißrussland wurde der Künstler sogar schon verhaftet, weil die Grenzsoldaten ihn nicht in die Zone lassen wollten. Doch mittlerweile gibt es zumindest auf ukrainischer Seite von der 100 Kilometer entfernten Hauptstadt Kiew offizielle touristische Tagesausflüge mit dem Reisebus nach Tschernobyl. Bis zu 100 Euro kosten die über Internet buchbaren, mittlerweile von einer halbstaatlichen Agentur organisierten Trips. “Bei meiner letzten Reise traf ich vor allem viele amerikanische und japanische Katastrophentouristen“, erzählt Krementschouk.

Eine Bergungsmannschaft im geborstenen Reaktor von Tschernobyl während einer Nachtschicht (Archivfoto vom 1986).

Er selbst nutzte die Tagesausflüge, um ungestört vor allem in Pripjat ehemalige Sporthallen, Bibliotheken und riesige Plattenbauten im unwirklichen Herbstnebel zu fotografieren. Seine geisterhaft anmutenden Bilder lassen den Betrachter auch wegen der vielen Details erschauern - wie den zurückgelassenen, auf dem Boden liegenden Bänden einer Bücherei oder einem Turnpferd in einer Fitnesshalle.

Nach dem Reaktorunfall am 26. April 1986 waren 240 000 Menschen umgesiedelt worden. Außerhalb des nur auf ukrainischer Seite durch einen löchrigen Zaun markierten Sperrgürtels leben jedoch nach wie vor Menschen aller Altersgruppen, auch Kinder. Letztere hat der Fotograf etwa beim Spielen an einem Abflussrohr geknipst, aus dem das gelbliche kontaminierte Wasser eines aus der Zone kommenden Baches strömt.

Mit seiner radikalen Subjektivität dokumentiert der in Gorki (heute: Nischni-Nowgorod) geborene und in Leipzig lebende Krementschouk nicht nur Menschen, die ihren Alltag zurückerobern. Er beschreibt auch eindrücklich deren entschleunigtes und durchaus glückliches Leben in einer vergifteten Welt, die sie selbst wegen der romantischen Wäldchen mit Sumpfwiesen und kleinen Bächen nicht als solche wahrnehmen.

Christian Jung, dpa

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