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In einem Aktionfilm geht ein Sprung vom Hotelbalkon in den Pool meist gut aus. 

Völlig daneben: Springen vom Hotelbalkon

Die Unfallserie war anfangs unheimlich. Immer wieder stürzten junge Urlauber vom Hotelbalkon, vier kamen dabei ums Leben. So tragisch die Unglücke sind, Ursache dafür ist ein gefährliches Spiel.

Die Balkone der Hotels auf Mallorca und Ibiza scheinen ein gefährlicher Platz zu sein. Mehrmals in der Woche rasen auf den spanischen Ferieninseln Krankenwagen los, weil Urlauber über die Brüstung hinab auf das Pflaster gestürzt sind. Die unheimliche Unfallserie hat jedoch nichts mit irgendwelchen baulichen Mängeln zu tun. Die Ursache liegt anderswo, nämlich in jugendlichem Leichtsinn gepaart mit Alkohol- und Drogenkonsum.

In den Hotelburgen von Mallorca und Ibiza hat sich unter manchen jungen Leuten die Unsitte ausgebreitet, sich nach einer durchzechten Nacht zu Mutproben herauszufordern. Die Szenerie ist fast immer dieselbe: Eine Gruppe junger Urlauber kehrt nach einem Streifzug durch Kneipen und Diskotheken in ausgelassener Stimmung ins Hotel zurück; der eine fordert den anderen zu einer Mutprobe heraus, bis jemand in der angeheiterten Runde den Sprung zum Balkon des Nebenzimmers wagt. Manchmal hangeln sich auch junge Urlauber wie Tarzan von einem Balkon zum anderen oder springen von oben hinab in den Swimmingpool.

Bei dem gefährlichen Spiel, das in Internet-Foren “balconing“ genannt wird, verunglückten in diesem Sommer auf den Balearen-Inseln bisher mehr als 30 Urlauber. Wenigstens vier kamen bei Stürzen vom Hotelbalkon ums Leben, die Zeitung “El Mundo“ spricht gar von acht Toten.

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Die Opfer sind überwiegend Briten im Alter zwischen 18 und 25 Jahren, zuweilen auch junge Deutsche oder Spanier. “Infolge von Alkohol- und Drogenkonsum haben sie den Sinn für das Risiko verloren“, erläutert die Notärztin María Angeles Leciñena. “Ihre Wahrnehmungsfähigkeit ist so sehr eingeschränkt, dass sie nicht einmal die Entfernung zum Pool richtig einschätzen können.“

Mittlerweile haben die jungen Urlauber auch die Möglichkeit entdeckt, sich bei ihren “Heldentaten“ zu filmen und die Aufnahmen ins Internet zu stellen. “Wir kennen diese Balkonstürze schon seit langem“, sagte ein Hotelangestellter im mallorquinischen Ferienort Alcudia der Zeitung “El País“. “In diesem Jahr sind sie jedoch zu einer regelrechten Plage geworden.“ Allein am vorigen Sonntag wurden auf Mallorca und Ibiza binnen zwölf Stunden drei Fälle registriert. Zwei Urlauber kamen mit Verletzungen davon, einer ringt im Krankenhaus noch mit dem Tod.

Die Hotelbesitzer wissen nicht, wie sie dem gefährlichen Spiel Einhalt gebieten können. Viele von ihnen haben die Balustraden der Balkons erhöht oder zusätzliche Gitter angebracht. Manche achten gar darauf, junge Leute nach Möglichkeit in den unteren Etagen ihrer Herbergen unterzubringen.

Hubert Kahl, dpa

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