Wenn Reise-Souvenirs zur Falle werden

München - In vielen Ländern sind Dinge verboten, die bei uns als selbstverständlich gelten. Reisende sollten sich informieren. Am häufigsten drohen Konflikte mit den Gesetzen aber bei der Rückreise.

Alte Münzen auf dem Basar gekauft, öffentlich Alkohol getrunken, am Strand oben ohne gesonnt – das kann Urlaubern im Ausland juristische Souvenirs bescheren, die sie nicht vergessen. Vieles was in Mitteleuropa als legal oder normal gilt, wird anderswo bestraft. Die Urlaubsziele sind gespickt mit Fußangeln.

Dass Länder wie Saudi-Arabien oder Iran beim Alkohol keinen Spaß verstehen, ist bekannt. Aber auch in den USA ist Alkoholgenuss fast überall in der Öffentlichkeit verboten. „Schon das sichtbare Tragen alkoholischer Getränke ist normalerweise strafbar“, berichtet das Auswärtige Amt. Außerdem darf Alkohol in den USA nicht an unter 21-Jährige abgegeben werden. Einige US-Bundesstaaten gehen beim Kindeswohl sogar so weit, dass Eltern Strafen drohen, sobald die ihre Kinder auch nur kurz unbeaufsichtigt lassen.

Auch bei nackter Haut sind viele Länder streng. In Brasilien gelten Oben-ohne-Baden und das Umkleiden in der Öffentlichkeit als Erregung öffentlichen Ärgernisses – beides kann zur Festnahme führen. In Südafrika ist Nacktbaden strafbar.

Prostitution wird in vielen Ländern verfolgt. Beispiel Vietnam: Ausländer erwarten Geldbußen von 400 Euro. Auf sexuellen Missbrauch von Kindern steht in schweren Fällen sogar die Todesstrafe. Manche Länder – wie Kenia – definieren auch Jugendliche unter 18 Jahren als Kinder. In vielen – meist islamischen – Ländern stehen außereheliche oder gleichgeschlechtliche Beziehungen unter Strafe.

In einem weiteren Punkt unterscheidet sich kaum ein Land vom anderen: Das Fotografieren militärischer oder anderer sicherheitsrelevanter Einrichtungen ist fast überall verboten. In manchen Ländern zählen dazu selbst Regierungsgebäude, Flughäfen- und Gefängnisse. Doch oft beginnt der Ärger erst bei der Heimreise, wenn Zollbeamte das Gepäck prüfen.

Mit Fossilien ins Gefängnis

Zur bösen Touristenfalle können antike Souvenirs werden. In der Türkei gelten Antiquitäten, alte Münzen und Fossilien als „Kultur- und Naturgüter“ und als Staatseigentum. Wer bei Erwerb, Besitz oder Ausfuhr erwischt wird, muss mit mehreren Monaten U-Haft und anschließender Kautionszahlung über rund 9000 Euro rechnen. In Einzelfällen folgen sogar Haftstrafen von bis zu zehn Jahren. Ähnlich in Griechenland: Wer sich für Omas Vitrine ein Stück Akropolis in die Tasche steckt und erwischt wird, lernt die Gastlichkeit griechischer Gefängnisse kennen. In Ägypten gilt ein striktes Ausfuhrverbot nicht nur für alle antiken Gegenstände. Ein Taucher mit einem Stück Koralle im Reisegepäck macht sich strafbar. Harte Sitten in Russland: Antiquitäten und Kunst aus der Zeit vor 1945 dürfen nicht exportiert werden. Vor allem auf Ikonen haben Zöllner ein Auge. Auch alte Geldscheine oder Sowjet-Medaillen vom Flohmarkt fallen darunter.

Ausfuhr-Verbot für Kitsch-Figur

Auch in Thailand sollte man mit dem Einkauf von Kulturgütern vorsichtig sein. Sogar eine Kitsch-Statue aus einem Souvenirladen kann einem die Rückreise verderben. Ohne Sondergenehmigung ist die Ausfuhr sämtlicher Buddha-Figuren (oder Teilen davon) verboten. Ausgenommen sind kleine Figuren, die leicht von einer Person getragen werden können, aber auch da ist nur eine pro Person erlaubt.

Bei der Ausfuhr von Kulturgütern – auch innerhalb der EU – gibt es in allen Ländern unterschiedliche Beschränkungen und Genehmigungspflichten. Darüber sollte man sich bei den jeweiligen Behörden informieren.

Wer aus Polen alte Bücher, Kunstgegenstände oder Bilder aus der Zeit vor 1945 über die Grenze nehmen will, muss sich vorher eine behördliche Genehmigung ausstellen lassen. Auch in Bulgarien ist die Ausfuhr von Kunst und Antiquitäten genehmigungspflichtig.

Dagegen sind Plagiate von Markenprodukten, die ein Urlauber zum persönlichen Gebrauch mit nach Deutschland zurückbringt, kein Problem. Wer aber damit handeln will, bekommt Ärger mit Zoll und Staatsanwaltschaft. Dabei können schon fünf Paar nachgemachte Turnschuhe als gewerbliche Einfuhr verstanden werden.

Umgekehrt ist ein Land, in dem mit am häufigsten – und meist ganz offen – gefälschte Marken- und Designerwaren gehandelt werden, gefährlich: Italien. Wer etwa gefälschte Designertaschen oder -brillen am Strand kauft, kann mit einem happigen Bußgeld bestraft werden. Das geschieht zwar eher selten, doch immer wieder werden von der Polizei Exempel statuiert, die den Touristen bis zu 10 000 Euro kosten können.

Die Kanaren sind ein Zoll-Sonderfall

Pflanzen dürfen innerhalb der EU mitgebracht werden. Mit Einschränkungen und bis zu einer Grenze von zehn Kilo auch aus anderen europäischen Ländern oder dem Mittelmeer-Raum. Vorsicht: Die Kanarischen Inseln zählen hier – wie auch beim Zoll – nicht zur EU und zu Europa. Damit dürfen viele Pflanzen nur mit einem von den dortigen Behörden ausgestellten Pflanzengesundheitszeugnis nach Deutschland gebracht werden.

Produkte, die aus Elfenbein, Schildkrötenpanzer oder aus Teilen anderer gefährdeter Tiere oder Pflanzen gemacht sind, werden vom Zoll einbehalten. Kakteen aus Mittelamerika sind nur scheinbar ein harmloses Mitbringsel. Abgesehen davon, dass man für die Einfuhr ein Pflanzenschutzzeugnis braucht, gelten einige als vom Aussterben bedroht und können für richtigen Ärger sorgen.

Von Kai Althoetmar

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