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Spuk zwischen Brauchtum und Show: Traditionelle Perchtenläufe kämpfen zusehends mit der kommerziellen Konkurrenz.

Wilde Gesellen zur Weihnachtszeit

Wenn die Nächte länger werden und der Jahreswechsel näher rückt, kommt die Zeit der alpinen Schreckgestalten. Hexen, Teufel und andere Höllenfürsten übernehmen dann das Regime, Perchten und Krampusse.

Doch was früher als Adventsbrauch gepflegt wurde, ist mancherorts zum ausgelassenen und oft umstrittenen Maskentreiben geworden.

Feurig schwingt der Oberteufel seine Fackel. Wie von Sinnen schlägt ein Wilder mit Ketten um sich. Monster mit bluttriefenden Mäulern, Gestalten des Grauens mit langen Hörnern auf dem Kopf – ein Panoptikum der Hölle Entsprungener, die laut lärmend durch die Lande toben. Anfang Dezember bis Ende Januar ist die Zeit alpiner Schreckgestalten. Es vergeht kaum ein Wochenende, an dem die teuflische Brut nicht unterwegs ist.

Auf Perchtentreffen und Krampusläufen, aber auch auf Advents- und Weihnachtsmärkten, wo ihre Auftritte das jugendliche Publikum locken sollen. So mystisch und martialisch wie ihre Auftritte klingen inzwischen auch ihre Namen: Dark Devils, Black Angels, Mephisto oder Nosferatu. Formationen neben denen sich die traditionellen Perchten- und Krampus- Gruppen wie Sinfonieorchester ausnehmen. Längst ist das Treiben der Perchten und Krampusse zum Millionengeschäft geworden, von dem Maskenschnitzer ebenso profitieren wie die Gerber der Tierfelle oder Glockenund Schellenschmiede. Anders als die traditionellen Gruppen, die ihre Kostüme und Masken oft ein Leben lang fast unverändert tragen, gehen die neuen Perchten und Krampusse nämlich mit der Mode, wechseln Jahr für Jahr ihr Outfit.

Internet und Film liefern die wichtigsten Impulse für die Szene. So sind die „Orks“ oder andere Figuren aus dem Kultfilm „Der Herr der Ringe“ längst ebenso maskentauglich wie Gestalten aus „Star Wars“ oder „Blade Trinity“, einem der erfolgreichsten Vampir-Filme der letzten Jahre. Ausgediente Masken und Felle, Handschuhe und andere Utensilien werden per Internet weiterverkauft oder auf Perchtenflohmärkten verscherbelt, wo gebrauchte Schreckmasken für Summen um die 500 Euro gehandelt werden. „Geile Krallenhandschuhe“ werden im Internet ebenso angeboten wie eine „nagelneue Tod-Maske“ oder ein „Kopf zum Tragen in der Hand“, der, so der Zusatzhinweis „besonders gut ankommen soll“ beim Publikum. Waren Krampuslaufen und Perchtentreiben früher zwei völlig verschiedene Bräuche (siehe unten), die auf den Nikolaustag und seinen Vorabend oder die Zeit zwischen den Jahren begrenzt waren, präsentiert sich die neue Maskenwelt als ein kultureller Mix, dessen Gestalter inzwischen von November bis Januar unterwegs sind. So tauchen Perchten heute auf Weihnachtsmärkten auf, Krampusse gar im Karneval.

Zu Zehntausenden kommen die Massen inzwischen zu den großen Krampus- und Perchtentreffen wie in Lienz oder Villach. Mit Absperrungen wollen die Veranstalter das Risiko minimieren, dass die maskierten Banden die Zuschauer mit ihren Ruten attackieren. Glück und Segen sollen die Schläge der Perchten theoretisch bringen, praktisch aber sind sie nur schmerzhaft. Viele Gemeinden haben ihre Maskenbräuche inzwischen durch Satzungen geregelt, das ausgelassene Treiben auf bestimmte Tage begrenzt.

Nicht nur im Tiroler Städtchen Telfs müssen sich die Krampusse registrieren lassen, bekommt jeder Teufel eine eigene Nummer, die er sichtbar tragen muss, um ihn im Fall des Falles leichter identifizieren zu können. Mancherorts wurde das Schlagen mit den Ruten ganz verboten, andernorts sind nur Hiebe mit Reisig erlaubt, deren Schläge weit weniger schmerzen als die mit Weidenruten. „Ein Krampus muss sich im Rahmen der normalen Gesetze bewegen, er darf niemanden verletzen“, heißt es beim Landespolizeikommando Salzburg. Vor allen die seit Jahrzehnten etablierten Perchten- und Krampusvereine mit ihren traditionellen Masken drängen auf eine Regulierung des Wildwuchses. „Wer Bräuche erhalten will“, so ein bayrischer Heimatpfleger, „sollte sie auch kennen“. Und ergänzt: „Auf Weihnachtsmärkten haben Perchten nichts verloren!“

Günter Schenk

INFOS ZUM PERCHTENLAUF

DEFINITION Perchten sind im alpenländischen Brauchtum vorkommende weibliche Schreckgestalten, die vor allem im Dezember und Januar auftreten. Ihr Name leitet sich vermutlich von der Sagengestalt der Perchta ab. Eine andere Theorie zur Namensgebung geht davon aus, dass sich der Begriff von Epiphanias, dem Dreikönigsfest am 6. Januar, ableitet. Wichtiges Utensil der Perchten ist die Glocke, mit der der Winter ausgetrieben werden soll.

TERMINE Ausgesuchte Termine von Perchtenläufen, Klausentreiben und Krampustreffen zum Jahreswechsel:

AUSSTELLUG Bis 10. Januar ist im Volkskundemuseum Graz die Ausstellung „Das gezähmte Böse“ zu sehen. Die Ausstellung verweist auf die Krampusrolle als Antipode des heiligen Nikolaus und zeichnet seine Geschichte vom schillernden Abbild des Bösen zum erotischen Spitzbuben nach.

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