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Schon den dritten Winter verbringt Müller mit seiner Frau und Hündin Luna etwa zehn Wochen auf dem verschneiten Campingplatz direkt an den Alpen.

Winterromantik

Campen trotz Eis und Schnee kommt in Mode

Bei Frost und Schneegestöber wünschen sich viele Menschen einen Urlaub in sonnigen Gefilden. Andere ziehen den Wohnwagen einem Hotelzimmer vor.

Die Eiszapfen, die vom Dach des Wohnwagens hängen, sind bis zu einer Handspanne lang. Der Wind wirbelt Schneeflocken durch die Luft. Lutz Müller, seine Frau Heidi und Hündin Luna lieben es, im Winter einige Wochen in ihrem 17 Jahre alten Campingwagen zu verbringen. Schon zum dritten Mal sind sie knapp zehn Wochen auf dem verschneiten Campingplatz Brunnen in Schwangau, direkt vor den Alpen. Aber schon vorher haben sie regelmäßig ein oder zwei Wochen in den Winterferien gecampt.

Ein warmes Hotelzimmer vermissen sie nicht. „Im Hotel muss ich das Zimmer vorbestellen, hier kann ich kommen und gehen, wann ich will“, sagt Lutz Müller. Allerdings musste er seinen Wagen erstmal umbauen, um ihn winterfest zu machen. Zum Beispiel hat er in den Bettkasten extra eine Belüftung eingebaut. Aber nicht, damit das Bett schön angewärmt ist - der Bettkasten dient als beheizter Schuhschrank, damit die Skischuhe rasch trocknen.

Wohnwagen auf dem verschneiten Campingplatz in Brunnen im Schwangau (Bayern)

Über das breite Fenster an der Vorderseite des Wagens ziehen sich Eisschlieren. Müller hebt die Klappe unter dem Fenster an und holt eine Gasflasche heraus. Die Heizung läuft Tag und Nacht, um den Wagen warm zu halten. Deshalb braucht Müller alle drei Tage eine neue Flasche mit elf Kilogramm Propangas. „Schwierig wird's, wenn der Gaskasten zufriert“, erzählt er. Deshalb plant er schon den nächsten Umbau: Ein Vordach soll verhindern, dass Wasser am Wagen herabrinnt und die Klappe verschließt, wenn es wieder gefriert.

„Schnee und Besuch ist des Campers Fluch. Schnee geht noch.“ 

Wasser ist überhaupt ein Problem für Wintercamper, weiß Müllers Nachbar Günter Hock. „Wenn man mal wegfährt, muss man die Getränke mitnehmen und das Wasser ablassen, sonst friert es ein“, rät er. Und auch der Schnee kann bedrohlich sein: Wenn zu viel davon auf dem Dach liegt, könnte es eingedrückt werden. Einem Kollegen sei das schon passiert, erinnert sich Hock.

Müller nimmt solche Widrigkeiten mit einem Achselzucken. Er genießt die Ruhe, die im Winter auf dem Platz herrscht und scherzt: „Schnee und Besuch ist des Campers Fluch. Schnee geht noch.“ Die Ruhe bemerkt auch Platzbesitzer Hannes Schweiger: „Im Sommer ist es viel stressiger. Jetzt ist es gemütlich, fast schon romantisch.“ Allerdings wäre es Schweiger lieber, wenn es ein bisschen weniger gemütlich wäre: „Es geht mehr Geld raus als rein, weil so wenig los ist.“ Er macht im Winter vor allem deshalb auf, weil er sein Personal nicht verlieren will.

Die Heizung läuft Tag und Nacht, um den Wagen warm zu halten.

Immerhin entschließen sich immer mehr Menschen dazu, ihre Winterferien auf dem Campingplatz zu verbringen. „Vor zehn Jahren haben wir mit fünf Einheiten angefangen“, berichtet Schweiger. Einheiten, das ist ein Wohnwagen für zwei Personen. „Heute haben wir 43.“ Auch andere Platzbesitzer haben diesen Trend bemerkt und öffnen im Winter, vor allem in der Nähe der alpinen Skigebiete. Bayerische Wintercampingplätze gibt es beispielsweise in Oberstdorf, Reit im Winkl oder Garmisch-Partenkirchen.

Um seinen Platz attraktiver zu machen, baut Schweiger um. Eine Wellnessanlage soll mehr Gäste bringen. Lutz Müller ist das egal, er ist mit Frau und Hund lieber draußen unterwegs, zum Skifahren oder Langlaufen. Und auch die Hocks stört die mangelnde Bewegungsfreiheit im Wohnwagen nicht. „Wir sind hier mehr an der frischen Luft als zu Hause“, sagt Marianne Hock. Ihr Mann ergänzt: „Zu Hause muss man immer das Auto nehmen. Hier kann man gleich los laufen.“

Das Leben Tür an Tür mit dem Winter härtet ab: „Man ist nicht mehr so oft erkältet“, findet Müller. Seine Frau Heidi läuft manchmal sogar im Bademantel zu den Duschen hinüber. Unter der Sitzbank stehen ihre orangefarbenen Winterstiefel direkt neben einem Paar Badeschlappen.

Lutz Müller lässt den Blick nach draußen schweifen. Die Wolken hängen tief im Tal, versperren den Blick auf die Berge. Auf dem Platz regt sich nichts. Für Müller ist es trotzdem der beste Ort der Welt: „Wenn man hier morgens in der Ecke sitzt, rausschaut aus den Fenster und zusammen frühstückt... Was bessres gibt's nicht.“

Die besten Campingplätze der Welt

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Von Susanne Dickel, dpa

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