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Der Chiemsee in der Herbstsonne – solche Bilder braucht Robert Salzl. Seit zwei Jahren ist er Präsident des Vereins Tourismus Oberbayern München. Zuvor war er 34 Jahre lang als Pilot bei der Lufthansa tätig, zuletzt als Chefpilot.

TOURISMUS OBERBAYERN MÜNCHEN

„Wir nehmen die Dinge jetzt in die Hand“

Nach der Insolvenz des Vorgängerverbands wagte der Tourismusverein Oberbayern München (TOM) vor zwei Jahren den Neustart.

Robert Salzl kennt sich also in der Tourismusbranche aus. Er will die Marke Oberbayern noch stärker machen.

München – Damals versprühte der neue Vorsitzende Robert Salzl viel Optimismus, erbat sich aber auch Zeit für den Neuaufbau. Was ist aus den guten Vorsätzen geworden? Wir haben vor der heutigen Mitgliederversammlung in Andechs mit dem 74-Jährigen gesprochen.

Herr Salzl, der TOM hatte zwei Jahre Zeit, sich aufzustellen. Wie steht er heute da?

Wir liegen im Plan. Was wir uns vorgestellt haben, den Aufbau von Strukturen und einem Konzept, ist mehr oder weniger realisiert. Wir haben mit grundsätzlichen Fragen begonnen: Wofür stehen wir, wofür steht Oberbayern, was sind unsere Zielgruppen? Jetzt beginnen wir mit der Umsetzung der Strategie. Nur der Internet-Auftritt ist noch nicht so, wie ich ihn mir vorstelle. Aber ich hoffe, dass wir das in diesem Jahr noch hinkriegen.

Es ist still um den TOM. Müssten Sie nach der Affäre um den Vorgängerverband nicht offensiver sein?

Es ist richtig, dass wir den Aufbau unseres Vereins relativ leise abgewickelt haben. Die Öffentlichkeit möchte ja am liebsten fertige Produkte, die hatten wir bisher noch nicht. Wir wollen uns aber auch in Zukunft nicht in den Vordergrund spielen, sondern im Hintergrund für die ohnehin sehr gute Marke Oberbayern und ihre Produkte werben.

Der alte Tourismusverband hatte mal 360 Mitglieder: Kommunen wie Organisationen. Der TOM ist bei 66. Woran hapert’s?

Die Strukturen haben sich verschlankt. Orte tun sich zusammen, entwickeln eine gemeinsame Strategie und bündeln ihre Interessen. Bei uns ist jetzt zum Beispiel der Tourismusverband Tegernsee-Schliersee Mitglied und nicht mehr jede einzelne Gemeinde darunter. Aber natürlich sind auch viele, die im alten Verband waren, bei uns nicht mehr dabei: vor allem kleine Gemeinden. Bislang waren wir mit unserer Akquise zurückhaltend. Die 100er-Marke will ich in meiner Amtszeit schon noch überschreiten.

Wie wollen Sie diese Orte zurückgewinnen?

Wir haben ein Konzept erarbeitet, das ihnen viele Vorteile bietet, wenn sie bei uns mitmachen. Es gibt etwa eine Plus-Mitgliedschaft, in der wir das Marketing für die Gemeinden übernehmen. Altötting ist ein Beispiel.

Hängt dem TOM die unrühmliche Insolvenz seines Vorgängers nach?

Vorbehalte begegnen mir draußen immer wieder. Manche Gemeinden sind noch gebrannt von der Vergangenheit und wollen vorerst kein Mitglied werden. Aber die gewinnen wir noch zurück.

Damals ging es um falsch verwendete EU-Mittel. Darum wollten Sie zunächst auf Geld aus Brüssel verzichten. Bleibt es dabei?

Ja. Es ist nicht gut, wenn zu viele Geldgeber bei Projekten mitreden. Wir brauchen auch gar kein Geld aus Brüssel.

Sie sagten vor Ihrer Wahl 2013, die größte Aufgabe werde sein, neue Förderer zu finden. Ist das gelungen?

Das hat sich etwas nach hinten verschoben, weil ich warten wollte, bis unser Konzept steht. 2016 wollen wir auf Unternehmenssuche gehen.

Was wollen Sie im kommenden Jahr noch anpacken?

Wir wollen bestimmte Themen konkret umsetzen. Mal ein Beispiel: Bayern als Filmkulisse. In Rosenheim machen sie längst Führungen an die Orte, an denen die Rosenheim-Cops spielen und diese Führungen sind alle ausgebucht. Es gibt noch viel mehr solcher Orte in Oberbayern. Da wollen wir ran. Außerdem nehmen wir das Thema 500 Jahre Reinheitsgebot auf. Wir müssen die Dinge jetzt in die Hand nehmen.

Sie sind noch ein Jahr lang Präsident des TOM. Ihr Ziel für diese Zeit?

Erfolgreichste Tourismusregion in Europa werden. Nicht in absoluten Zahlen, da gibt’s viel größere Regionen. Wir möchten in Sympathie und Bekanntheit die größte Region werden. Wenn also speziell in Europa jemand gefragt wird, wo er am liebsten hinreist, soll er Oberbayern sagen. Das schaffen wir.

Interview: Marcus Mäckler

Insolvenz und Neustart

Der „Tourismusverband München-Oberbayern“ war mal der größ- te in ganz Deutschland. Im Oktober 2012 musste er trotzdem Insolvenz anmelden. Hintergrund war die Tatsache, dass der Verband jahrelang EU-Fördergelder missbräuchlich verwendet hatte. Allerdings soll sich keiner der Mitarbeiter bereichert haben.

2013 gründete sich mit dem Verein „Tourismus Oberbayern München“ (TOM) ein Nachfolger; der ehemalige Lufthansa-Chefpilot Robert Salzl aus Schliersee (Kreis Miesbach) wurde als Präsident an die Spitze gewählt. Salzl hatte sich zuvor intensiv um die Neugründung des Vereins bemüht.

Das Team hat die vergangenen zwei Jahre genutzt, um sich neu aufzustellen. Vier Mitarbeiter bilden den Kern, im ehemaligen Verband waren es noch über 20. Der TOM ist der Dachverband der Tourismusbranche in München und Oberbayern

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