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Überragend: die Rue Saint Dominique auf der Île de France mit Eiffelturm.

Ulrich Wickerts Reise-Tipps

Was Sie wirklich über Paris wissen müssen

Und auch wenn Ulrich Wickert dort heute keinen festen Wohnsitz mehr hat: Wirklich verlassen hat er sein Paris nie. Dazu ist die Liebe zu groß.

In Paris ist er aufgewachsen, lebte viele Jahre als ARD-Korrespondent in der Seine-Metropole. Christine Hinkofer holte sich bei Ulrich Wickert die Insider-Tipps für den Städtetrip.

Herr Wickert, ein Tipp zunächst für den absoluten Paris-Neuling, der naiv und völlig unvorbereitet ankommt: Wie nähert er sich dieser Stadt am besten, welchen Fehler darf er auf keinen Fall machen?

Paris-Kenner Ulrich Wickert.

Wickert: Mit guten Schuhen! Paris ist die Stadt des Flaneurs, desjenigen, der sich alles ergeht. Denn man entdeckt am meisten, wenn man langsam die Stadt per pedes erobert. Gut, man braucht natürlich als Erstes einen Überblick über die Stadt. Den bekommt man in der engen Masse der Touristen von Montmartre. Den bekommt man nicht vom Eiffelturm, da ist man zu hoch. Besser allerdings ist es, man fährt nach Belleville und geht dort zum Parc de Belleville. Das ist der höchste Punkt der Stadt und von dort hat man einen herrlichen Ausblick über die Stadt.

Woran, würden Sie sagen, erkennt der Pariser auf den ersten Blick den unbedarften Touristen? Was sollte man vermeiden/unterlassen, um sich als solcher zu outen? Was kann man umgekehrt tun, um sich zu tarnen?

Wer sich tarnen will, der muss sich schick anziehen, nicht in Turnschuhen herumlaufen oder gar mit Rucksack. Er oder sie könnte sich eine französische Zeitung unter den Arm klemmen und müsste dann meist relativ eilig von einem Punkt zum anderen laufen. Das ist aber ziemlich anstrengend.

Wenn Sie Paris mit drei Adjektiven schmücken sollten, welche wären das?

Elegant, historisch, intellektuell.

Und wenn Sie die Stadt mit drei Worten beschimpfen sollten, wie würden diese lauten?

Laut, arrogant, Hundescheiße.

Sie beschreiben in Ihrem Buch das Paris der Künstler und der Bohemiens, der Reichen und der Armen, der Eingeborenen und der Zuwanderer. Welches ist Ihnen persönlich denn das liebste Paris und wo finden Sie es?

Das finde ich an vielen Stellen, die ich meist auch in meinem Buch „Mein Paris“ beschreibe. Sei es im Jardin du Luxembourg oder in Belleville.

Es gibt ja Menschen (ich gehöre dazu), die sich vor Millionen-Metropolen schier fürchten. Wo, in welchem Viertel, zeigt Paris noch seinen dörflichen Charakter, wo es noch ein wenig stiller und, wie der Bayer sagt, gemütlicher zugeht?

Ganz Paris besteht eigentlich aus Dörfern, die aber nur derjenige erkennt, der dort wohnt. Die Big Five von Paris: Was sollte man als Tourist auf alle Fälle gesehen haben? Jardin du Luxembourg, Belleville, Louvre, Place des Vosges und die Bastille.

Bietet der Eiffelturm wirklich den schönsten Ausblick über die Stadt oder ist der andernorts vielleicht besser und sogar kostengünstiger?

Einer der schönsten Ausblicke über Paris war die Terrasse über dem Kaufhaus Samaritaine. Das wird seit Jahren in ein Luxushotel umgebaut. Aber vielleicht hat das dann eine Terrasse. Diese Terrasse liegt gerade so über den Dächern von Paris, dass man sich über der Stadt, aber doch immer noch mittendrin fühlt. Ganz anders der Blick vom Eiffelturm. Dort scheint man über der Stadt zu schweben.

Paris gilt weithin als die Stadt der Liebe. Wo sind aus Ihrer Sicht die romantischsten Plätze? Solche, denen man zum Beispiel auch heute noch eine Heiratsantrags-Tauglichkeit attestieren könnte? 

Place Furstenberg!

Es soll inzwischen sehr schwer sein, in Paris wirklich gut zu essen zu einem vernünftigen Preis. Haben Sie einen ganz persönlichen Tipp für meine Leser?

Man kann in vielen kleinen Restaurants wirklich gut und preiswert essen: etwa Petit Saint Benoit in der Rue Saint-Benoit.

Was fehlt Ihnen am meisten, wenn Sie mal länger nicht in Paris sind?

Dann sehne ich mich nach dem Frühstück im Café Flore. Und nach meinen Freunden.

Von Christine Hinkofer

Buch & Autor

Ulrich Wickert: Mein Paris.ISBN 978-3- 455-70010-7; Preis: 24 Euro.

Ulrich Wickert, geboren 1942 in Tokio, ging drei Jahre lang (1956 bis 1959) auf eine französische Schule in Paris, wo sein Vater bei der deutschen Nato-Vertretung arbeitete. 1956 veröffentlichte er in der Rhein-Neckar- Zeitung seinen ersten Bericht über den Eiffelturm. Zehn Jahre lang (1978 bis 1981 und 1984 bis 1991) lebte Ulrich Wickert als ARD-Korrespondent in Paris. Er hat drei Bücher über „seine“ Stadt geschrieben, „Mein Paris“, eine liebevolle Hommage mit vielen Reportagen und Anekdoten, ist gerade als Neuauflage im Atlantik- Verlag erschienen. Ulrich Wickert führt darin durch Museen und Gärten, über Boulevards und Plätze, zu Denkmälern und Opernhäusern. Er erzählt von Künstlern und Kellnern, von den Reichen und Mächtigen, aber auch vom kleinen Mann auf der Straße und den geheimen Sehnsüchten in den Hinterhöfen von Paris.

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