Zwischen Titanic und Costa Concordia

München - Zwischen den Untergängen der „Titanic“ und „Costa Concordia“ liegen 100 Jahre. Kreuzfahrten gelten aber als sicher. Schiffspolicen sind ein Milliardenmarkt.

Wer dieser Tage an Passagierschiffe denkt, den stimmen eine historische und eine aktuelle Katastrophe nachdenklich. Am 15. April jährt sich der Untergang der seinerzeit als unsinkbar geltenden „Titanic“ zum 100sten Mal und immer noch liegt das Wrack des auf Grund gelaufenen Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ vor der italienischen Insel Giglio. Ein Jahrhundert nautischer Sicherheitstechnik hat auf den ersten Blick nicht viel verändert. Edwin Mast hält dagegen. „Kreuzfahrtschiffe sind das sicherste Verkehrsmittel, das es gibt“, sagt der Kapitän und nautisch-technische Berater des Versicherungsriesen Munich Re.

Mast muss es wissen. Denn wenn ein Gigant der Meere wie die „Costa Concordia“ havariert, wird der weltgrößte Rückversicherer in der Regel zur Kasse gebeten. Statistiken des Deutschen Reiseverbands geben dem Experten recht. Von 100 Millionen Menschen, die zwischen 2005 und 2010 weltweit auf Kreuzfahrt waren, sind demnach 16 bei einem Unfall ums Leben gekommen. Allein auf der „Costa Concordia“ sind nun 32 Menschen gestorben. Die Munich Re muss eine zweistellige Millionensumme bezahlen, die gesamte Assekuranz bis zu einer Milliarde Euro. Das Unglück hat damit gute Chancen, zur bislang teuersten Kreuzfahrt-Katastrophe zu werden.

Der Einzelfall verstellt aber den Blick auf das allgemeine Gefahrenpotenzial. Solche Großunglücke seien so selten, dass sie bei großen Teilen der an sich vorsichtigen Versicherungswirtschaft nicht einmal in die Kalkulationen eingeflossen sind, sagt Mast. Das könnte sich nun ändern. Der durch die „Costa Concordia“ verursachte Schaden dürfte das branchenweite Prämienaufkommen für Kreuzfahrtschiffe mehrerer Jahre auffressen, schätzt der Kapitän.

Im Maßstab der Schifffahrtsversicherung sind Kreuzfahrer eine kleine Nische. Weltweit betrug das Volumen von Schifffahrtspolicen zuletzt per annum relativ stabil 25 Milliarden Euro. Der weitaus größte Teil entfällt auf Transport-Schiffe und deren Waren. Während die Assekuranz mit Versicherungen für die Ladung ein gutes Geschäft macht, sind Kaskopolicen für das Schiff selbst branchenweit seit Jahren defizitär, sagt Mast. In diesem Bereich drücken Überkapazitäten die Preise für Policen. Die Munich Re hat sich deshalb hier aus der vordersten Front zurückgezogen. Den Markt beherrschen britische Versicherungssyndikate.

Schiffe werden immer größer und teurer, weshalb die Rechnung dann steigt, wenn etwas passiert. Die größten Luxusliner „Oasis of the Sea“ und „Allure of the Sea“ bieten Platz für 6000 Gäste und 2500 Besatzungsmitglieder. Für Schiffe mit über 12 000 Menschen existieren bereits Pläne.

Als Gau der Schifffahrtsversicherung gilt die Kollision zweier Kreuzfahrtriesen. Finanziell könnte das mehrere Milliarden Euro kosten. Größte Gefahr für Schiffe ist menschliches Versagen, das für vier Fünftel aller Versicherungsschäden verantwortlich ist, sagt Mast. Auch Piraten seien ein realistischer Faktor, allerdings vor allem für Frachtschiffe. Kreuzfahrer seien zu schnell unterwegs, um sich entern zu lassen und sie hätten auch bewaffneten Begleitschutz an Bord. Eines gebe es aber immer noch nicht, räumt Mast ein. „Ein unsinkbares Schiff“, sagt der Kapitän 100 Jahre nach dem Untergang der „Titanic".

Von Thomas Magenheim-Hörmann

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