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Senat bewertet ITS-Kongress als Erfolg: Kritik vom Nabu

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6. Evangelischer Medienkongress
Das Logo des 6. Evangelischen Medienkongresses steht auf einem Bildschirm. © Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

Waren oder Menschen von A nach B transportieren, ohne Stau und möglichst klimaneutral. Das sind wichtige Ziele für den Verkehr von morgen. Experten haben gezeigt, was heute schon möglich ist. Kritikern ist das zu wenig.

Hamburg - Der Hamburger Senat verspricht sich vom Mobilitätskongress ITS Impulse für eine nachhaltige Verbesserung des Verkehrs in der Hansestadt. „Wir haben das Ziel, viele der von Hamburg begonnenen Projekte über die Dauer des Kongresses hinaus fortzuführen und zum Beispiel die Digitalisierung der S-Bahn dauerhaft für die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs in Hamburg zu nutzen“, sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am Freitag, dem letzten Messetag, laut Mitteilung.

Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) sagte, viele der auf dem ITS-Kongress präsentierten Projekte würden die Mobilität der Menschen „über viele Jahre nachhaltig verbessern“. Als Beispiel nannte er die bundesweit beachtete Weltpremiere einer hochautomatisierten, autonom fahrenden S-Bahn zu Beginn des Kongresses. Digital gesteuerte S-Bahnen erlauben eine deutlich höhere Kapazität im bestehenden Schienennetz und senken den Energieverbrauch. In den kommenden Jahren soll das gesamte S-Bahn-Netz Hamburgs auf die „digitale Schiene“ umgestellt werden, langfristig der gesamte Regional- und Fernverkehr der Bahn.

Aus Sicht des Umweltverbandes Nabu hat sich der Kongress allerdings sehr auf Technologie konzentriert und die politische Debatte über eine Mobilitätswende vernachlässigt. „Die reine Zurschaustellung technischer Möglichkeiten ist für sich noch keine Lösung, sondern unter Umständen sogar ein zusätzliches Problem“, sagte der Hamburger Nabu-Vorsitzende Malte Siegert. „Denn ohne eine machbare Vision von Stadtentwicklung und ohne klare Vorstellung einer Umsetzung im realen Leben laufen all die technischen Angebote dem Ressourcen- und Umweltschutz oder der Verkehrsberuhigung in der Stadt möglicherweise zuwider.“

Solange der Bestand privater Pkw nicht schrumpfe, verfehlten Carsharing-Angebote ihren Zweck, kritisierte der Nabu. Sämtliche neuen Verkehrsformen müssten den motorisierten Individualverkehr wirklich ersetzen. „Denn selbst wenn Autos in Zukunft insgesamt sauberer und leiser werden, muss der Platzbedarf für den Individualverkehr in einer wachsenden Stadt abnehmen.“ Bereits heute sind in Hamburg rund 806 000 Pkw zugelassen, und die Einwohnerzahl der zweitgrößten deutschen Stadt bewegt sich in den kommenden Jahren in Richtung der 2-Millionen-Marke.

Nach Veranstalterangaben hat der alljährlich an eine andere Stadt vergebene internationale Kongress für eine Rekordbeteiligung gesorgt. Mehr als 13 000 Gäste, rund 4000 Besucher bei einem „Public Day“ am Donnerstag und 400 Aussteller, „so viele Teilnehmende wie dieser Tage in Hamburg hat der ITS Weltkongress in seiner 35-jährigen Geschichte noch nicht erlebt“, teilte der Veranstalter Ertico mit. dpa

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