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„Haben die Gegner maximal geärgert“: Lenggries-Trainer zieht positive Bilanz nach erster Saison

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Ehrgeizig, zielstrebig, trickreich: Jakob Gerg (li.) – hier im Zweikampf mit dem Murnauer Thomas Bauer beim 1:1-Rückspiel im April – ist in der Offensive unberechenbar für den Gegner.
Ehrgeizig, zielstrebig, trickreich: Jakob Gerg (li.) – hier im Zweikampf mit dem Murnauer Thomas Bauer beim 1:1-Rückspiel im April – ist in der Offensive unberechenbar für den Gegner. © Andreas Mayr

Seit ein paar Tagen ruht der Ball im Landkreis, denn auch die letzten Relegationsschlachten sind geschlagen.

Lenggries – Während die Kicker die fußballfreie Zeit genießen, tüfteln die meisten Trainer bereits an den Vorbereitungen für die kommende Saison, die mit dem Pilotprojekt des Bayerischen Fußball-Verbands umwälzende Neuerungen mit sich bringt. Auch bei Stefan Simon „lafft’s durch“. Der Trainer des Lenggrieser SC zieht nach Platz drei in der Kreisliga eine positive Bilanz seiner ersten Saison, gleichwohl drücken ihn schon Sorgen für die nächste Spielzeit.

Haben Sie die Relegation in der Kreisliga verfolgt?

Freilich! Murnau ist als Vizemeister verdient aufgestiegen. Ich habe Tim Schmid (Murnaus Trainer, d. Red.) nach dem zweiten Sieg gegen Peiting gratuliert. Was ich von Murnau gesehen habe und was dort an Nachwuchs vorhanden ist, hat mich schon sehr überzeugt.

Mit 32 Toren und 13 Vorlagen hat Georg Kutter maßgeblichen Anteil am TSV-Erfolg.

Kutter ist eine Hausnummer für sich und eigentlich der Murnauer Aufstiegsgarant. Wir haben ähnliche Unterschiedspieler im Team, wenn auch nicht mit dieser überragenden Torquote, aber die waren leider länger verletzt.

Max Scheck hat fast die komplette zweite Saisonhälfte gefehlt.

Max ist unser Goalgetter. Der hat in den beiden wichtigen Spielen gegen Habach und Murnau gefehlt. Jakob Gerg ist angeschlagen in die Saison gegangen und hat die ersten vier Spiele von der Bank aus begonnen. Unser Regisseur Mathias Gerg hat sich immer wieder mit Blessuren rumgeschlagen und hat sich im April das Syndesmoseband gerissen. Nicht zu vergessen Leo Gerg: Der ist nach dem dritten Spiel mit Kreuzbandriss ausgefallen. Mein Kader ist zwar in der Breite gewachsen, aber solche Spieler können wir nicht eins zu eins ersetzen. Zum Schluss waren wir immerhin so weit, dass wir die Gegner maximal geärgert haben.

Max Scheck
: Goalgetter mit Herzblut,
 der aufhören möchte.
Max Scheck: Goalgetter mit Herzblut, der aufhören möchte. © LSC

Wenn Max Scheck nicht acht Wochen ausgefallen wäre...

... dann wäre er relativ nahe an Georg Kutter dran gewesen. Und ich wage die Prognose: Murnau wäre nicht vor uns gestanden.

Wenn Sie einen Flashback auf die vergangenen Monate machen, was fällt Ihnen als Erstes ein?

Unsere spielerische Entwicklung und das Heranführen von etlichen jungen Spielern an den Kader der ersten Mannschaft. Dadurch haben wir inzwischen deutlich mehr Breite und Alternativen im Team.

Wer sind denn die Entwicklungsraketen?

Michael Gerg ist definitiv am stärksten rausgekommen. Er hat eine Riesenentwicklung gehabt. Nach der Winterpause hat er einen Außenverteidiger gespielt – so einen findet man in der Kreisliga nicht so leicht. Felix Kreher hat sich sehr stabilisiert. Schade, dass ihn eine Verletzung von Mitte Oktober bis Mitte Mai außer Gefecht gesetzt hat. Aber für seine 19 Jahre ist er sehr weit. Der dritte, den man unbedingt nennen muss, ist Max Angermeier. Er war bereits im Kader, hat sich aber spielerisch und taktisch unglaublich weiterentwickelt. Er ist eine Bank in der Viererkette.

Michael Gerg
: Außenverteidiger
 der Extraklasse.
Michael Gerg: Außenverteidiger der Extraklasse. © LSC

In den amerikanischen Ligen wird immer auch der Titel „Most Valuable Player“ vergeben. Wer ist euer wertvollster Spieler?

Eindeutig Jakl Gerg. Er hat trotz seiner körperlichen Querelen eine Riesensaison gespielt. Nach dem letzten Spieltag meinte er zu mir: „Dafür, dass ich so offensiv gespielt habe, habe ich zu wenige Tore geschossen.“ Da sieht man seinen Ehrgeiz und seinen Anspruch an sich selbst. Er ist nicht derjenige, der den letzten Pass spielt, sondern durch seine Zielstrebigkeit, sein Tempo, seine Eins-gegen-Eins-Fähigkeit in der Offensive unberechenbar für den Gegner. Ein Vorbild für die jungen Burschen.

Das setzt voraus, dass die Viererkette stabil steht.

Die Verteidigung beginnt schon im Mittelfeld. Wir haben uns auch dahingehend weiter entwickelt, dass wir nicht nur weite Bälle schlagen, so wie zu den Zeiten mit Toni Berger. Die Idee hoch und weit funktioniert eben nicht mehr und ist obendrein leicht zu verteidigen.

Eine unglaubliche Stärke vom LSC war heuer die Ausgeglichenheit: Dritter auswärts, daheim und gesamt, sowie eine Heimbilanz von 31:22 Toren und auswärts mit 30:19.

Auswärts waren wir tatsächlich eine Macht, sogar vier Punkte besser als Meister Deisenhofen. Nach der Klatsche gegen Murnau (0:7, d. Red.) haben wir eine tolle Serie mit sieben Siegen bis zur Winterpause hingelegt. Da war die Unbekümmertheit auswärts unser Trumpf.

Die Topfavoriten Deisenhofen und Murnau sind aufgestiegen. Was halten Sie von der Favoritenrolle?

Schwierig. Lenggries ist seit Jahren vorne dran, dann sind doch wieder andere vorbeigeprescht. Otterfing ist neu in unserer Gruppe, Habach wird weiterhin stark, unangenehm und kompakt sein. In Sauerlach gibt’s einen neuen Trainer, und dort steckt auch immer etwas Kohle dahinter. Grundsätzlich sehe ich uns gewappnet für die Aufstiegsrunde, die wir auf jeden Fall erreichen wollen. Wir sind in der Entwicklung ein Jahr weiter, drum werden wir vorne mitmischen. Auch gegen Aufstiegsspielchen würden wir uns nicht sträuben.

Ist halt auch immer eine Frage: Wer hört auf? Wer kommt nach?

Da beginnen auch schon die Sorgen. Florian Adlwarth hört auf, das tut uns sehr weh. Michael Gerg ist für ein Jahr in Regensburg auf der Meisterschule und ist die gesamte Saison nicht da. Mit Max Scheck bin ich noch in Verhandlungen (lacht).

Stefan Simon:
 Chef-Trainer
 des Lenggrieser SC.
Stefan Simon: Chef-Trainer des Lenggrieser SC. © LSC

Das hört sich nach auswärtigen Angeboten an?

Das nicht, aber er ist zum zweiten Mal Papa geworden und beruflich als Kfz-Mechaniker sehr eingespannt. Das hat er mir schon zu Saisonbeginn gesagt. Ich hoffe, dass ich ihn noch mal umstimmen kann. So ein Herzblutspieler ist immens wichtig für uns. Der vierte Abgang oder Pausierer ist Luis Jendrzej, der in München studiert und wohnt.

Haben sich wenigstens die Langzeitverletzen erholt?

Mathias Gerg wird mit seinem Syndesmosebandriss sicherlich nicht die komplette Vorbereitung durchziehen können. Sebastian Biagini hat die dreiviertel Saison wegen muskulärer Probleme nicht gespielt. Schon als Kapitän und Führungsspieler ist er unersetzlich. Thomas Fischhaber laboriert ebenfalls noch an einem Muskelfaserriss.

Das hört sich nach einigen Youngstern an, die aus der A-Jugend ran müssen.

Die A-Junioren werden definitiv enger mit der Ersten zusammenarbeiten, um ihnen den Sprung in den Herrenbereich zu erleichtern. Konkret habe ich fünf Spieler im Auge, die rauskommen. Es bleibt also spannend und interessant.

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