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Auf dem Posten: Markus Pleyer.

Zehn Jahre nach Aufstieg

Gaißacher Meisterteam von 2008 mit Übergewicht

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Noch einmal traten die Aufstiegshelden des SC Gaißach am Samstag an, um die sensationelle Bezirksliga-Meisterschaft vor zehn Jahren zu feiern. Beim 1:0-Sieg gegen die aktuelle Gaißacher Mannschaft hatten die Legenden höchstens etwas an Kondition eingebüßt. Es gab viel Spaß, einen Wechsel für mehr Übergewicht und einige vergebene Chancen vor recht großer Kulisse.

Von Nick Scheder

Gaißach – „Das ist Fußball, Männer!“ jubelte Trainer Norman Klein, nachdem die Gaißacher Legenden den Ball sehenswert durch die eigenen Reihen laufen ließen. Nur im Abschluss haperte es etwas. Hans Müller drosch den Ball neben den Pfosten, als die Kugel über Sepp Kaltenhauser, Klein und Michael Pföderl zu ihm gelangte. Die Spieler, die mit Klein als Trainer vor zehn Jahren den Aufstieg in die Bezirksoberliga geschafft hatten, ließen stellenweise alte Genialität aufblitzen und zeigten ein unterhaltsames, druckvolles Spiel, das sie mit 1:0 gegen die aktuelle Mannschaft des SC Gaißach für sich entschieden.

Es war nicht schwierig, die Mannschaft für ein Wiedersehen zu motivieren, die vor zehn Jahren mit einem 2:0-Sieg gegen den TuS Geretsried am letzten Spieltag sensationell den Aufstieg in die damalige Bezirksoberliga geschafft hatte, weil Spitzenreiter Deisenhofen zeitgleich verloren hatte. So liefen zum Legenden-Spiel die meisten der alten Recken noch einmal auf. Auch Michael Pföderl ließ sich nach einer Hüft-OP von einem Einsatz nicht abhalten. Stefan Simon und Tom Pföderl nahmen mit Muskelfaserrissen auf der Bank Platz neben Klein, der seine Mannschaft sofort wieder in gewohnter Manier nach vorne peitschte. „Ich hab den Schiri verpflichtet, was soll da passieren?“ zeigt er sich siegessicher. Nach fünf Minuten ohne Tor nach erstem Warnschuss von Michael Schwaiger wurde Klein allerdings ungeduldig: „Michl, mach’ mal was!“

Auch die Spieler waren Feuer und Flamme. „Wir waren sofort dabei, als er uns das Spiel vorgeschlagen hat“, sagt etwa Torhüter Markus Pleyer, der mit seinen 47 Jahren herausragende Paraden zeigte und die Bälle aus dem Winkel fischte. „Wahnsinn, ein Teufelskerl“, sagt Klein auf der Bank anerkennend nach einer besonders spektakulären Fußabwehr gegen Ferdinand Hartl. Für diesen Einsatz muss sich Pleyer allerdings vermutlich in dieser Woche auf Kur verabschieden.

Stürmer Philip Zehetmair demonstrierte, warum er früher trotz überschaubaren Laufpensums gefürchteter Torjäger war: Bei einem überlegten Pass durch den Strafraum des genialen Spielmachers Sepp Kaltenhauser war er wieder einmal zur rechten Zeit am richtigen Ort und hielt seinen Fuß zum 1:0 rein. Nichts verlernt also? „Ich hoffe schon, dass ich früher noch mehr draufhatte“, sagt Zehetmair schmunzelnd. Doch den Torriecher hat er eben nicht verloren. „Schön für ihn, mir tut’s nicht weh“, sagt Thomas Wasensteiner im Tor der aktiven Gaißacher. Denn natürlich stand der Spaß im Vordergrund bei diesem Kräftemessen.

Schon Kleins Ansprache vor dem Spiel war legendär. Er stellte seine Mannen auf einen fiktiven Gegner des TuS Geretsried ein, der freilich in Wirklichkeit wegen verschiedener Verpflichtungen im Spielbetrieb abgesagt hatte. Auf dem Platz freilich trafen sie auf die Aktiven des SC Gaißach, und Zehetmairs Treffer blieb das Tor des Tages. Die Chancenverwertung beider Teams ließ zu wünschen übrig. So hätte Zehetmair mindestens ein zweites Mal zum Helden werden können. Doch er vergab per Kopf frei vor dem Tor. „Der ist nur Zentimeter am Pfosten vorbei.“ Und an seinen versuchter Chip über Wasensteiner kam der Keeper gerade noch heran. Auch Klein, ehemaliger Zweitliga-Spieler bei Mainz, hätte den Sack zumachen können. Schön geschickt von Pföderl, zog er unwiderstehlich in mittlerem Tempo alleine auf das Tor zu – und setzte das Leder nur knapp neben den Pfosten. „Mein schwacher rechter Fuß“, sagt er schmunzelnd.

Bei den Jungen des SC Gaißach taten sich Ferdinand Hartl und Peter Söllner – und Oldie Florian Schmitz hervor. Doch auch sie vergaben ihre Chancen, scheiterten an Pleyer oder am Pfosten: „Das war ein ganz verreckter Schuss“, kommentierte Pleyer Hartls Schuss gegen das Aluminium. Die ausgelassenen Chancen hätten sich fast gerächt, als den Legenden gegen Ende ein wenig die Kräfte schwanden, und der kompromisslose Abräumer Tom Haslinger den Gegner per Foul im Sechzehner stoppte. Doch den Elfmeter setzte Gaißach an den Pfosten. „Wir hatten gegen die Routine und Cleverness der Alten nichts auszurichten“, räumt Tobi Frühholz ein, der das Team anstelle des urlaubenden Helmut Schenk als Coach übernommen hatte.

Klein hatte sich nach 1:0-Führung zur zweiten Halbzeit selbst eingewechselt, „um unser Übergewicht auf der Kilo-Seite noch zu verstärken“, wie er begründet. Pleyer machte Platz für die Jugend, und Daniel Meier, damals zweiter Keeper, heute immer noch für den SV Söchering aktiv, ging zwischen die Pfosten. Nach einem Ausrutscher auf dem nassen Geläuf zeigte auch er gute Paraden.

Den vergebenen Chancen trauerte Klein nicht lange hinterher. „Meine Spieler haben sich exakt an die Marschroute gehalten, die Null musste stehen, ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss“, bemüht er grinsend bekannte Phrasen zur Analyse des 1:0-Siegs und schob gleich eine Erklärung für die suboptimalen Abschlüsse hinterher. „Um dem Gegner eine Chance zu lassen, haben wir extra das Training unter der Woche ausfallen lassen.“

Freilich bekam Klein als einziger den „Weli“ (Schellen-7) zu sehen, den Schiedsrichter-Legende Hans Unterberger anstelle einer gelben Karte aus seinem DFB-Gewand zog (den „Maxi“, Herz-König, aus der anderen Tasche bekam niemand zu sehen, obwohl Klein es darauf anlegte). „Ich hab’ nur den Videobeweis angefordert, und dann noch einmal nachgefragt“, verteidigt sich der Trainer grinsend.

Gespielt wurde zweimal 30 Minuten, um die Kräfte der Alten Herren nicht über Gebühr zu strapazieren. Schiri Unterberger hatte in jeder Hälfte eine Biesl-Pause für die Legenden einberufen. „Auf Wunsch der Aktiven“, versuchte Klein den schwarzen Peter weiterzuschieben. „Geh du mit Michl, ich kann ihn nicht“, rief der 48-Jährige später über den Platz.

Die Legenden hatten viel zu lachen. Und gemeinsam feierte man den Abend und vor allem den Tag vor zehn Jahren bis in die Nacht hinein. Es gab eine Dia-Schau zu dem großen Ereignis, die die Erinnerungen aufleben ließ. Doch so einen Tag vergisst man ohnehin nicht. Und das Wiedersehen zehn Jahre später ebenfalls nicht.

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