+
„Den Aufstieg muss man niemandem mehr vorgeben“: Walter Lang (li.) und Robert Rieker, Trainer und Vorsitzender des HSV, sehen gute Chancen auf die Sensation für den SV Bad Heilbrunn. 

Heilbrunner Trainer: „Ich will jetzt nicht Dritter werden!“

  • schließen

Walter Lang und Robert Rieker, Trainer und Vorsitzender des SV Bad Heilbrunn, über den möglichen Aufstieg ihres Vereins in die Landesliga. Es wäre der dritte in Folge. 

Bad HeilbrunnDas „Gallische Dorf“ hat Widerstand geleistet – und wie: Doppel-Aufsteiger SV Bad Heilbrunn hat sich nicht nur gegen die arrivierten Bezirksliga-Klubs behauptet, sondern alle hinter sich gelassen: Mit elf Punkten Vorsprung auf den 1.FC Penzberg führt die Mannschaft von Walter Lang die Tabelle zur Winterpause an. Der HSV-Trainer, 51-jähriger Polizeioberkommissar, und Vorsitzender Robert Rieker (Berufsschullehrer, 52) liefern im Interview Erklärungen für den Höhenflug, revidieren das Saisonziel, schwärmen vom Team-Zusammenhalt und halten den dritten Aufstieg in Folge für wahrscheinlich.

Herr Lang, für Sie ist das halb volle Glas meist eher halb leer, aber selbst Sie müssen zugeben: Weit hinten wird Heilbrunn nicht mehr landen.

Lang: Ich habe ein bisschen diesen Ruf, aber es stimmt gar nicht, dass ich so schwarz sehe. Die Chancen stehen wirklich gut, dass wir den Aufstieg schaffen können. Aber realistisch gesehen haben wir noch zehn schwierige Spiele, in denen 30 Punkte vergeben werden – einige Punkte brauchen wir noch.

Wie sehen Sie das, Herr Rieker?

Rieker:Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass wir es schaffen. Sensationell, was bisher erreicht wurde. Dem liegt viel harte Arbeit zugrunde. Es ist die sportlich erfolgreichste Zeit, die wir je hatten. Ich weiß nicht, ob so etwas überhaupt einem Verein in der Region gelungen ist.

Muss nun das Saisonziel angepasst werden?

Rieker:Wir haben ja nie ein Ziel ausgegeben. Wir wollten uns in der Bezirksliga behaupten. Darum geht’s jetzt nicht mehr. Wer jetzt nicht selbst den Aufstieg schaffen will, dem muss ich auch kein Ziel sagen.

Lang: Die Situation ist ähnlich wie in der Vorsaison, als wir auch einen großen Vorsprung zur Winterpause hatten. Jetzt haben wir noch mehr Vorsprung, und ich sage ganz ehrlich: Ich habe keine Lust, jetzt Dritter zu werden. Jetzt zählt nur noch direkter Aufstieg oder als Zweiter über die Relegation. Wenn wir das verpassen, dann ist es halt so, aber das Ziel können nur noch die ersten zwei Plätze sein.

Heilbrunn kommt vom Tabellenende der Kreisklasse, klopft nach vier Jahren an der Landesliga an, wie konnte das passieren?

Lang: Es gab eine unglaubliche Entwicklung der Mannschaft, gute Jugendspieler, die wichtige Torhüter-Position wurde top besetzt, extrem wichtige erfahrene Spieler wie Florian Kapfhammer, Sebastian Mertens und Thomas Forster sind zurückgekommen. Die sorgen hinten für viel Stabilität.
Rieker:Außerdem hatten wir starke Endjahrgänge in der Jugend. Mit Maxi Schnitzlbaumer, Andreas und Benedikt Specker und Thomas Pföderl sind unglaublich talentierte Fußballer fester Bestandteil des Teams. Die Mannschaft hat in den vergangenen vier Jahren unter Walter Fußballspielen gelernt, sich individuell und taktisch verbessert.

Was ist die besondere Stärke des HSV?

Lang: Die mannschaftliche Geschlossenheit. Man sieht es bei FC Bayern gegen Düsseldorf: 3:2 vorne kurz vor Schluss, drei Innenverteidiger hinten, und es geht 3:3 aus: Wenn die Mannschaft nicht will, kannst du draußen machen, was du willst. Aber wir laufen jeden Meter bis zum Schluss, selbst wenn wir 2:0 vorne sind.
Rieker: Das ist der Grund dafür, dass wir sechs Spiele mit 1:0 gewonnen haben. Weil wir mehr Mannschaft sind als die anderen. Es gibt sicher Spieler mit mehr Erfahrung, aber sie haben nicht unsere Disziplin, unseren Willen. Bei uns bringt jeder 100 Prozent – und fast ohne Fouls: Wir liegen auch in der Fairnesstabelle klar vorne.

Auch offensiv braucht sich Heilbrunn nicht zu verstecken...

Lang:Wichtig war, dass der Maxi Specker weitergemacht hat. Auch auf den Flügeln sind wir stark. Da ist viel passiert. Zum Beispiel die sportliche und menschliche Entwicklung bei Anton Krinner, brutal. Die Spieler arbeiten im Training vernünftig, müssen dir aber auch was glauben.

Sie hatten vor der Saison Bedenken, dass dem Team die Cleverness für die Liga fehlt...

Da bin ich total positiv überrascht. Vielleicht kam die unglückliche Niederlage gegen Fürstenfeldbruck am zweiten Spieltag gerade richtig. Da haben wir die taktische Ordnung aus der Hand gegeben und den Ausgleich nicht mehr geschafft. Das würde uns jetzt nicht mehr passieren. Jetzt spielen sie abgezockter Fußball.

Welche Rolle spielt die Psyche bei den verbleibenden zehn Spielen?

Lang:Ich glaube nicht, dass es Kopfsache ist – es sei denn, wir verlieren gleich die ersten beiden Spiele nach der Pause. Sonst gehen wir ganz normal mit der Situation um.

Was kommt auf den Verein zu, sollte der Aufstieg tatsächlich gelingen?

Rieker: Das wäre eine weitere Sensation, das würde gewisse Feierlichkeiten nach sich ziehen. Das würden wir stemmen. Was dann kommt, ist eine Herausforderung für den ganzen Verein. Wir sind eigentlich ein Kreisklassen-Verein. Landesliga bedeutet: Mehr Zuschauer, weitere Auswärtsfahrten mit weiteren Kosten, und das alles bei schlechten Trainingsbedingungen. Wir haben jetzt schon die schlechtesten Bedingungen für die Wintervorbereitung in der gesamten Bezirksliga. Haben zum Beispiel noch keine einzige Stunde Kunstrasen zum Training.

Braucht es für die Landesliga Verstärkung?

Lang: In der Breite würde es nicht schaden. Heißes Thema. Es müsste jemand sein, der uns hilft, aber ohne Geld spielt und der – ganz wichtig – in die Mannschaft passt.
Rieker: Wir werden und können unseren Spielern kein Geld bezahlen. Dabei bleibt’s.

Zweimal Klassenerhalt, zwei Aufstiege, der dritte in Reichweite: Da muss man keinen neuen Trainer suchen, oder?

Rieker: Nein, wir suchen keinen neuen Trainer.
Lang: Wir haben uns mündlich schon geeinigt: Ich werde weitermachen, die Mannschaft und der Verein sind mir ans Herz gewachsen.

Auch interessant

Kommentare