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Walter Lang: „Wir haben in dieser Liga super mitgespielt - was für Heilbrunn ein Wahnsinn ist.“

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Von: Wolfgang Stauner

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Mit Genuss schönen Fußball spielen die Heilbrunner Kicker. „Sonst hätten wir bislang keine 24 Punkte holen können“, betont Trainer Walter Lang.
Mit Genuss schönen Fußball spielen die Heilbrunner Kicker. „Sonst hätten wir bislang keine 24 Punkte holen können“, betont Trainer Walter Lang. © Oliver Rabuser

Der SV Bad Heilbrunn steht zur Winterpause auf dem 13. Platz der Landesliga Südwest. Trainer Walter Lang zeigt sich begeistert von der Moral seiner Mannschaft.

Bad Heilbrunn – Etwas unvermittelt wurde die Landesliga Süd-West aufgrund der Anordnungen der Bayerischen Staatsregierung in die Winterpause zwangsverabschiedet. Der 21. Spieltag ist somit der politischen Räson zum Opfer gefallen. Die Kicker des SV Bad Heilbrunn haben dieses Opfer nicht ungern gebracht: Nach sieben sieglosen Spielen und langer Verletztenliste war der Tank leer.

Nun blickt Trainer Walter Lang auf eine anspruchsvolle Vorrunde zurück und legt dar, was er von den 14 Punktspielen zwischen März und Mai erwartet: Viel Arbeit, aber auch die Rückkehr einiger Langzeitverletzter sowie einen Neuzugang.

„Wir haben in dieser Liga super mitgespielt - was für Heilbrunn ein Wahnsinn ist.“

Walter Lang über den Saisonstart des SV Bad Heilbrunn.

Zum Saisonbeginn haben Sie gefordert: Angsthasen-Fußball verboten. Waren Ihre Burschen mutig genug?

Das kann ich mit einem ganz klaren Ja beantworten. Wir haben 24 Punkte. Die kriegst du nicht, wenn du dich versteckst und ohne Selbstvertrauen spielst.

Dann ist Ihr Matchplan aufgegangen?

Wir wollten die Gegner hinten nicht rausspielen lassen und schon im Aufbau zustellen, dem Gegner einfach Stress machen. Das ist eine sehr laufintensive Taktik, die von der körperlichen Fitness eines jeden Spielers abhängig ist. Hierfür habe ich auch den einen oder anderen Spieler umfunktionieren müssen. Maxi Schnitzlbaumer habe ich zum Beispiel in die Viererkette gestellt. Äußerst ungern, weil er uns so in der Offensive massiv abgegangen ist. Weitgehend haben wir das geschafft, aber unterm Strich fehlen mir zwei, drei Spieler, um dieses System zu perfektionieren.

Die 20 Spiele waren eine ziemliche Achterbahnfahrt: Von Platz 6 bis aktuell Platz 13 war alles dabei. Wo steht die Mannschaft leistungsmäßig?

Einen Spieltag waren wir sogar auf Platz vier. Aber man muss auch sehen, dass wir in den letzten sieben Spielen nur noch zwei Punkte geholt haben, auch wenn wir ein paarmal richtig knapp dran waren. Als wir zu Saisonbeginn komplett waren, haben wir in dieser Liga super mitgespielt – was für Heilbrunn ein Wahnsinn ist. Dann sind uns drei, vier, fünf Spieler weggebrochen. Diese Stammkräfte mit Spielern zu ersetzen, die eine Woche zuvor in der B-Klasse gespielt haben – das geht nicht. Da kann die Qualität nicht reichen.

„Wir hatten zwei Spieler aus der B-Klasse auf der Bank.“

Walter Lang über die Verletzungsprobleme in der Saison.

Den aus der Ersten zurückgetretenen Sebastian Mertens haben Sie auch noch mal reaktiviert...

Sebastian Mertens hat sechs Wochen nur in der Zweiten trainiert und gespielt, war zeitweise sogar verletzt und hat dann sechs Landesligaspiele absolviert. Aber von 0 auf 100 – das geht schlichtweg nicht in dieser Liga. Wenn ich die Partien gegen Mering, Garmisch und Gilching Revue passieren lasse – wir hätten keine einzige verlieren müssen, obwohl wir personell derart am Limit waren.

Das war eine schier unglaubliche Verletzungsmisere mit Thomas Schmöller, Max Specker, Benedikt Specker, Felix Gellner, Peter Auer, Toni Krinner… Haben Sie so etwas schon mal erlebt?

Noch nie. Da komme ich wieder auf unseren kleinen Kader zurück: Wir sind in der Landesliga einfach ein kleiner Verein. Wenn ich an das Garmisch-Spiel zurückdenke: Die haben acht Spieler auf der Bank gehabt, drei davon mit Bayernliga-Erfahrung. Wir hatten zwei Spieler aus der B-Klasse auf der Bank. Bei der Intensität der Spiele ist es klar, dass man in sechs Monaten einige Verletzte hat. Wir leben zwar von unserer Physis, auch wenn wir von anderen so dargestellt werden, als ob wir bloß Kämpfen und Rackern können. Das ist ein Schmarrn. Die Mannschaft spielt inzwischen einen sehr guten Fußball. Natürlich fehlt’s von der Technik her etwas zu den arrivierten Landesligisten. Aber wir spielen mit Genuss einen schönen Fußball, sonst hätten wir nicht 24 Punkte holen können.

Neuzugang Andre Tiedt (re.) kann auf den Außenbahnen offensiv und defensiv eingesetzt werden.
Neuzugang Andre Tiedt (re.) kann auf den Außenbahnen offensiv und defensiv eingesetzt werden. © Halmel

Wer hat Sie besonders begeistert oder enttäuscht?

Was mich total begeistert hat, ist das, was die Jungs geleistet haben – auch der Verein und das Umfeld. Unser Spiel ist sehr physisch. Ab Juni haben wir entsprechend intensiv trainiert und uns auf die Saison vorbereitet. Auch die ersten Spiele in voller Besetzung waren top. Auch da hat man schon gesehen: Wir müssen jedes Körndl reinschmeißen, um in dieser Liga zu bestehen. Wie die Spieler mitgezogen haben, hat mich total begeistert. Irgendwann ist dann Ende November, und dann gehen die Kräfte aus. Die Burschen sind schließlich keine Profis. Da stehst du dann im Training nur noch mit acht, neun Leuten da, weil der Rest verletzt ist. Da kannst du dann nur noch sehr dosiert arbeiten.

„Jetzt gewinnen wir nächste Woche in Ichenhausen, dann spielen wir um die Bayernliga mit.“ 

Walter Lang ist von derartigen Erwartungen der Fans enttäuscht.

Dabei standen zu Saisonbeginn 24 Feldspieler auf der Kaderliste...

Mag sein, da hab’ ich alles reingeschrieben (lacht). Aber man muss auch die Qualität der einzelnen Spieler berücksichtigen. Wir haben ja auch einige Neuzugänge bekommen, aber wenn man schaut, wer alles übrig geblieben ist, muss man die meisten wieder abziehen.

Da gab’s wohl nicht nur sportliche, sondern auch menschliche Enttäuschungen.

Durchaus. Ich halte mir zugute, ein Trainer zu sein, der gut mit seinen Spielern umgehen und einschätzen kann, was jeder so drauf hat. Sonst wäre ich nicht die achte Saison in Heilbrunn. Aber manchmal hat mich die Erwartungshaltung der Zuschauer enttäuscht. Als wir nach dem Sieg gegen Neuburg auf Platz vier standen, haben einige Fans im Vereinsheim getönt: „Jetzt gewinnen wir nächste Woche in Ichenhausen, dann spielen wir um die Bayernliga mit.“ Als ich das gehört habe, bin ich nach Hause gefahren, da hat mir das Bier nicht mehr geschmeckt.

Zu Beginn der Rückrunde wurde in Heilbrunn mit einigen Fehlentscheidungen gehadert: ein nicht gegebener Elfer, ein vermeintliches Abseitsgegentor, eine ungerechtfertigte rote Karte, ein nicht zugestandener Strafstoß. Habt ihr euch mit diesen Nebengeräuschen nicht selbst aus dem Tritt gebracht?

Nein, bestimmt nicht. Die rote Karte für Max Specker war ganz klar, damit habe ich nicht gehadert, aber drei Spiele Sperre waren einfach zu viel. Nach unserem Einspruch ist die Sperre ja auch auf zwei Spiele verkürzt worden. Eine Entscheidung, mit der ich hart ins Gericht gehe, war definitiv das Garmisch-Spiel, wo wir einen Elfer gegen uns kriegen, der ganz klar keiner war, und der Schiri in der letzten Minute einen klaren Handelfmeter nicht für uns pfeift. In Gilching haben wir dagegen einen klaren Strafstoß für uns nicht gekriegt, das haben sogar die Gilchinger selbst bestätigt. Auch dem Sonthofener 1:1-Ausgleich ist ein glasklares Foul vorausgegangen. In diesen drei Spielen sind wir also klar benachteiligt worden. Das hat uns nicht aus dem Tritt gebracht, aber die dadurch verlorenen Punkte tun uns wahnsinnig weh. Mit 27 Zählern auf dem Konto stünden wir ganz anders da, auch von der Moral.

SV Bad Heilbrunn: Andre Tiedt kommt vom ESV Penzberg

Ihr hattet drei schwere Schulterverletzungen, aber auch sonst auffällig viele Blessuren. Sehen Sie einen Zusammenhang mit der monatelangen Corona-Zwangspause und der dadurch fehlenden Trainings- und Spielpraxis?

Da muss ich grad mal überlegen. Die drei schweren Schulterverletzungen haben mit Corona sicherlich nichts zu tun. Peter Auer hatte einen Bänderriss nach einem Foul. Bene Specker ist leider immer verletzungsanfällig, aber auch bei ihm war’s ein Bänderriss. Felix Gellner hat sich im Training an der Leiste verletzt. Einzig Anton Krinner hat sich in Mering einen Muskelfaserriss zugezogen. Aber einen direkten Zusammenhang zwischen Verletzungshäufigkeit und der Corona-Zwangspause kann ich nicht feststellen. Das heißt, dass wir im Sommertraining gut gearbeitet haben, und auch unsere Physiotherapeutin Lisi Specker und die Physio-Praxis von Markus Merklinger und Philipp Reyer muss ich herausheben. Irre, was die leisten.

Wer kommt denn nach der Winterpause zurück?

Ich hoffe alle. Bis auf Max Specker, der muss bis Februar eine Schiene tragen. Fraglich, ob wir ihn in dieser Saison noch mal auf dem Spielfeld sehen.

Und neue Spieler?

Wir haben einen externen Neuzugang: Andre Tiedt vom ESV Penzberg. Er hat schon ein paar Mal mittrainiert und möchte es bei uns probieren.

„Die Vorbereitung wird überwiegend auf dem Gaißacher Hartplatz stattfinden und ohnehin anspruchsvoll genug sein.“

Walter Lang über die Vorbereitung auf die Rückrunde.

Kann euch ein Kreisklasse-Spieler weiterhelfen?

Das muss man sehen. Die Anlagen dazu bringt er jedenfalls mit: ein hochintelligenter Spieler und anständiger Bursche. Er ist groß und bringt eine gewisse körperliche Präsenz mit. Er kann auf den Außenbahnen links und rechts sowohl offensiv als auch defensiv spielen. Ich freue mich, dass er kommt.

Gibt es etwas, das Sie nach der Winterpause unbedingt anpacken möchten?

Wir haben eine ganz klare Spielphilosophie; von der werden wir nicht abweichen. Ansonsten müssen die Rückkehrer wieder aufgebaut und integriert werden. Und klar: Fitness ist ein ganz wichtiger Faktor in unserem Spiel. Ansonsten sind’s zwei, drei Finessen: Spieleröffnung oder die Positionierung bei gegnerischen Standards.

Durch Corona gibt es wieder strikte Reglementierungen. Wie sieht euer Wintertraining aus?

Wir haben weder Hallenzeiten gebucht, noch Sonstiges geplant. Die Jungs sollen jetzt erst mal den Kopf freibekommen. Die meisten halten sich sowieso in Eigenregie fit, sei’s im Fitnessstudio, auf der Piste oder in der Loipe. Wichtig ist, dass alle am 1. Februar wieder mit vollen Akkus am Start sind. Die Vorbereitung wird überwiegend auf dem Gaißacher Hartplatz stattfinden und ohnehin anspruchsvoll genug sein. Und am 6. März ist sowieso schon das erste Punktspiel gegen den SV Egg angesetzt. Das ist gleich ein Sechs-Punkte-Spiel, Egg ist punktgleich mit uns.

SV Bad Heilbrunn: Walter Lang schließt neuntes Jahr nicht aus

Wo sehen Sie Ihr Team zum Saisonende stehen?

Mal schauen, was die gegnerischen Mannschaften veranstalten. Einige werden sich verstärken. Das kann man machen, wenn man Geld hat, gerade die Mannschaften aus dem Allgäu. Ich rechne, dass man für den direkten Klassenerhalt 40 Punkte braucht. Fünf Siege aus noch 14 Spielen, das könnte möglich sein, wenn wir vor weiteren schweren Verletzungen verschont bleiben und vielleicht auch mal ein Quäntchen Glück haben.

Sie sind im achten Jahr Trainer beim SV Bad Heilbrunn. Wird es ein neuntes Jahr geben?

Die Abteilungsleitung um Thomas Forster lotet derzeit aus, wie es in der kommenden Saison personell weitergehen wird. Daraufhin werden wir uns im Januar zusammensetzen. Zugegeben: Die letzten Spieltage vor der Winterpause haben auch an meinem Nervenkostüm genagt. Doch abgesehen davon fühle ich mich in Heilbrunn wohl, gar keine Frage, sonst hätte ich auch gar nicht acht Jahre hier gearbeitet. Die Mannschaft hat in den vergangenen Jahren mit den Aufstiegen bis in die Landesliga Aufsehenerregendes geleistet und ist ja auch top. Und mit Maxi Grobauer und Justin Soldan kommen auch wieder einige vielversprechende Talente nach.

Das Interview führte Wolfgang Stauner.

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