Duell auf Augenhöhe: Erstmals seit Jahren wieder lieferten sich im September 2013 der Lenggrieser SC und der SC Gaißach – hier Stefan Reiser (li.) gegen Stefan Simon – ein ausgeglichenes Duell in derselben Liga
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Duell auf Augenhöhe: Erstmals seit Jahren wieder lieferten sich im September 2013 der Lenggrieser SC und der SC Gaißach – hier Stefan Reiser (li.) gegen Stefan Simon – ein ausgeglichenes Duell in derselben Liga

Simon: „So ein Match vergisst man nicht“

SC Gaißach gegen Lenggrieser SC: Das Derby, das das Kriegsbeil begrub

  • Nick Scheder
    vonNick Scheder
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Es war viel mehr als nur ein Derby. Es ging um Rivalität, fast schon eine Art Feindschaft und um Augenhöhe. Das Spiel des Lenggrieser SC gegen den SC Gaißach.

Lenggries/Gaißach – Seit Jahren spielten die Fußballvereine der benachbarten Dörfer wieder einmal in derselben Liga gegeneinander. Der Lenggrieser SC, auf den der SC Gaißach als ehemaliger Bezirksoberligist immer ein wenig hinabgesehen hatte, lud Ende September 2013 zum Bezirksliga-Derby im Isarstadion. „Vor allem für die Spieler war es ein Kampf um die Vorherrschaft im Isarwinkel“, erinnert sich Walter Lang, damals Trainer der Gastgeber. Auch die Gaißacher Anhängerschaft nahm die Sache sehr ernst, reiste zahlreich per Sonderzug zum Derby an, sorgte mit einem grün-weißen Feuerwerk – die Gaißacher Vereinsfarben – im Verbund der 850 Schlachtenbummler für reichlich Stimmung. „Die Pyros sind uns im Nachhinein teuer zu stehen gekommen“, sagt Stefan Simon. „Aber das war es wert“, fügt der damalige SCG-Kapitän nach kurzer Pause hinzu. Dass die bis zuletzt spannende und faire Partie torlos 0:0 endete, war vielleicht ein Symbol für die Entspannung zwischen den beiden Vereinen, die nach dem Spiel allmählich einsetzte.

Simon: „Es war ziemlich giftig“ 

„Die Spieler haben das Derby im Vorfeld ziemlich aufgebauscht, ziemlich Stimmung gemacht“, sagt Lang, mittlerweile Trainer des Landesligisten SV Bad Heilbrunn. Viele Spieler, die sich untereinander gut kannten, sprachen voller Geringschätzung von den anderen. „Es war ziemlich giftig.“ Fast schon feindselig, räumt auch Simon ein. Lang: „Jetzt waren meine Spieler der Meinung, dass sie lange genug eine lange Nase gezeigt bekommen hatten. Sie wollten es den Gaißachern so richtig zeigen.“

Für die angespannte Atmosphäre zeigten die Gastgeber allerdings viel zu wenig Einsatz. „So lethargisch, wie die in der ersten Hälfte über den Platz schlichen, das geht in einem Derby gar nicht“, wurde Lang damals im Tölzer Kurier zitiert. Heute macht er eher Nervosität für die Gaißacher Dominanz zu Beginn verantwortlich. „Ich hatte eine extrem junge Mannschaft.“ Ausnahme: Routinier Karl Murböck, gerade vom BCF Wolfratshausen aus der Bayernliga zurückgekehrt. Der war aber auch so etwas wie ein Bindeglied zwischen den Vereinen, sorgte mit dafür, dass sich die Kontakte zwischen beiden Teams intensivierten, unter anderem, weil er mit seiner Arbeit als Zimmerer eine Verbindung zwischen Lenggries und Gaißach herstellte.

Florian Schauer hält den Punkt fest

Aus dem Rest des jungen LSC-Teams musste Lang erst noch eine funktionierende Einheit formen, die Erfahrung sammeln musste. „Einer alleine kanns’s halt auch nicht richten“, sagt Lang, der den gelernten Stürmer Florian Schauer gerade erst zum Torhüter umgeschult hatte. Aber genau der war es, der den Lenggriesern den Punkt mit extrem starken Paraden rettete.

„Wir waren die Favoriten“, sagt Simon. „Weil es noch nicht so lange her war, dass wir aus der höheren Liga kamen.“ Lenggries hatte gerade den Aufstieg geschafft, lag in der Bezirksliga zu der Zeit aber sogar drei Punkte vor Gaißach. Beide rangierten im vorderen Drittel der Tabelle, es war noch früh in der Saison, es ging weder um Auf- noch Abstieg. „Die richtige sportliche Aussagekraft fehlte ein wenig“, sagt Lang. Aber an Brisanz fehlte es nicht. Beide Teams wollten in diesem Prestigeduell unbedingt die Oberhand behalten. „Die Lenggrieser, erstmals wieder in der gleichen Liga auf Augenhöhe mit uns, wollten es uns jetzt so richtig zeigen“, erinnert sich Simon.

SC Gaißach gibt das Kommando vor

Doch es waren die Gaißacher, die stark begannen, Chancen an Chancen reihten. „Wir waren besser, vor allem durch unsere Erfahrung“, sagt Simon. Doch die Gäste kamen nicht an Schauer vorbei. Auch nicht der SCG-Kapitän, der in dieser Saison vom neuen Trainer Uwe Richthammer erstmals auf die 10er-Position hinter dem Sturm beordert wurde, einige Tore machte und viele auflegte. Doch nicht an diesem Tag.

Und Lang schaffte es in der Pause, seine Spieler neu zu motivieren. Nach dem Wechsel kamen sie besser ins Spiel. Doch die Angst davor, einen Gegentreffer zu kassieren, war auf beiden Seiten deutlich zu spüren. Es war klar, dass ein Tor sehr schmerzhaft sein würde, weil es die Niederlage besiegeln könnte, mit der die Vorherrschaft im Isarwinkel verloren ginge. Trotzdem waren die Gaißacher dem Treffer näher, doch Michael Pföderl versagten alleine vor Schauer die Nerven. Und Adi Floßmann scheiterte dreimal in Folge: Am Pfosten und zweimal kurz hintereinander an Schauer. Der LSC hätte sich trotzdem sogar noch glücklich den Sieg holen können, als Max Scheck aus kurzer Distanz an Thomas Wasensteiner scheiterte. Lang: „Das wäre aber auch fast zu viel Glück gewesen.“

„Es war ein besonderes Spiel, eines, das man nicht vergisst“

So teilten sich die Teams nicht nur die Punkte, sondern auch das eine oder andere Bierchen im Anschluss. Lang: „Zum ersten Mal seit Jahren haben die Lenggrieser Gaißach wieder Paroli geboten. Das war für meine Spieler ganz, ganz wichtig.“ Denn damit endete so ein bisschen die Feindschaft zwischen den beiden Klubs, glaubt der Coach. „Es war ein besonderes Spiel, eines, das man nicht vergisst“, weil anschließend das Kriegsbeil zwischen Lenggries und Gaißach begraben wurde. Anschließend herrschte nur noch gesunde Rivalität. „Es hat Spaß gemacht“, sagt auch Simon. Es gebe nur eine Handvoll Derbys. Für die Amateure, die keinerlei Geld bekommen, sind solche Nachbarschaftsduelle die Motivation, das Salz in der Suppe. „Es sind Spiele wie diese, für die man Fußball spielt.“ Zwei Wochen vorher und nachher wurde über diese Partie geredet, sagt Simon. „So ein Match vergisst man nicht.“

(Nick Scheder)

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