Die Schlagzeile: So berichteten damals Tölzer Kurier/Isar-Loisachbote/Geretsrieder Merkur über den Gaißacher Überraschungs-Aufstieg.
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Die Schlagzeile: So berichteten damals Tölzer Kurier/Isar-Loisachbote/Geretsrieder Merkur über den Gaißacher Überraschungs-Aufstieg.

Als der SC Gaißach sich den Relegationsplatz zur Bezirksoberliga schnappte

Klein: „Das ist eine Geschichte für die Ewigkeit“

  • Nick Scheder
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Das hätte damals keiner erwartet. In der Saison 2007/08 schaffte es der SC Gaißach überraschenderweise sich den Relegationsplatz zur Bezirksoberliga zu sichern.

VON NICK SCHEDER

Geretsried/Gaißach – Es war eines dieser Spiele, bei dem erst eine Weile nach dem Abpfiff alle Dämme brachen. Das 2:0 beim TuS Geretsried in der Saison 2007/08 hatte dem SC Gaißach den Relegationsplatz zur Bezirksoberliga gesichert. Doch ein paar Minuten später schraubten sich die Feierarien ins Unermessliche: Der Stadionsprecher gab das Ergebnis der Partie des vermeintlichen Aufsteigers FC Deisenhofen bekannt: Der Spitzenreiter verlor mit 1:2 gegen Kellerkind FC Aich, das die ganze Saison über auswärts noch nicht gewonnen hatte. Underdog Gaißach holte auf diese Weise mit einem Punkt Vorsprung den Titel. „Das war eine Geschichte für die Ewigkeit“, sagt der damalige SCG-Coach Norman Klein. „Das war der absolute Höhepunkt meiner Trainerkarriere.“

Überraschungsmeister

Überraschungsmeister

Fast 1000 Zuschauer verfolgten die Partie am 31. Mai 2008, vermeintlich das Duell um Rang zwei der Bezirksliga Süd. Dass es um die Meisterschaft ging, das wagte keiner zu hoffen. „Trotzdem wollten wir dieses Spiel unbedingt gewinnen“, sagt Klein, dafür bekannt, seine Mannschaft immer wieder mit flammenden Ansprachen zu motivieren. So war es auch diesmal nach einer torlosen ersten Hälfte, in der die Rote Karte für TuS-Stürmer Florian Beham den Gästen in die Karten spielte. In der Kabine brachte der ehemalige Zweitligafußballer, der sich in der Schlussphase auch gerne selbst einwechselte, seine Mannschaft noch einmal in Stellung. „Die waren heiß wie Frittenfett“, sagt Klein., „Die wollten das Spiel für sich entscheiden.“ Und so gelang dem eingewechselten Thomas Pföderl nach 65 Minuten die Führung, bevor SCG-Torjäger Philip Zehetmair mit einem eiskalt verwandelten Konter zum 2:0 kurz vor dem Schlusspfiff den Sack zumachte. Doch erst die Niederlage des hoch favorisierten Spitzenreiters hob die Stimmung der Gaißacher auf ein noch höheres Level.

Abgelaufenes Bier vor dem Triumphzug

Vorbereitet war nichts. Keine T-Shirts, kein Siegestrunk. Die eineinhalbstündige Wartezeit, bis Wolf-Peter Schulte den Pokal aus Deisenhofen nach Geretsried brachte, verkürzte der faire Verlierer den Gaißachern mit Erfrischungsgetränken. „Ralf Zahn hat uns Oktoberfestbier zur Verfügung gestellt – ein halbes Jahr abgelaufen“, sagt Klein grinsend. „Aber es hat trotzdem geschmeckt.“ Die Heimreise der Gaißacher glich einem Triumphzug. Sie drängten sich in viel zu kleine Busse, machten Station in Tölz, feierten die unverhoffte Meisterschaft auf der Isarbrücke. Die Festivitäten dauerten laut Klein eine Woche lang. Zumindest gab es noch einen rauschenden Empfang im Rathaus. „Es war irgendwie ein Erfolg wie bei Asterix“, meint Klein. „Ein kleines gallisches Dorf gegen das Römische Reich.“

Denn die Außenseiter – bei der Saisonprognose des Tölzer Kurier zeigte der Daumen nach unten, es gehe gegen den Abstieg – überraschten immer wieder gegen die Großen. Vor allem gegen Deisenhofen und Geretsried. Unermüdlicher Einsatz, Kampf bis zum Umfallen, diese Tugenden haben womöglich fehlende spielerische Qualitäten wettgemacht, meint der Coach. Vielleicht sei auch das Quäntchen Glück im einen oder anderen Spiel dabei gewesen, räumt Klein ein. Beispielsweise bei einer Partie in Solln, als erst ein umstrittener Eckball mit dem Abpfiff den Gaißacher 2:1-Siegtreffer brachte. „Aber wir hatten auch eine Wahnsinns-Mannschaft. Die hat als Team einwandfrei funktioniert.“

Gaißach setzte auf die Jugend

Nach einem Durchhänger während der Saison setzten die Gaißacher auf die Jugend – und das zahlte sich aus. So machte Adi Floßmann in seiner ersten Erwachsenen-Saison 20 Tore. Philip Zehetmaier bewies Vollstrecker-Qualitäten. Auch die Brüder Thomas und Michael Pföderl sowie Hannes Schlosser, Hans Müller und Thomas Haslinger erwiesen sich als wichtige Spieler und übertrafen die Erwartungen. Markus Pleyer war ein starker Rückhalt zwischen den Pfosten, auch wenn die Gaißacher Trümpfe eindeutig in der Offensive lagen, was regelmäßig torreiche Spiele belegen. Hinzu kam mit Sepp Kaltenhauser zur Winterpause ein wichtiger und erfahrener Mittelfeldstratege. Die Mannschaft war mit vollem Eifer dabei. Ohne Murren versammelten sich fast ausnahmslos alle Spieler zum Training, zu dem Klein – damals fast schon revolutionär in der Bezirksliga – dreimal pro Woche rief. „Wir waren die klassischen Arbeiter“, sagt Klein. „Und deshalb würdige Meister.“

Und so entschieden die Gaißacher auch dieses legendäre Spiel beim TuS Geretsried für sich. Für den Meistermacher FC Aich sprang auch etwas heraus: „Sie haben von uns ein Fass Bier bekommen“, sagt Klein, stellt aber klar: „Das war vorher nicht abgesprochen.“

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