1600 Zuschauer versammelten sich beim Spiel des Lebens des SC Reicherbeuern.
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1600 Zuschauer versammelten sich beim Spiel des Lebens des SC Reicherbeuern.

Alexander Varro:„Es war so ein Spiel, das man nicht vergisst – niemals“

SC Reichersbeuern: „Das Spiel des Lebens“ auf Sky

  • Nick Scheder
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Kameras und Mikrofone, Übertragungswagen, Gerüste und eine Zuschauertribüne für 1000 Fans. Das „Spiel des Lebens des SC Reichersbeuern lief sogar auf Sky.

VON NICK SCHEDER

Wolff-Dieter Fuss tauscht sich mit „Didi“ Hamann und Christoph Metzelder aus – neben der Turnhalle, nicht weit von der Kirche im Dorf: Während der Bezahlsender „Sky“ normalerweise Fußball-Bundesligaspiele überträgt, zeigte er an diesem 3. September 2016 die A-Klassen-Partie SC Reichersbeuern gegen SV Wackersberg-Arzbach. 1600 Zuschauer hatten sich im Dorfkessel versammelt, auf der Tribüne, am Spielfeldrand oder auf der Kuhweide hinter dem Traktor, von dem aus Sky-Profi Fuss das Spiel live kommentierte. „Ein gigantisches Ereignis, das nicht zu toppen ist“, erinnert sich Alexander Varro an das „Spiel des Lebens“, das zwar bei großer Chancenüberlegenheit der Gastgeber torlos 0:0 endete, das aber trotzdem ein unvergessenes Ereignis für den Verein im 2500-Seelen-Dorf war.

Die Sky-Aktion „Spiel des Lebens“

Varro, Teil der Mannschaft des SCR und Geschäftsführer einer Digitalisierungsfirma, hatte die Idee, sich bei der Sky-Aktion „Spiel des Lebens“ zu bewerben, produzierte ein aufwendiges, gut gemachtes Video, das die User im Internet und am Ende auch die Jury mit Fuss und Ex-Nationalkeeper Timo Hildebrand überzeugte. „Wir hatten nie mit dem Sieg gerechnet“, gibt Varro zu. Im Verlauf der Aktion kletterten die Reichersbeurer mit ihrem sympathischen, weil Amateurfußball-nahen Film immer weiter nach vorne, es lief auf einen offenen Schlagabtausch mit dem engsten Verfolger ASV Altenlingen aus Niedersachsen heraus. „Wir mussten zittern, als die plötzlich den Musiker Kay One für sich rekrutiert haben“, sagt Varro. „Da haben wir auch umso mehr Gas gegeben.“ Und zum Schluss hielt der SCR den Vorsprung und überzeugte auch die Jury. „50 Leute verfolgten die Entscheidung bei uns im Vereinsheim“, sagt Varro. „Es war ein Gänsehautmoment, als Fuss uns als Sieger bekannt gab.“

Der ganze Verein jubelte und feierte, doch die Arbeit ging erst richtig los. Tribüne, Auflagen des Senders, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit: Es gab einen Haufen zu tun, bevor das Spiel über die Bühne gehen konnte.

Varro: „Schon beim Warmmachen war das ein unglaubliches Gefühl“

Die Mannschaften – dass das Spiel auch noch ein Derby gegen das Dorf jenseits der Isar wurde, war wie ein Lottogewinn für die Wackersberger – mussten sich auf völlig unbekanntes Terrain begeben: Sky rückte mit Ü-Wagen, 19 Kameras auf verschiedenen Positionen und einem 70-köpfigen Filmteam an. Dazu kamen Spielerinterviews, Experteneinschätzungen – auch Altbürgermeister Hans Harrer musste ran, Zeitlupenwiederholungen. „Volle Tribüne, der Gedanke dass Millionen am Fernsehen zuschauen – das war schon etwas ganz anderes“, sagt Varro. Der Moment, als die Spieler aus der Turnhalle auf den Platz liefen, als ihnen die Fangesänge aus 1600 Kehlen entgegenschallten, im Fokus der Kameras. „Schon beim Warmmachen war das ein unglaubliches Gefühl“, sagt Varro.

Die Gastgeber kamen mit dem Lampenfieber im Rampenlicht deutlich besser zurecht als Wackersberg. Reichersbeuern erspielte sich etliche Chancen, doch beim Abschluss befiel auch sie das Nervenflattern: Die Hausherren schafften es nicht, den – zugegeben starken – Gästekeeper Klaus Ertl zu überwinden. Doch das Ergebnis war es nicht, was zählte, das Unentschieden blieb nebensächlich. „Klar hätte man sich über mehr Tore gefreut“, sagt Varro. Aber jeder habe diese Momente, dieses Erlebnis genossen. „Es war so ein Spiel, das man nicht vergisst – niemals.“

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