+
Die drei Fiedler-Mädels sorgen bei der SG Bad Tölz/Wackersberg für Tore und Furore (v. li.): Antonia (15), Mama Susanne und Anna-Lena (17). 

Auch mit 50 läuft sie ihren Gegnerinnen noch locker davon

Tölzerin Susanne Fiedler - ein fußballerisches Phänomen

  • schließen

Sie ist zweifellos ein fußballerisches Phänomen, die mittlerweile 50-jährige Tölzerin Susanne Fiedler, die nach wie vor aktiv gegen den Ball tritt.

VON EWALD SCHEITTERER

Jetzt zusammen mit ihren beiden Töchtern Anna-Lena (17) und Antonia (15) in der Kreisklassen-Mannschaft der SG Bad Tölz/Wackersberg-Arzbach. Als die mehrfache Landkreis-Torschützenkönigin noch im Frauenteam des FC Kochelsee Schlehdorf spielte, legte der Trainer die Mannschaftstaktik ganz pragmatisch aus: „Wir schlagen einen langen Ball nach vorne, und Nana haut die Kugel rein.“

Dabei hat die Ausnahme-Fußballerin 1988 – mit 19 Jahren relativ spät – angefangen vereinsmäßig zu kicken. Freilich war sie da schon längst von der schönsten Nebensache der Welt überaus angetan. So war sie zu Hause in Geretsried mit ihren älteren Brüdern ständig auf dem Bolzplatz. „Schon damals habe ich gemerkt, dass ich auch mit den Jungs gut mithalten kann.“ Zu einem Verein hat sie dann ihr heutiger Gatte Wolfgang gebracht. Über einen Studienkollegen kam er an die Telefonnummern der Fußballvereine in Penzberg und Kochel. „Zuerst rief ich in Penzberg an, da ging keiner ans Telefon. Bei meinem zweiten Versuch erreichte ich Karl Glasl, den damaligen Vorstand des SV Kochel.“ Nach einem ersten Trainingsbesuch war Susanne Fiedler sofort Feuer und Flamme. Der Verein und vor allem der große Zusammenhalt in der Mannschaft hatten es ihr angetan, so dass sie etliche Jahre am Kochelsee gekickt hat. Dort kam sie auch zu ihrem Spitznamen Nana. Anfänglich hatte sie nämlich nur ihre zehn Jahre jüngere Schwester so genannt. Da es aber in der Kochler Frauenmannschaft mit der Susanne Dietmayer bereits eine Susanne gab, die obendrein im Angriff spielte, wurde sie fortan Nana gerufen, um Verwechslungen auszuschließen.

Bis in die Bezirksoberliga hatten es die Kochler Frauen und nach der Fusion die des FC Kochelsee Schlehdorf geschafft. „Das war damals die vierthöchste Spielklasse im Frauenfußball.“ In dieser Zeit ereilte sie dann auch eine Berufung in die Bayern-Auswahl. Freilich blieb es im Landeskader bei einigen Auftritten, denn für weitere Nominierungen hätte sie zu einem höherklassigen Verein wechseln müssen. „Wacker München hat einmal angefragt. Doch viermal wöchentlich Training plus Spiel, das war mir damals einfach zu viel“, erklärt die Erzieherin. So schoss sie bis 2012 beim FCKS ihre Tore, regelmäßig zwischen 25 und 30 Stück pro Saison.

Die Töchter Antoniaund Anna-Lena habenauch Freude am Kicken

Dass sie 2012 dort aufgehört hat, hatte familiäre Gründe. „Mit zwei Töchtern wurde mir die Fahrerei zu viel.“ Doch nur drei Jahre lang hielt es Nana Fiedler ohne Fußball aus. Als sie 2015 von Klaus Löffler, dem damaligen Vorsitzenden des SV Bad Tölz, angesprochen wurde, setzte sie dort ihre Karriere fort. Da hatten auch ihre beiden Töchter die Freude am Fußball entdeckt. „Allerdings ist Anna-Lena zu Wacker München II in die Landesliga gewechselt, als ich in Tölzer wieder angefangen habe.“ Mittlerweile ist auch die ältere Tochter zum SV Tölz zurückgekehrt. Nicht zuletzt deswegen, weil sie heuer am Gymnasium das Abitur schreibt.

Auch wenn die jüngere Tochter Antonia im Tölzer U 17-Team aktiv ist, kann man die drei Fiedler-Mädels auch schon mal gemeinsam auf dem grünen Rasen erleben. Nicht nur im Training, sondern auch bei Freundschaftsspielen. „Ich habe meine Töchter nie zum Fußball gedrängt, sie wollten es selber“, erklärt Fiedler. Antonia ist eine gute Sprinterin und wie die Mama am liebsten auf der Außenbahn unterwegs. Die technisch beschlagene Anna-Lena fühlt sich hingegen auf der Zehner-Position am wohlsten.

Trotz ihrer 50 Lenze macht Fiedler das Kicken noch großen Spaß. „Die Anforderungen in der Kreisklasse sind mit denen damals in der Bezirksoberliga schwer zu vergleichen. Aber in der Kreisklasse bin ich gut aufgehoben und kann für die Mannschaft noch einiges aus mir herausholen.“ Von der spielerischen Qualität kann sie locker mithalten, und auch wenn sie nicht mehr ganz so schnell ist, wie zu ihren Glanzzeiten, so freut sie sich diebisch: „Es gibt genügend Gegnerinnen, denen ich noch locker davonlaufe.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Billige Fehler verboten
Der Heilbrunner Coach Walter Lang fordert gegen Kempten ein anderes Auftreten als vor einer Woche in Ehekirchen und freut sich auf den Gegner. 
Billige Fehler verboten
Helmut Schenk wirft das Handtuch beim SC Gaißach
Überraschend war am Sonntagnachmittag nicht nur für die Fans des SC Gaißach, dass statt Helmut Schenk in der Partie gegen den BCF Wolfratshausen II Kapitän Georg Simon …
Helmut Schenk wirft das Handtuch beim SC Gaißach
FSV Höhenrain mit Derbysieg gegen SV Münsing - ASV Eglfing holt spät Remis
Die Partien der Kreisklasse 3 Zugspitze im Überblick.
FSV Höhenrain mit Derbysieg gegen SV Münsing - ASV Eglfing holt spät Remis
Maximilian Scheck in der 93. Minute zum Auswärtssieg des Lengrieser SC 
Gerechtigkeit ist im Fußball eher eine Seltenheit. Aktuelles Beispiel ist das Match des Lenggrieser SC am Sonntag in Polling.
Maximilian Scheck in der 93. Minute zum Auswärtssieg des Lengrieser SC 

Kommentare