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SV Bad Heilbrunn: „Zwei wunderschöne, geile Jahre“ - Landesliga-Abstieg kein Genickbruch

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Resignierte Blicke: Nach dem frühen Erkheimer 1:0 glaubte niemand auf der Heilbrunner Bank noch an den Klassenerhalt.
Resignierte Blicke: Nach dem frühen Erkheimer 1:0 glaubte niemand auf der Heilbrunner Bank noch an den Klassenerhalt. Foto: Ewald Scheitterer © Ewald Scheitterer

Als „keinen Beinbruch“ bezeichnet Tom Forster, Fußball-Abteilungsleiter des SV Bad Heilbrunn, den Abstieg aus der Landesliga.

Bad Heilbrunn – Auch wenn er anfügt: „Schade ist es schon, denn wir haben gezeigt, dass wir durchaus in der Liga hätten mithalten können.“ Vor allem in der Vorrunde, in der die Kicker aus dem Loisachtal zwischenzeitlich bis auf Tabellenrang sechs geklettert waren.

„Dass wir überhaupt soweit haben kommen können, wie wir gekommen sind, das ist schon sensationell. Da kann ich vor der Leistung meiner Mannschaft nur den Hut ziehen“, sagt Trainer Walter Lang, denn der ihm zur Verfügung stehende Kader war und ist für die Landesliga einfach zu klein. Hintergrund ist das HSV-Credo. „Wir spielen mit unseren eigenen Leuten. Wenn’s dann nicht reicht, dann reicht’s halt nicht“, wie Forster die Vereinsphilosophie umreißt. Daraus resultiert auch das eigentliche Manko, das letztlich den Abstieg verursacht hat. „In der Landesliga kannst du auf Dauer, ohne dass Geld fließt, nicht mithalten“, ist der Coach überzeugt. Als Beleg für seine Worte weist er etwa auf den Ligakonkurrenten vom TuS Geretsried hin, der durchaus ebenfalls vom Abstieg bedroht war: „Die haben dann im Winter zwei Bayernliga-Spieler geholt und dann gerade noch die Liga halten können.“ Lang unterstreicht aber ganz klar, dass auch er in Bad Heilbrunn nicht unzufrieden ist: „Wenn mir die HSV-Methode nicht passt, dann muss ich den Verein wechseln. Ich aber stehe zu 100 Prozent dahinter, dass es möglich sein muss, ohne Geld ordentlich Fußball zu spielen.“

Es gebe nämlich auch andere Qualitäten, die ein Verein in die Waagschale werfen könne. „Ich möchte das Erlebnis Landesliga keinesfalls missen. Es waren zwei wunderschöne, geile Jahre“, betont Robert Rieker, der Erste Vorsitzende des Gesamtvereins: „Es war schon toll, einmal semiprofessionelle Luft schnuppern zu können.“ So sei es für den kleinen Dorfverein eine Herausforderung gewesen, überhaupt mit Absperrungen und Flutlicht die Zulassungsvoraussetzungen für die Landesliga zu erfüllen. Allerdings sei man überall gut aufgenommen, nie von oben herab behandelt worden. „Das Highlight für mich war der 3:2-Sieg im Gerd-Müller-Stadion in Nördlingen, irgendwie schon unglaubliche Momente“, führt der Kicker-Boss aus.

Einig waren sich alle drei, dass das übergroße Verletzungspech und Corona letztlich den Niedergang bewirkt hat. „Als meine Leistungsträger-Achse zerbrach, ging’s bergab“, führt der Trainer an. Namentlich waren es die viele wochen- und monatelangen Ausfälle von Maxi Specker, Florian Kapfhammer und Andi Specker. Negativer Höhepunkt der Verletzungsmisere sei dann gewesen, als er in Folge der Personalnot den 58-jährigen Gerry Hillringhaus ins Tor stellte, um Stammtorhüter Christoph Hüttl als Feldspieler aufbieten zu können. Weitere Auswirkungen waren dann, dass immer wieder Spieler nach Verletzungen eingesetzt werden mussten, die eigentlich noch gar nicht fit waren.

Unterschiedlich nahmen die drei allerdings den Zeitpunkt wahr, zu dem klar war, dass die Landesliga nicht zu halten war. Für Forster war es das 1:0 des TV Erkheim im Relegationsrückspiel in Heilbrunn. Für Rieker hatte das 0:3 im Hinspiel im Allgäu bereits „eine gewisse Vorentscheidung“ gebracht. „Für mich war das schon klar, dass das ganz, ganz schwierig werden wird, als die Verletzungsmisere Ende Oktober 2021 so richtig eingesetzt hat“, bekundet hingegen der Coach. Allerdings ist auch er weit davon entfernt, irgendwem einen Vorwurf zu machen: „Die Burschen haben immer alles gegeben.“

Einig sind sich die drei auch, dass es in der kommenden Spielzeit in der Bezirksliga für den HSV nicht viel leichter werden wird. Außer dass Sebastian Mertens jetzt endgültig mit dem Kicken in der ersten Mannschaft aufhören will, wird sich am Kader nicht viel verändern. „Für unsere Struktur ist auch die Bezirksliga immer noch oberste Hutschnur“, erklärte Rieker. Auch sei „ohne Geld“ nicht mit namhaften Zugängen zu rechnen.

Etwas einfacher sieht Forster allerdings die Bezirksliga schon. „Da hier lediglich 16 statt 18 Mannschaften antreten, kommt das unserem engen Kader zu Gute.“ So wären etwa Sommer- und Winterpause etwas länger. „Wenn wir alle Mann an Bord haben, denke ich, dass wir in der Bezirksliga keine Probleme bekommen werden. Das dürfte für uns aktuell die richtige Liga sein.“

In dasselbe Horn stößt Trainer Lang: „Logisch und nüchtern betrachtet, hätte Heilbrunn nichts Besseres passieren können als der Abstieg, der ja letztlich nicht ganz überraschend kam. Als es dann soweit war, war das schon ein etwas bitteres Gefühl, aber das ist doch auch menschlich und normal.“

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