+
Da geht’s lang: Hansi Bachhuber senior hat über viele Jahre als Libero die Richtung vorgegeben beim SV Bad Heilbrunn – und dem HSV dabei stets die Treue gehalten.

Libero hielt dem SV Bad Heilbrunn stets die Treue

Nur der HSV - Hansi Bachhuber sagte Zweitliga-Probetraining ab

  • schließen

In der Fußball-Bundesliga jagte vor Corona ein Rekord-Transfer den nächsten. Manche Spieler beenden kaum eine Saison beim selben Club.

VON EWALD SCHEITTERER

Bad Heilbrunn – Auch in der Region üben die höherklassigen Vereine auf gute Kicker einen Reiz aus, locken manche Vereine Wandervögel mit lukrativen Angeboten. Es gibt aber auch diejenigen, die den Versuchungen des Geldes und des Erfolgs auf Dauer widerstehen, ihrem Verein ihre ganze Karriere lang treu bleiben. Wir stellen in einer Serie einige dieser „treuen Seelen“ vor und versuchen zu ergründen, was für sie den Reiz ihres Heimatclubs ausmacht. Wer nach Fußballspielern der Region, die sich durch außergewöhnliche Vereinstreue ausgezeichnet haben, sucht, kommt an Hansi Bachhuber nicht vorbei. Gemeint ist hierbei jedoch nicht Hansi Bachhuber junior, der mit seinen beiden Brüdern Stephan „Steve“ und Thomas in der jüngeren Vergangenheit ebenfalls untrennbar mit dem SV Bad Heilbrunn verbunden war. Nein, es geht um den Vater des talentierten Trios. Auch Hansi Bachhuber senior war über mehr als ein Jahrzehnt hinweg für die Kicker des Kurorts am Ball – und sagte für ein Spiel seines HSV einst sogar ein Probetraining bei einem Zweitligisten ab.

Dass Hansi Bachhuber senior ein außergewöhnlicher Fußballer war, zeigt schon seine Karrierestatistik. In insgesamt 387 Partien in der Ersten Mannschaft des SV Bad Heilbrunn erzielte er 143 Tore. Für einen Libero ein überaus respektabler Wert. So gewann er auch in den 1970er Jahren dreimal hintereinander die interne Wertung des Torschützen-Königs. Klar, dass Bachhuber seine Position als zentraler Mann der Abwehr weniger als Ausputzer interpretierte, vielmehr als kreativer Spielgestalter mit offensivem Drang.

Eine attraktive Spielweise, die ihm 1973 mit gerade einmal 19 Jahren zum Einstand bei den Senioren verhalf. Fortan war Bachhuber nicht mehr wegzudenken aus dem Team des HSV. Erst als ihn 1987 hartnäckige Beschwerden mit der Achillessehne plagten, ließ er seine Laufbahn allmählich ausklingen. Dass er mit dem Bau seines Hauses im Heilbrunner Ortsteil Mürnsee zu der Zeit reichlich beschäftigt war, tat sein übriges.

So endete also Bachhubers Laufbahn, in der er ausschließlich im Dress der Bad Heilbrunner auf Torejagd ging. Nun ja. Zumindest fast ausschließlich. Als Jugendspieler kickte der Libero nämlich für den TSV Benediktbeuern. „Weil es damals in Bad Heilbrunn noch gar keine Jugendmannschaft gab“, betont Bachhuber. Möglichkeiten für spätere Wechsel gab es in seinem Fußballerleben einige. So erhielt er über einen Bekannten aus Bundeswehr-Zeiten einst eine Einladung für ein Probetraining bei den Stuttgarter Kickers. Damals immerhin Zweitligist. Die Chance, es in den bezahlten Profibereich zu schaffen – sie war plötzlich da. Doch gab es ein Problem: Der Termin für das Probetraining kollidierte mit einer wichtigen Partie der Bad Heilbrunner. Bachhuber sagte den Stuttgarter Kickers letztlich ab. Der HSV stand für ihn stets an erster Stelle.

Ähnliches ereignete sich, als Bachhuber in die Oberbayerische Bezirksauswahl berufen wurde, wo er sein Talent überregional hätte präsentieren können. Dass er es als Kicker der damaligen A-Klasse (heutige Kreisliga) in das Aufgebot geschafft hatte, war mindestens eine kleine Sensation. Doch geriet der HSV-Libero erneut in die Bredouille. Zeitgleich stand nämlich das Spitzenspiel Heilbrunn gegen Sachsenkam auf dem Plan – und der SVS hatte die Bitte um eine Verlegung abgelehnt. „Ein paar Nächte konnte ich da nicht richtig schlafen“, erinnert sich der Ausnahmekicker – und gab schließlich erneut seinem Heimatverein den Vorzug. Kein Wunder, dass Bachhuber mit einer gehörigen Portion Wut in Sachsenkam auflief. Das zahlte sich aus: Beim 3:2-Sieg des HSV bereitete er die ersten beiden Treffer vor, das Siegtor erzielte er selbst.

Auf eine weitere Einladung zur Oberbayern-Auswahl wartete Bachhuber vergeblich. So führte er seinen HSV zwar mittels zweier Aufstiege von der C-Klasse (heutige A-Klasse) in die A-Klasse (heutige Kreisliga), kam aber nie in höheren Ligen zum Einsatz. Für ihn jedoch kein großes Problem. „Die A-Klasse war damals das beste Level in der Region“, sagt Bachhuber. Vom 1. FC Penzberg, dem 1. FC Garmisch-Partenkirchen über den TuS Geretsried bis hin zum SV Bad Tölz, dem FC Miesbach und dem TSV Wolfratshausen kamen die Gegner – und bissen sich nicht selten die Zähne an den kampfstarken Bad Heilbrunnern aus. „Wir hatten eine tolle Kameradschaft und eine super Truppe mit Robert Rieker, Hermann Forster und Tom Pföderl beisammen“, unterstreicht Bachhuber.

Dass zu dieser Zeit auch viele Nachbarvereine bei dem Libero wegen eines Wechsels anfragten, versteht sich von selbst. Doch blieb Bachhuber stets standhaft. So lehnte er etwa eine 500-Mark Offerte aus Penzberg ab. Etwas ins Grübeln geriet er lediglich bei einem überaus lukrativen Angebot aus Geretsried. Aber auch dieses ließ er letztlich verstreichen. „Ich war in Bad Heilbrunn immer zufrieden und es hat mir stets viel Spaß gemacht dort zu kicken“, sagt der heute 66-Jährige. Das wollte er nicht für ein paar hundert Mark im Monat aufgeben. So blickt er mit viel Stolz und Zufriedenheit auf seine Laufbahn beim HSV zurück. „Es war eine wunderschöne Zeit. Ich bereue nichts.“

Auch interessant

Kommentare