„Möchte für die Mannschaft alles geben“: Naomichi Kamioka (li.) bei seinem ersten Einsatz für den SV Bad Heilbrunn im Testspiel gegen den SC Pöcking-Possenhofen.
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„Möchte für die Mannschaft alles geben“: Naomichi Kamioka (li.) bei seinem ersten Einsatz für den SV Bad Heilbrunn im Testspiel gegen den SC Pöcking-Possenhofen.

Neuzugang im Interview

SV Bad Heilbrunn überzeugt Kamioka: „Einfach beeindruckt“ - Ex-FCA-Coach feiert Debüt

  • Nick Scheder
    VonNick Scheder
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Naomichi Kamioka war Spielerberater und Trainer beim FC Augsburg. Jetzt steht er für den SV Bad Heilbrunn auf dem Platz - obwohl er weit weg wohnt.

Bad Heilbrunn – Er ist vermutlich der erste Japaner im Heilbrunner Dress. Doch der 25-jährige Naomichi Kamioka, der seit sechs Jahren in Bernbeuren wohnt, scheint gut angekommen zu sein: Zum Einstand wurde er von allen freudig begrüßt, abgeklatscht, und der Neuzugang stellte der Mannschaft ein Tragl BIer in die Kabine. Der Außenverteidiger, der in einem Supermarkt-Imbiss Sushi verkauft und früher schon als Spielerberater tätig war, spricht über seine Ambitionen auf dem Platz, warum er nach Heilbrunn gekommen ist und dort bleiben will.

Herr Kamioka, Borussia Dortmund hat Kagawa, Heilbrunn nun Kamioka: Müssen sich die Gegner warm anziehen?
(lacht) Naja, ich spiele ja noch nicht Bundesliga. Und es stimmt: Viele Japaner haben den Traum, nach Deutschland zu gehen und in der Bundesliga zu spielen. Das habe ich selbst erlebt, als ich als Spielerberater tätig war.
Sind Sie auch mit diesem Ziel nach Deutschland gekommen?
Ich wollte 2015 auf jeden Fall ins Fußball-Geschäft. Ich war Trainer beim FC Augsburg. War dann aber Spielerberater bei einer japanischen Firma, die Spieler bei ihrem Wunsch nach einer Profi-Karriere unterstützt hat. Das war interessant, aber nicht so erfüllend, dass ich das ewig weitermachen wollte. Ich habe mir gesagt, das kann ich auch später noch machen. Ich wollte lieber noch selbst ein paar Jahre beim Fußball sein.
Und zwar in Heilbrunn – obwohl Sie da zweimal die Woche 65 km zum Training fahren und am Wochenende zu den Spielen?
Ja, das war die beste Option und die beste Entscheidung. Ich war bei der SpVgg Kaufbeuren in der Landesliga-Mannschaft, konnte da aber wegen einer Knieverletzung in der Vorsaison nicht spielen, und dann kam Corona. Jetzt ist Kaufbeuren abgestiegen, und ich wollte unbedingt in der Landesliga bleiben, da kamen nur Mannschaften wie Kempten oder Sonthofen in Frage. Aber die sind noch weiter weg.
Aber warum Heilbrunn – da bekommen sie nicht einmal Geld?
Stimmt. Bin ich aber auch nicht drauf angewiesen. Ich arbeite in einem Supermarkt-Imbiss in Eching am Ammersee und verkaufe Sushi. Das läuft gut. Außerdem kann ich vielleicht künftig als Jugend-Trainer beim HSV arbeiten und da etwas dazuverdienen. Ich war einfach beeindruckt von Heilbrunn. Als wir mit Kaufbeuren dort gespielt haben – ich war da als Assistenz-Trainer dabei, weil ich nicht spielen konnte – hatte ich ein sehr gutes Gefühl von der Mannschaft. Ich habe dann nachgelesen, und gesehen, dass sie jede Saison aufgestiegen sind. Jetzt bin ich sehr froh, dass es geklappt hat.
Am Samstag gegen Pöcking sind Sie zum ersten Mal für Heilbrunn aufgelaufen – Ihr Eindruck?
Die sind super nett alle, als ich zum ersten Mal ins Training gekommen bin, haben mich alle abgeklatscht, und ich habe nach dem Training ein Tragl Bier in die Kabine gestellt, obwohl ich gar kein Alkohol trinke...
...vielleicht kommt das jetzt noch als Teil der Heilbrunner Mannschaft?
(lacht) ja, vielleicht. Schauen wir mal.
Sind Sie beim Spiel zurecht gekommen?
Ja, ich habe alles versucht und viel Vertrauen gespürt. Meine Position war noch nicht ganz klar. Die Trainer wollten mich auch auf den Flügeln testen. Ich sehe mich aber in der Landesliga eher defensiv als Außenverteidiger.
Sie sind mit der Nummer 6 aufgelaufen, eine große Nummer in Heilbrunn ...
Ja, das habe ich vor dem Spiel auch erfahren, Das war die Nummer vom Kapitän und Abwehrchef Sebastian Mertens (Karriere beendet, d. Red.). Der Trainer Walter Lang hat vor dem Spiel gesagt: ,Ab jetzt hast du diese Nummer‘. Das hat mich total gefreut. Jetzt freue ich mich auf den Saisonstart und werde für die Mannschaft alles geben.
Sie sind nicht ganz neu im Geschäft. Wo haben sie früher Fußball gespielt?
In Japan habe ich natürlich gespielt. Und als ich nach Deutschland kam, habe ich in Augsburg in der Kreisklasse angefangen. Wir sind dann in die Kreisliga und später in die Bezirksoberliga aufgestiegen. Kurz vor der Corona-Pause habe ich noch für Viktoria Augsburg Bezirksliga gespielt.
Und jetzt vielleicht doch noch auf Kagawas Spuren – wenn Heilbrunn weiter jede Saison aufsteigt?!?
(lacht) Ja, das wäre was! Auf jeden Fall möchte ich noch ein paar Jahre Fußball spielen.

Das Gespräch führte Nick Scheder.

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