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SV Bad Tölz: Abstiegskampf statt Spitzenreiter - Hüseyin Kocyigit wechselt vom SC zum Rivalen

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Von: Wolfgang Stauner

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Das Dress des SC Rot-Weiß hat Abwehrspezialist Hüseyin Kocyigit (re.) – hier im Zweikampf mit BCF II-Stürmer Fabio Ratte (Mi.) – inzwischen ausgezogen. Ab dem Frühjahr spielt er auf der Flinthöhe in Gelb-Schwarz.
Das Dress des SC Rot-Weiß hat Abwehrspezialist Hüseyin Kocyigit (re.) – hier im Zweikampf mit BCF II-Stürmer Fabio Ratte (Mi.) – inzwischen ausgezogen. Ab dem Frühjahr spielt er auf der Flinthöhe in Gelb-Schwarz. © Rudi Stallein/A

Der SV Bad Tölz vermeldet im Abstiegskampf der Kreisklasse 2 mit Hüseyin Kocyigit den Transfer des Abwehrspezialisten zur Stabilisierung der Defensive.

Bad Tölz – Fußball hat Hüseyin Kocyigit schon immer fasziniert. Doch mit dem Kicken fing er gleichwohl erst bei den C-Junioren an – beim SC Rot-Weiß Bad Tölz. Nur während der Ausbildung machte er eine Pause. „Aber seit den A-Junioren bin ich immer dabei“, berichtet der 25-jährige Tölzer. Meist zählte er zum Stammpersonal der Rot-Weißen, und natürlich feierte er 2019 den Aufstieg in die Kreisklasse als den größten Erfolg in der jüngeren Vereinsgeschichte kräftig mit.

Auch heuer läuft es bestens für den Traditionsverein aus der Kohlstatt. Die Elf von Trainer Tarkan Demir steht unangefochten auf Platz eins in der Kreisklasse 2; mit unglaublichen 52 Toren in 16 Begegnungen und nur 14 Gegentreffern. Allerdings hat Verteidiger Kocyigit an der Errichtung des Bollwerks nur einen minimalen Anteil. Auf lediglich 145 Einsatzminuten kommt der Linksfuß. Nach zwei Spieltagen musste Kocyigit wergen einer hartnäckigen Atemwegserkrankung mehrere Wochen pausieren. Als er wieder fit war, hatte Trainer Demir den Rechtsfuß Thankgod Asoegwu auf die linke Verteidigerposition gestellt. Das System funktionierte prima – obendrein schoss der Nigerianer in 13 Spielen 7 Tore. „Thankgod macht seine Sache super“, räumt Kocyigit ein. „Wer schießt schon als Verteidiger so viele Tore? Da bin ich halt nicht mehr reingekommen.“ Trainer Demir ist klar, „dass Hüseyin mehr Spielzeit möchte. Aber vom Leistungsniveau her ist er halt nur ein Ergänzungsspieler. Da habe ich einfach den Luxus eines großen und starken Kaders.“

SC Rot-Weiß Bad Tölz: Thankgod Asoegwu verdrängte Kocyigit - und netzte als Defensivmann sieben Mal

Mit der Rolle des Reservisten wollte sich Kocyigit gleichwohl nicht abfinden. Was lag also näher, als beim Lokalrivalen anzuklopfen. „Bei den SV-Spielen habe ich ohnehin regelmäßig vorbeigeschaut.“ Auch Cousin Fatih Kocyigit hatte vor einigen Jahren beim SV Bad Tölz gekickt. Die zwei Probetrainings, die Hüseyin auf der Flinthöhe absolvierte, verliefen für beide Seiten zur vollen Zufriedenheit. „Da war viel Zug drin und Disziplin“, meint Kocyigit, „das hat mich auf Anhieb überzeugt.“ Die Flinthöhe kennt Kocyigit ohnehin aus dem Eff-Eff: In der Nachbarschaft zum SV-Platz arbeitet der 25-Jährige nämlich als stellvertretender Filialleiter in einem Supermarkt.

„Diese Initiativbewerbung hat mich gefreut und voll überzeugt“, erwidert SV-Trainer Daniel Heidemann das Interesse an seinem Club und an seiner Arbeit. Heidemann freut vor allen Dingen, dass „wir Kocyigit unabhängig von unserem Tabellenplatz begeistern konnten“. Der ist nämlich das krasse Kontrastprogramm zum Spitzenreiter SC Rot-Weiß: Platz elf, und nur einen Punkt von der Abstiegsrelegation entfernt. Beim Blick in die Statistik ist die SV-Problematik schnell entlarvt: 38 Gegentore in 16 Spielen – der zweitschlechteste Wert der Liga. „Gerade in der Abwehr tut uns ein Spieler wie Hüseyin extrem gut“, stellt Heidemann klar, „er gibt uns definitiv mehr Stabilität.“ Und macht das SV-Spiel obendrein variabler. „Mir fallen auf Anhieb fünf Varianten ein, mit denen wir mit unserem neuen Linksfuß spielen können.“

SV Bad Tölz: Kocyigit will im kommenden Jahr im Kampf um die Klasse mithelfen

In Summe ist der SV-Trainer mit dem bisher Erreichten nicht rundum zufrieden: „Wir hatten im Sommer viele Abgänge, und auch in der Findungsphase immer wieder Ausfälle. Ich würde gerne mal fünf, sechs Wochen ohne Verletzte trainieren und durchspielen.“ Das wird wohl ab Februar möglich sein. Zum ersten Spiel nach der Winterpause empfangen die SV-Kicker just den akut abstiegsgefährdeten SV Eurasburg-Beuerberg. Hüseyin Kocyigit wird alles in die Waagschale werfen, um bis dahin einen Stammplatz erobert zu haben. „Und dann“, so Kocyigit, „werden wir den Klassenerhalt sicher schaffen.“ (Wolfgang Stauner)

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