SV Bad Heilbrunn geht mit Spieler-Trio in der virtuellen Bayernliga an den Start.
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SV Bad Heilbrunn geht mit Spieler-Trio in der virtuellen Bayernliga an den Start.

Dem Meister winken 1000 Euro Preisgeld

SV Bad Heilbrunn schlägt sich wacker, in der eSports Bayernliga

  • Nick Scheder
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SV Bad Heilbrunn schlägt sich wacker, in der eSports Bayernliga. Zur Saisonhälfte steht der HSV auf Rang zwölf der Spielklasse. Dem Meister winken 1000 Euro Preisgeld.

Bad Heilbrunn – Mikael Ishak tankt sich durch den Strafraum. Legt sich den Ball auf den linken Fuß – eigentlich der schwächere. Doch sein Abschluss schlägt knallhart und punktgenau im rechten Winkel ein. Die Szene passiert wirklich, allerdings nur am Bildschirm: Der Stürmer des Zweitligisten 1. FC Nürnberg wird per Konsole gesteuert von Christoph Hüttl. Er ist einer von drei Spielern des Fußball-Landesligisten SV Bad Heilbrunn, die sich derzeit virtuell in der Fußball-Simulation FIFA 20 in einer neu gegründeten Bayernliga Süd mit anderen Vereinen messen. Für den HSV teilen sich neben Torhüter Hüttl noch Offensivmann Benedikt Specker und Innenverteidiger Florian Kapfhammer die Controller. Die drei liegen zur Saisonhälfte auf Rang zwölf der Spielklasse. „Das bringt Spaß, ist aber jetzt auch kein echter Ersatz für den wirklichen Fußball“, sagt Hüttl, der die Anmeldung des Heilbrunner E-Sport-Teams forcierte.

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hat die E-Sport-Liga vor gut acht Wochen ins Leben gerufen. 18 Mannschaften durften sich für den Anfang anmelden, mitmachen konnte jeder – nach dem Motto: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Hüttl, Specker und Kapfhammer, die sich schon vorher zum FIFA-Zocken getroffen hatten, gehörten dazu. „Und wir schlagen uns ganz gut“, sagt Hüttl, der erfahrenste der Heilbrunner E-Sportler. „Gegen die Teams an der Tabellenspitze haben wir uns schon ganz gut verkauft.“

Gespielt wird das Konsolen-Spiel FIFA 20, an jedem Spieltag, in der Regel Sonntag um 19 Uhr, treten zwei Spieler zweier Mannschaften in zwei Partien gegeneinander an. „Wir wechseln uns immer ab“, sagt Hüttl. Ein Spiel dauert zweimal sechs Minuten, beide Ergebnisse kommen addiert in die Wertung. Zwei Siege oder ein Sieg und ein Unentschieden reichen zu drei Punkten. Bei Sieg und Niederlage zählt das Torverhältnis, zwei Remis sind ein Unentschieden und damit ein Punkt für jedes Team.

Die Heilbrunner treten mit dem 1.FC Nürnberg in der eSports Liga an

Zur Auswahl bei FIFA 20 stehen bayerische Fußball-Teams von der 1. bis zur 3. Liga. Die Heilbrunner haben sich für den Club aus Franken entschieden, nachdem Strategie-Fuchs Hüttl die Spezialwerte der Spieler verglichen hat. Zwar haben die virtuellen Spieler im vorgegebenen Modus alle die gleiche Spielstärke, nämlich 85. „Aber es gibt bei jedem Spieler noch ein paar spezielle Eigenschaften, und da stehen die Clubberer gut da.“

„Was man so hört, hat Tabellenführer Garching zwei E-Sportler für die Liga eingekauft“

Das Niveau in der Bayernliga Süd ist durchaus hoch. „Da sind keine Krücken dabei“, sagt Hüttl. „Was man so hört, hat Tabellenführer Garching sogar zwei E-Sportler extra für die Liga eingekauft.“ Ansonsten treten meist wirkliche Fußballer in der virtuellen Liga gegeneinander an. Die 18 Mannschaften der Bayernliga Süd waren schnell beisammen. Auf- und Abstieg gibt es (noch) nicht. „Aber ich denke, das kommt, wenn es mehr Ligen gibt.“ Das Interesse ist groß. Dem Meister winken 1000 Euro Preisgeld. „Wir nehmen die Sache schon ernst“, sagt Hüttl, für den der E-Sport durchaus Wettkampfcharakter hat. „Es basiert auf dem Leistungsprinzip, man muss sich reinhängen, muss vom Kopf her voll präsent sein, aber körperlicher Sport ist es nicht.“ Auf die Wettkämpfe an jedem Spieltag freuen sich die drei trotzdem. „Es ist auch etwas Besonderes, dass man gegen andere Vereine spielt“, sagt Hüttl. Zuletzt vor Ostern gab es einen Doppelspieltag. Heilbrunn verlor allerdings beide Spiele. 6:10 gegen die DJK Schwabhausen/Lech, 2:11 gegen den TSV Königsbrunn. Hüttl: „Die waren schon richtig gut, es ist aber auch oft knapp.“

„Jeder spielt für sich, über Headsets bleiben wir in Kontakt, es macht trotzdem noch Spaß“

In Vor-Corona-Zeiten trafen sich die Drei und bestritten gemeinsam die Liga-Spiele. Ein spezielles Training – Bundesliga-E-Sportler zocken drei bis fünf Stunden am Tag – machen die Heilbrunner nicht. „Aber man muss schon dabei bleiben“, stellt Hüttl klar. „Wir spielen uns vor dem Wettkampf zumindest kurz warm, sozusagen.“ Allerdings mittlerweile alleine vor dem Bildschirm, die Drei treffen sich wegen des Kontaktverbots am Spieltag nicht mehr. „Jeder spielt für sich, über Headsets bleiben wir in Kontakt, es macht trotzdem noch Spaß.“ Irgendwann sind die Corona-Krise und die Ausgangsbeschränkung vorbei, hofft Hüttl. Dann soll aber auch nicht mehr nur Ishak für Heilbrunn Tore schießen. Sondern Specker, und Hüttl und Kapfhammer wollen wieder auf dem Platz gegnerische Treffer verhindern.

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