Weiß sich zu wehren: Stefan Vötter gilt in der Vierer-Abwehrkette des Bayernligisten 1865 Dachau nicht nur wegen seiner körperlichen Robustheit als feste Größe.
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Weiß sich zu wehren: Stefan Vötter gilt in der Vierer-Abwehrkette des Bayernligisten 1865 Dachau nicht nur wegen seiner körperlichen Robustheit als feste Größe.

Verteidiger des TSV 1865 Dachau im Interview

Vötter: „Elf-Freunde-Mentalität fehlt oft“ - großer Förderer Alexander Schmidt

  • vonRobert Ohl
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Stefan Vötter vom Bayernligisten TSv 1865 Dachau spricht im Interview über seine bisherige Laufbahn, die Corona-Situation und seine Zukunftspläne.

Dachau – Lockdown, vorgezogene Winterpause – man hat es momentan nicht leicht als Fußballer. Die Heimatzeitung nutzt die Gelegenheit, in Zeiten der Corona-Pandemie Amateurkicker aus dem Dachauer Einzugsgebiet zu befragen. Wie kommen sie mit der Situation zurecht, und was erwarten sie sich von der Zukunft?

Stefan Vötter (30) spielt in der Viererkette hinten links beim Bayernligisten TSV 1865 Dachau. Im Verlauf seiner Karriere kickte der Hebertshausener u.a. beim FC Pipinsried (Landesliga), FC Affing (Landesliga) und beim 65-Stadtrivalen ASV Dachau (Landesliga, BOL und Bezirksliga).

Stefan, wie bist Du vom ASV zum TSV 1865 gekommen? Innerhalb der Stadt Dachau von einem Klub zum anderen zu wechseln ist doch nicht unproblematisch, gab es viel Kritik für diese Entscheidung?

Stefan Vötter: Das ist eine längere Geschichte, sie hängt ganz eng mit Marcel Richter zusammen. Zu ihm hatte ich immer Kontakt, er war es auch, der mich in den Herrenfußball gebracht hat, als er mich einst von der U 19 der SpVgg Unterhaching zum FC Pipinsried lotste. Hinzu kam, dass ich zu der Zeit große Knieprobleme hatte – und so ging ich mit 17 Jahren zum FCP. Später, nach sieben Jahren beim ASV, wo ich eine feste Größe war, reifte die Entscheidung, noch einmal etwas Neues zu wagen. Nach dem tragischen Tod von Herbert Reischl war beim ASV vieles nicht mehr so, wie ich es kannte. Den endgültigen Ausschlag gab dann der Trainerwechsel von Frank Peuker zu Steven Zepeda. Da kam der Anruf von Marcel Richter genau richtig – und sportlich wollte ich es eben auch noch einmal höherklassig versuchen. Es war nicht einfach, den vielen traurigen Kollegen beim ASV meinen Entschluss, zum Stadtrivalen zu wechseln, plausibel zu machen.

Du hast bereits bei zwei Top-Vereinen der Region (FC Pipinsried, ASV Dachau) gespielt, bei einem dritten, dem TSV 1865 Dachau, bist du im Moment aktiv. Wie unterscheiden sich diese Klubs?

Beim ASV spielte ich mit Freunden, die auch außerhalb des Platzes eng miteinander verbunden waren und teilweise noch sind. Dies war beim FC Pipinsried nicht so. Hier gab es keine Elf-Freunde-Mentalität, es waren rein sportliche Gründe, dort zu spielen. Ähnlich ist es beim TSV 1865 Dachau, aber auch hier habe ich mittlerweile gute Freunde gefunden. Das ist aber allgemein der Trend, in vielen Klubs gibt es diese Elf-Freunde-Mentalität nicht mehr.

Wo hast Du begonnen, Fußball zu spielen? Wäre der Sprung in den Profi-Fußball möglich gewesen?

Angefangen habe ich bei der SpVgg Hebertshausen, da bin mit fünf Jahren mit meinem zwei Jahre älteren Bruder einfach mitgegangen. Das war in einer so fußballbegeisterten Familie wie meiner ganz normal. So spielte ich bei der U 9, der U 11 und half als jüngerer Kicker schon bei der U 13 aus. Bei einem Merkur Cup-Finale bin ich dann vom TSV 1860 München gescoutet worden; nach einem Probetraining wechselte ich zu den Löwen in die U 12 – und blieb dort bis zur U 16. Die U 17 und U 19 verbrachte ich dann bei der SpVgg Unterhaching. Eine Profikarriere wäre wahrscheinlich nicht möglich gewesen, da ich von Geburt an eine Kniescheiben-Fehlstellung habe.

Was macht Stefan Vötter beruflich?

Ich bin gelernter Industriekaufmann und habe den staatlich geprüften Betriebswirt nachgeholt. Nun bin ich seit 2016 bei der BayWa. Dort bin ich Teamleiter im Fleet Management.

Was bedeutet Deiner Meinung nach die jetzige Corona-Situation für die Gesellschaft und den Fußball im speziellen?

Das ist für den Fußball und die Gesellschaft eine schwierige Situation. Es gehen die sozialen Kontakte ab, man vermisst es, sich mal wieder auf dem Platz auszupowern. Auch das Treffen mit Freunden, um einfach mal zu quatschen, fehlt einfach. Aber wir alle müssen diese Situation annehmen und das Beste daraus machen.

Aktuell spielst Du den linken Flügelmann in der Viererkette. Ist das die Position, die Dir am besten liegt?

Ja das ist meine Position. So wurde ich beim TSV 1860 München vom Stürmer zum linken Verteidiger umgeschult und ausgebildet. Die Position kenne ich im Schlaf. Hier kann ich meine Fähigkeiten wie eben meinen linken Fuß, Dynamik und Laufstärke voll ausspielen.

Wie hat sich das Spiel im Defensivbereich in den letzten Jahren aus Deiner Sicht verändert?

Es ist alles schneller geworden – und taktisch geprägter. In der Bayernliga musst du eben Dreierkette, Viererkette oder Fünferkette spielen können. Man muss flexibel sein und die Laufwege kennen. Dazu kommt auch die Disziplin, um alle Laufwege zu 100 Prozent zu schaffen.

Wie siehst Du die Entwicklung Deiner Mannschaft aktuell?

Diese Saison ist für den TSV 1865 eine Berg-und-Talfahrt. Wir haben gut begonnen und sind dann in ein großes Loch gefallen, aus dem wir nicht mehr rauskamen. Wir haben Qualität in der Mannschaft, aber die nutzt dir nichts, wenn du es nicht auf den Rasen bringst und immer mal wieder knapp verlierst. Wir müssen denke ich, unser Spiel umstellen. Und damit meine ich, dass jeder einzelne sich der Lage bewusst werden sollte, in der wir stecken. Das Spiel geht nicht immer nur nach vorne, das Spiel in der Defensive gegen den Ball muss eindeutig besser werden. Hier fehlt uns die Kompaktheit im Team.

Wohin geht die Reise mit Deinem Team im letzten Drittel der Saison?

Ganz klar nach oben, das muss unser Ziel sein. Wir müssen alles daran setzen, einen gesicherten Mittelfeldplatz zu holen. Wir haben viele Spiele verloren, die wir nicht verlieren mussten. Aber wir haben auch einen Umbruch im Team. Viele Spieler gingen und neue kamen dazu, aber die müssen auch von uns in das Spiel integriert werden.

Wer hat Dich als Trainer am meisten beeinflusst oder gefördert?

Das war Alexander Schmidt, der jetzige Türk-Gücü-München-Trainer in der Dritten Liga. Er hat mich in der U 16 beim TSV 1860 München geformt, gefördert und dazu noch als Lehrer im Sportgymnasium unterrichtet. Da habe ich viel mitgenommen, es hat meine Entwicklung entscheidend beeinflusst. Bei der SpVgg Hebertshausen waren es Opa Manfred Schöbel, der leider im vergangenen Jahr viel zu früh verstorben ist, und mein Vater Hans Vötter. Die haben mir die Lust auf Fußball gegeben.

Was sind Deine Zukunftspläne, willst du es noch einmal höherklassig versuchen oder irgendwann als Trainer einsteigen? Wenn ja, hast du auch vor, DFB- oder BFV-Trainerlizenzen zu erwerben?

Mit 30 Jahren bin ich so fit wie noch nie. Deshalb will ich so lange spielen, wie es geht. Ich habe noch einen Vertag beim TSV 1865 Dachau bis 2022, ich kann mir vorstellen, noch einige Jahre auf dem Niveau zu spielen. Okay, dazu muss der Körper mitspielen und auch die private Situation muss stimmen. Irgendwann kann ich mir auch vorstellen, im Landkreis als Spielertrainer zu arbeiten, es vielleicht mit den Kumpels ausklingen zu lassen. Aber schauen wir mal, was so kommt. Im Moment steht das Trainerthema nicht auf meiner Agenda, das gilt auch für das Thema Trainerlizenzen.

Das Gespräch mit Stefan Vötter führte unser Mitarbeiter Robert Ohl.

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