+
Dr. Reinhard Höß hat sich so seine Gedanken in Sachen Saisonrettung gemacht. 

Fußball

„Saison könnte man durchaus noch zu Ende spielen“

  • vonBruno Haelke
    schließen

Mit dem Beschluss der Deutschen Fußball-Liga (DFL), die Saison unter gewissen Voraussetzungen mit Geisterspielen fortzusetzen, haben natürlich auch die Hoffnungen der Amateurvereine auf eine Rettung der laufenden Saison neue Nahrung erhalten. Die Klubs sind von der Coronakrise genauso betroffen wie die Profivereine, natürlich alles ein paar Nummern kleiner.

Pipinsried - Der Begriff Fair-Play ist in Zeiten der Coronakrise in aller Munde, nur was ist gerecht in der heutigen Zeit?

So hat der belgische Fußballverband jüngst entschieden, dass die Saison 2019/2020 im Amateurbereich vorbei ist, dass die momentanen Tabellenführer als Meister aufsteigen und es keine Absteiger gibt. Eine Lösung, die auch in Deutschland vorstellbar ist.

Genau in diese Kerbe schlägt auch Dr. Reinhard Höß, einer der Gesellschafter der FC Pipinsried Fußball GmbH. Der Rechtsanwalt erlangte bundesweite Bekanntschaft, als er 2004 den bereits aus der damaligen Landesliga abgestiegenen FC Pipinsried am grünen Tisch auf Grund eines Formfehlers des BFV wieder zurück in die Liga brachte. Dr Reinhard Höß ist der Sohn des ehemaligen Vereinsvorsitzenden Konrad Höß, der 59-jährige ist Rechtsanwalt und Partner bei Graf von Westphalen Rechtsanwälte in München.

Sie haben an anderer Stelle erläutert, dass die Tabelle, auch wenn die Saison abgebrochen werden würde, gewertet werden müsste. Insbesondere sollten die Tabellenersten das Aufstiegsrecht erhalten. Wie begründen Sie diese Gedankengänge?

Dr. Reinhard Höß: Wie ich damals aufgeführt habe, kommt es darauf an, dass die Tabellensituation eine erworbene Situation darstellt. Wer für eine Annullierung der Saison ist, möchte diese Position dem Verein entziehen, weil er meint, eine Fiktion sei gerechter als meine Idee. Die Fiktion besteht darin, dass eine Saison wiederholt werden kann. Das kann sie nicht. Es würden andere Mannschaften spielen, die Saison ist nicht wiederholbar. Daher wäre dies äußerst ungerecht. Meine Auffassung ist die am wenigsten ungerechte.

Was glauben Sie, was wird der BFV entscheiden?

Höß: Erwartungen habe ich keine. Ich hoffe aber, dass der BFV meinen Überlegungen folgt oder anderen Überlegungen, die zum gleichen Ergebnis führen. Der BFV hat einen Präsidenten, der die Regionalliga Bayern als sein „Baby“ ansieht und der weiß, wovon er spricht. Er liebt den Sport, den er vertritt. Da kenne ich auch andere Präsidenten, von denen man das nicht sagen könnte. Daher ist dem BFV auch bekannt, dass jeder solide geführte Verein vor der Saison einen Plan entwickelt, was sein Ziel ist. Ausgehend vom Plan wird geprüft, ob die Mittel, die vorhanden sind, ausreichen um den Plan umzusetzen. Je nachdem sind die Mittel zu erhöhen oder nicht. Wenn der Plan dann deswegen nicht erfolgreich umgesetzt werden kann, weil höhere Gewalt rund zehn Spieltage vor Schluss dies verhindert, weil der Verband einer Fiktion folgt und nicht die am wenigsten ungerechte Lösung umsetzt, ist der Verein gezwungen, dies mit allen rechtlichen Mitteln zu verhindern. Tut er das nicht, fühlt sich auch jeder größere Sponsor für dumm verkauft. Es muss daher die aktuelle Tabelle gewertet werden. Das macht z.B. auch der belgische Fußballverband, der englische ebenfalls, ebenfalls für die dritte bis sechste Liga und wenn man sich so umhört, macht das auch der bayerische Volleyballverband der bayerische Basketballverband und auch der bayerische Handballverband. Dies gilt zumindest insoweit dass der Erstplatzierte aufsteigt.

Könnte man die Saison
zu Ende spielen?

Höß: Ich habe mir das einmal grob angeschaut. Der Mai ist voller Feiertage. Es gibt Pfingsten. Pfingsten war bislang immer spielfrei. Das Pfingstwochenende gibt aber alleine schon zwei Spieltage her. Würde man zum Beispiel am 20. Mai 2020 starten, käme man zum 30. Juni 2020 ins Ziel. Warum soll das nicht gehen? Wenn man am 1. Juni 2020 starten würde wäre am 10. Juli 2020. Das geht auch ohne Probleme.
Selbst wenn man Ende Juni starten würde, würde es noch problemlos gehen. Man könnte dann unter anderem im Dezember länger spielen. Der letzte Monat des Jahres wird regelmäßig nicht terminiert, obwohl das Wetter meist noch gut ist. Man könnte dann im Frühjahr auch etwas früher beginnen.
Es gibt also keine Notwendigkeit, die Restsaison 2019/2020 abzusagen und zu annullieren. Wenn man aber die Saison abbricht, muss die am wenigsten ungerechte Lösung umgesetzt werden. Das gilt für alle, die betroffen sind. Das gilt in dieser Saison umso mehr für den FC Pipinsried, der derzeit 21 Punkte vor dem Tabellenzweiten steht. Es wäre ausgesprochen ungerecht, die Erstplatzierten nicht aufsteigen zu lassen.

Das Gespräch mit Dr. Reinhard Höß führte unser Mitarbeiter Bruno Haelke.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

ASV Dachau U14: Umstrittener Elfmeter leitet Klatsche gegen Wacker München ein
ASV Dachau U14: Umstrittener Elfmeter leitet Klatsche gegen Wacker München ein
TSV 1865 Dachau: U17 siegt und hat noch „viel Arbeit“ vor sich
TSV 1865 Dachau: U17 siegt und hat noch „viel Arbeit“ vor sich
Robin Volland: Auf der Überholspur im Schatten des Promi-Bruders Kevin
Robin Volland: Auf der Überholspur im Schatten des Promi-Bruders Kevin
TSV Schwabhausen: Knappe Niederlage gegen Meisterschaftsfavorit Kirchheim
TSV Schwabhausen: Knappe Niederlage gegen Meisterschaftsfavorit Kirchheim

Kommentare