Der Elfmeter: BCA-Ersatztormann Noris Höflmair legt sich auf Serge Yohouas Füße.
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Der Elfmeter: BCA-Ersatztormann Noris Höflmair legt sich auf Serge Yohouas Füße.

Dramatisches Derby

In einem dramatischen Derby hat der FC Pipinsried einen 0:1-Rückstand beim BC Aichach noch in einen 2:1-Sieg umgewandelt. Ein schier unglaubliches Comeback nach den Enttäuschungen der letzten Wochen. BCA-Coach Marco Küntzel haderte mit dem Referee, Michael Holzhammer erzielte beide Tore für den FCP.

Die Schlüsselszene der Partie spielte sich in der 57. Minute ab: Michael Holzhammer sprintet einen langem Ball Richtung BCA-Strafraum hinterher. Der Aichacher Keeper Michael Lutz stürzt dem Pipinsrieder entgegen; mit beiden Beinen voraus säbelt er Holzhammer vor dem Strafraum um. Im Aufstehen nimmt der Keeper das Leder mit dem rechten Unterarm mit und spielt es ins Tor-Aus.

Schiedsrichter Wolfgang Haslberger, 20 Meter dahinter und mit bester Sicht, ließ weiterlaufen. Doch sein Assistent Yildiz Muharrem wedelte heftig mit der Fahne. Große Aufregung auf beiden Seiten, während die „Men in Black“ beraten. Dann greift Haslberger in die Gesäßtasche und zückt die rote Karte für den Tormann. Ob für ein Foul als letzter Mann – was möglich gewesen wäre – oder für das Handspiel, blieb erst einmal zweifelhaft. Hinterher klärte sich auf: Die Unparteiischen kreideten Lutz die Aktion mit dem Unterarm an.

Aichachs Trainer Marco Küntzel und sein Chef Volker Weingartner argumentierten nach dem Schlusspfiff, dass es sich um einen Pressschlag gehandelt hätte. Doch das ist eindeutig falsch, wie Fotos der Szene belegen. Dennoch: Es war eine sehr harte Entscheidung des Schiedsrichter-Gespanns.

Die Folge: Die Hausherren waren völlig von der Rolle. Es half auch nichts, dass Küntzel von einer Dreier- auf eine Viererkette umstellte. Pipinsried hatte das Momentum. Holzhammer verwandelte einen berechtigten Elfmeter (64.) und erzielte schließlich den euphorisch gefeierten Siegtreffer (82.). Nach dem Schlusspfiff feierten die Gelb-Blauen den Erfolg wie eine kleine Meisterschaft: Der wieder einmal überragende Tobias Antoni gab den Einpeitscher, die Jungs tanzten um in herum wie nach dem Landesliga-Titelgewinn in Raisting.

Nichts, aber auch gar nichts hatte auf diesen Ausgang des Matches nach den ersten 45 Minuten hingedeutet. Der FCP war defensiv in die Partie gegangen, zu defensiv. Die Gelb-Blauen warteten an der Mittellinie und beschränkten sich aufs Verteidigen. Wagten sie sich doch einmal in die Aichacher Hälfte, wurde es gefährlich – für Pipinsried, wohlgemerkt. Denn die Küntzel-Truppe eroberte fast umgehend den Ball; nicht zuletzt, weil sie im Mittelfeld dank der Dreier-Abwehr einen Mann mehr zur Verfügung hatten.

Und dann ging es über Mitterhuber, Rabihic und die brandgefährlichen Spitzen Doll und Kinzel ruckzuck nach vorne. Zudem sorgte Mitterhuber immer wieder durch Ecken und Freistöße für Wirbel im Pipinsrieder Strafraum.

Der 1:0-Halbzeit-Stand für den BCA war mehr als verdient, der FCP konnte glücklich sein, dass nichts Schlimmeres passiert war. Die Wende kam mit der Einwechslung von Offensivmann Serge Yohoua für den Defensivspezialisten Max Zischler (48.).

Die Strobl-Mannen schoben nun 20 Meter weiter vorne drauf, der Ivorer sorgte in jeder Beziehung für Unruhe in den Aichacher Reihen. Die Paarstädter verloren ihre Linie und einige Spieler – wie Andreas Brysch – ihre Nerven. Die Szene, die zum Platzverweis führte, war dafür ein Beleg: Der Pass durch die Mitte auf Holzhammer führte an Brysch vorbei. „Das Zuspiel hätte wohl verhindert werden können“, räumte Küntzel hinterher ein. Doch der Mecklenburger wollte seine Mannen nicht tadeln, er lud alle Schuld auf das Schiedsrichtertrio ab: „Die brauchen sich nie wieder in Aichach blicken zu lassen!“

Über welche Fertigkeiten die Edeltruppe von Präsident Weingartner verfügt, konnten die 550 Zuschauer – darunter vermutlich 350 FCP-Fans – in der Schlussphase bewundern. Sebastian Kinzel zauberte zwei Freistöße aus halblinker Position und 20 Metern Entfernung an der Fünf-Mann-Mauer vorbei: Das erste Mal angelte Antoni das Leder rechts unten heraus (87.), beim zweiten Versuch verfehlte Kinzel nur knapp das linke obere Tordreieck (88.).

Einige Minuten zuvor hatten die Weiß-Blauen zudem einen Strafstoß gefordert, als der Pipinsrieder Tormann Kopf und Kragen vor dem durchgebrochenen Michael Guggumos retten musste (75.).

Strobl war nach dem Abpfiff regelrecht blass um die Nase und sehr erleichtert: „Ich bin unglaublich glücklich, dass wir hier einen Erfolg erringen konnten. Eine weitere Niederlage hätte uns das Leben ziemlich schwer gemacht.“

In der ersten Halbzeit hätten seine Truppe und er „die Hosen voll“ gehabt, gab der 25-Jährige zu, „doch nach dem Seitenwechsel haben wir das Heft in die Hand genommen. Der Ausgleich war gerecht, der Sieg ein bisschen glücklich.“

Strobls Chef Konrad Höß weilte am Samstag nicht vor Ort, der Aufregung wegen. Aber auch über das Telefon konnte man ihm die Freude anmerken, ausgerechnet in Aichach triumphiert zu haben: „Hut ab vor Tobias Strobl und diesem tollem Team.“

 

Quelle: fussball-vorort.de

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