Am Ende einer irreal anmutenden Endlossaison wollen die Kicker des TSV Eintracht Karlsfeld den Aufstieg in die Bayernliga bejubeln. 
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Am Ende einer irreal anmutenden Endlossaison wollen die Kicker des TSV Eintracht Karlsfeld den Aufstieg in die Bayernliga bejubeln. 

Tabellenführer in der Landesliga Südost

Eintracht Karlsfeld heiß auf den Aufstieg

  • vonMoritz Stalter
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Der Aufstieg ist für den TSV Eintracht Karlsfeld nach einer fulminanten Spielzeit zum Greifen nah. Für den Re-Start möchte Coach Sebastian Stangl Lehren aus vergangenem Herbst ziehen.

KarlsfeldSo Anfang, Mitte März beenden die Fußball-Landesligen Bayerns normalerweise die Winterpause, um in die Frühjahrsrunde zu starten. In der laufenden Saison ist alles anders.

Aufgrund der Corona-Pandemie ist Improvisation gefragt – und Spontanität. Für die Trainer bedeutet dies, dass sie ihre Arbeit hinterfragen müssen um, falls nötig, von über Jahre aufgebauten Routinen abzuweichen.

„Unsere achtwöchige Vorbereitung vor dem Re-Start im vergangenen Herbst war vielleicht etwas zu lang“, erkannte Sebastian Stangl, der Trainer des TSV Eintracht Karlsfeld.

Eintracht Karlsfeld hat viel zu verlieren

Der Übungsleiter weiß ganz genau: Der nächste Anlauf sollte sitzen, denn als Tabellenführer der Landesliga Südost haben die Karlsfelder die Bayernliga im Blickfeld – und mehr zu verlieren als ein Team, das im Mittelfeld der Tabelle steht.

Was die Sache noch komplizierter macht: Im Auftaktspiel geht es zum SV Erlbach, der auf Platz drei lauert und ebenfalls nach oben schielt. Stangl schiebt den Druck auf die Seite der beiden Verfolger aus Hallbergmoos und Erlbach: „Sie wollen rauf – wir können.“

Über die große Chance in dieser Saison ist er sich aber natürlich im Klaren. Der Sprung an die Spitze ist kein Zufall, die Karlsfelder haben sich nach dem Aufstieg 2018 im Eiltempo zu einer Landesliga-Mannschaft entwickelt, die offensiv glänzen kann und schwer zu schlagen ist. Und zu einer, die so stabil und selbstbewusst ist, dass sie eine schlechtere Phase wegstecken kann. Wie in den ersten Spielen im vergangenen Jahr.

Stangl: „Punkt kann wertvoll werden“

Mitte März 2020 meldeten sich die Karlsfelder mit dem Spiel beim 1. FC Passau aus der Winterpause zurück. Nach einem 0:2-Rückstand sicherte der damalige Neuzugang Pascal Sattelberger der Eintracht ein 2:2-Remis. Eigentlich zu wenig, doch Stangl versuchte, es positiv zu sehen: „Der Punkt kann sehr wertvoll werden.“

Wenig später wurde die Saison aufgrund der Corona-Pandemie unterbrochen. Als die Liga im September fortgesetzt wurde, fehlte Andre Gasteiger. Der Angreifer hatte sich mit zwölf Saisontoren für höhere Aufgaben empfohlen und war zum FC Pipinsried gewechselt.

Ausgerechnet beim Re-Start, dem Spitzenspiel gegen den VfB Hallbergmoos, fiel die Doppel-Sechs um Marko Juric und Fabian Schäffer aus. Und damit jene beiden Spieler, die das Spiel der Karlsfelder stabilisieren. Mit dem 1:1-Remis nach Martin Schöns Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit konnten die Karlsfelder daher gut leben.

„Es war über 90 Minuten ein sehr gutes Spiel von uns gegen einen starken Gegner“, so Stangl. Dem Coach war aber auch klar, dass seine Mannschaft nicht immer nach einem Rückstand zurückkommen wird.

Eintracht Karlsfeld: Bittere Niederlage in Kastl

„Gegen Teams, die eher hinten stehen, ist es doppelt wichtig, das erste Tor zu schießen“, sagte der Stangl. Es änderte sich aber nichts. Auch in Kastl traf der Gegner zuerst – und insgesamt gleich dreimal. Die Eintracht hatte es verlernt, ihre Chancen zu nutzen. Gasteiger fehlte vorne, dazu kamen Ausfälle in der Defensive. Am Ende stand ein 1:3 in der Bilanz. Die erste Niederlage des Jahres.

Gegen Landshut erfüllte sich Stangls Wunsch, in Führung zu gehen. Doch wieder reichte es nicht für Punkte. Nach der 1:2-Niederlage und dem vierten sieglosen Spiel in Folge wurde die Luft immer dünner an der Spitze.

Hallbergmoos hatte einen Lauf und Karlsfeld lag in seiner Partie in Unterföhring zur Halbzeitpause mit 0:2 zurück; die Eintracht steuerte auf die dritte Niederlage in Folge zu. Doch dann wehrte sich das TSV-Team, allen voran Martin Schön. Der Joker erzielte einen Hattrick. Karlsfeld schoss zwei weitere Tore, gewann mit 5:2 und blieb Tabellenführer.

TSV: Klarer Derbysieg gegen ASV Dachau

Eine Woche später siegten die Karlsfelder im Derby gegen den ASV Dachau, neuerlich nach fünf Treffern in der zweiten Halbzeit, mit 5:1. Da die Saison danach aufgrund der Corona-Pandemie frühzeitig unterbrochen wurde, gingen die Karlsfelder zum zweiten Mal innerhalb dieser Kaugummisaison als Spitzenreiter in eine Winterpause.

Wie ein Meisterschaftskandidat trat die Karlsfelder Eintracht im Fußballjahr 2020 aber nicht auf. „Der Abschluss mit den beiden Fünf-Tore-Spielen war zwar positiv, aber uns hat die Stabilität in der Defensive gefehlt. Wir müssen uns steigern und wieder kompakter auftreten“, sagt Stangl im Hinblick auf die Restsaison. Karlsfeld legte in der Hintermannschaft nach und holte mit Kilian Cuni einen Innenverteidiger vom Bayernligisten Türkspor Augsburg. Eigentlich als Ersatz für Lukas Paunert, der sich einer Fußballschule in den USA anschließen wollte – aufgrund der Pandemie aber in Karlsfeld bleiben musste. Nach der Saison wechselt Paunert zum Ligakonkurrenten Eintracht Freising.

Karlsfeld: Neuzugänge sollen helfen

Mit Cuni, so hoffen Stangl und Jaschke, bekomme die Karlsfelder Hintermannschaft mehr Tiefe. „Kilian ist jung und erfahren“, sagt Stangl. Cuni bringt es trotz seiner erst 22 Jahre auf 15 Einsätze in der Bayernliga für den FC Unterföhring. In dieser Saison absolvierte er noch keine Partie. Stangl ist dennoch überzeugt von seinem Neuzugang. „Kilian, Nico Frank und Ivan Ivanovic können ‚Pauni‘ ersetzen“, so der Eintracht-Trainer.

Weitere Zu- und Abgänge sind nicht eingeplant. Dafür führen Stangl, sein Trainerkollege Jochen Jaschke und der sportliche Leiter Robin Kömmling Spielergespräche. Kömmling steht noch im Kader des Landesligisten, absolvierte in dieser Saison aber erst eine Partie.

„Robin wollte zum Ende der Saison als Spieler aufhören. Er richtet den Fokus voll auf die neue Aufgabe“, sagt Stangl. Er sieht die Eintracht gut aufgestellt, den Aufstieg erwartet er aber nicht. „Andere Teams wie Hallbergmoos und Erlbach wollen aufsteigen, wir müssen nicht. Für uns ist die Entwicklung wichtig - und die stimmt“, so der Eintracht-Trainer. Und weiter: „Wenn es reicht, wäre es super. Wenn was fehlen sollte, wissen wir, dass wir weiter arbeiten müssen.“ (Moritz Stalter)

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