Erst Held, dann Prügelknabe

- "Des war Äktsch'n pur", juchzte der Pipinsrieder Vorsitzende Konrad Höß nach dem erneuten Auswärtssieg des FC in der Landesliga Süd. Beim 1:0 in Neusäß war, so der Präse begeistert, "einfach alles geboten, was den Fußball so reizvoll macht."

Der Verein aus dem Landkreis Dachau hat sich durch den Erfolg beim TSV endlich wieder auf einen einstelligen Tabellenplatz vorgearbeitet; der Abstand zum Relegationsplatz 15 beträgt bereits satte acht Punkte.

 Doch bevor er zusammen mit dem mitgereisten Edel-Fan Schorsch Schmid aus Röhrmoos und weiteren Pipinsrieder Anhängern jubelnd die Arme hochreißen durfte, schwitzte Höß mal wieder Blut und Wasser. Vor allem eine Szene in der 88. Minute trieb dem Vereins-Boss die Zornesröte ins Gesicht.

 Was war passiert? Nach einem Stellungsfehler seines Gegenspielers Bernhard Haas eilt Daniel Kaiser alleine aufs Neusäßer Tor zu. Der bei einer Ecke aufgerückte TSV-Keeper Stefan Schmid kommt nicht schnell genug zurück, so dass Kaiser plötzlich mutterseelenalleine vor dem leeren Tor steht. Auf den Zuruf eines Zuschauers ("Mach ihn mit dem Kopf rein") steigt Kaiser auf den Ball, steigt wieder runter, legt sich ein paar Meter hinter das Spielgrät, robbt wie eine Raupe auf die Kugel zu und stupst sie dann mit dem Kopf ins Netz.

 Was folgte, war reif für den Komödienstadl. Schiedsrichter Matthias Neumann aus Ansbach pfiff, allerdings Freistoß für Neusäß. Er zeigte dem "Torschützen" die gelbe Karte und erkannte den Treffer wegen "grober Unsportlichkeit" nicht an. Rumpelstilzchen Höß, der nach dieser ungewöhnlichen Aktion an der Außenlinie einen Veitstanz vom Feinsten aufgeführt hatte, benötigte einige Minuten, um sich zu beruhigen: "Hätte Daniel die Kugel hochgelupft und dann mit dem Kopf vollendet, hätte das Tor gegolten. So aber ist es zu Recht aberkannt worden. So etwas macht man nicht."

 Beinahe wäre Kaisers aberkannter Kopf-Bauch-Treffer auch noch zusätzlich bestraft worden, denn im Gegenzug kamen die gereizten Neusäßer zu zwei Superchancen. Erst klärte der überragende FCP-Schlussmann Sascha Bobak gegen Armin Bosch, und dann entschärfte er auch noch den Nachschuss des TSV-Mittelstürmers Stefan Scheurer II.
 Für Höß war Bobak der Vater des Sieges: "Er hat schon im ersten Durchgang drei Hundertprozentige gemeistert, das war eine Superleistung unseres Keepers."

 Daniel Kaiser hätte schon in der 73. Minute einlochen können, doch da traf er nach einer Schmidl-Flanke per Kopf (nicht im Liegen!) nur den Pfosten des Neusäßer Tores.

TSV Neusäß - FC Pipinsried 0:1 (0:0):
Neusäß: Schmid, Eweka, Haas, Gocevic, Weiß, Gilg, Erdöl, Hoffmann, S. Scheurer II, Heiß, Bosch.
Pipinsried: Bobak, Schmid, Brunner, Hönisch, Trejo, Stanek, Maraz (86. S. Stiller), Mi. Stiller (81. Wittmann), Kaiser, Lessmann, Purkardt (46. Stemmer).
Schiedsrichter: Matthias Neumann (Ansbach).
Zuschauer: 200.
Tor: 0:1 (78.) - Daniel Kaiser wuchtet die Kugel nach einem Lochpass des Pipinsrieder Spielertrainers Michael Stiller von der Strafraumgrenze ins Netz des Neusäßer Tores.
 

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