Der FC Pipinsried steht unangefochten an der Tabellenspitze der Bayernliga.
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Der FC Pipinsried steht unangefochten an der Tabellenspitze der Bayernliga.

Designierter Bayernligameister sehnt sich nach Re-Start

FC Pipinsried:Ja zum Re-Start - aber bitte mit Fans

  • vonBruno Haelke
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Der FC Pipinsried steht unangefochten an der Spitze der Bayernliga und wird in die Regionalliga aufsteigen. Der Klub wünscht sich einen Re-Start mit Fans.

Pipinsried – Wenn es einmal ruhig in Pipinsried ist, dann stimmt irgendetwas nicht – das hat die Vergangenheit mehr als einmal gezeigt. Der FC Pipinsried ist der bunte Vogel in der südbayerischen (Fußball)Welt, er ist immer für Schlagzeilen gut. Sollte dies einmal nicht mehr so sein, dann wird es den Verein wohl nicht mehr geben oder er ist in der „Fußball-Versenkung“ verschwunden. Mit Konrad Höß saß ein halbes Jahrhundert lang ein Tausendsassa am Ruder, der geradezu serienmäßig Schlagzeilen produzierte. Nach der Stabübergabe, sprich: dem Präsidentenwechsel hin zu Roland Küspert, erklomm der Fußballclub aus dem 570-SeelenDorf im Jahr 2017 den Gipfel des bayerischen Amateurfußballmassivs – die Regionalliga. 

FC Pipinsried: Die beste Bayernliga-Mannschaft aller Zeiten

Nachdem es dem FCP im ersten Jahr gelungen war, sensationell die Klasse zu halten war das nächste Kapitel geschrieben. Dabei mussten damals die letzten sieben Spiele innerhalb von nur 15 Tagen absolviert werden – mit einem schönen Gruß vom Verband. Es folgte der völlig unnötige Abstieg in die Bayernliga im Jahr 2019. Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, wurde eine GmbH gegründet und eine Mannschaft zusammengestellt, die von der spielerischen Klasse als die „beste Bayernliga-Mannschaft aller Zeiten“ gerühmt wird – und das nicht nur von den Fußball-Experten im Dachauer Hinterland. 

Derzeit stehen die Ilmtaler wieder an der Schwelle zur Regionalliga, sie führen die Bayernliga Süd mit 19 Punkten Vorsprung an; der Aufstieg ist praktisch in trockenen Tüchern. In 23 Spielen setzte es nur eine Niederlage, mit 0:1 verlor der FC Pipinsried gegen den SV Pullach. Zudem gab es noch drei Remis gegen den TSV 1860 München II, gegen den TSV1865 Dachau und den TSV Schwaben Augsburg. Allerdings verließ im vergangenen Sommer, mitten in einer um ein Jahr verlängerten Corona-Saison, ein Teil der Mannschaft den Verein, unter anderem Fabian Hürzeler (jetzt Co-Trainer FC St. Pauli) und Muri Salimovic (TSV Landsberg) beide Übungsleiter. 

FC Pipinsried: Andreas Thomas übernimmt Trainerposten von Fabian Hürzeler

Sportlich verantwortlich ist seit Sommer 2020 Andreas Thomas, der von 2007 bis 2009 bereits als Spieler im Ilmtal aktiv war. Die Zeit zur Beendigung der mittlerweile zweieinhalb Jahre andauernden Saison wird knapp. Nach Aussagen des Bayerischen Fußball Verbands muss die Saison 2019/2020/2021 Ende Juni dieses Jahres abgeschlossen sein. Schaut man sich den Spielplan genauer an, wird nach Lage der Dinge der Liga-Pokal wohl dran glauben müssen. Dieser Wettbewerb wurde eh nur als eine Art Lückenbüßer ins Leben gerufen, falls zwischen den wenigen ausstehenden Spieltagen zu lange Pause entstanden wären. Doch dies hat sich mittlerweile erledigt. 

Sogar einem Abbruch der Saison hat der BFV jetzt in seinen Statuten einen Platz eingeräumt – und das, nachdem man sich lange Zeit und als einziger Verband in Deutschland strikt dagegen gestemmt hat. Die neue Saison 2021/2022 soll im Juli losgehen, sofern Corona es zulässt. 

Trainer hält Spieler an der langen Leine 

Die Mannschaft des FC Pipinsried hat freie Hand in Sachen „Fitness“. Einmal die Woche trifft sich die Mannschaft im Internet, um ein Workout zu machen. Der Stufenplan des Lockerungskatalogs steht, wann genau es weiter geht, ist allerdings von verschiedenen Aspekten abhängig (Stichwort: Inzidenz). Man empfindet es in Pipinsried als hilfreich, dass zumindest ein Rahmenterminkalender erstellt worden sind. Ob dieser allerdings gehalten werden kann – niemand weiß es. „Wir brauchen sicher vier Wochen Vorbereitung. Die Spieler waren jetzt rund fünf Monate weg von den Fußballplätzen und vom Teamtraining. Da geht das nicht so einfach, dass man nach zwei Wochen gleich in den Spielbetrieb einsteigt“, erklärt FCP-Coach Andreas Thomas. „Ein fußballspezifisches Training konnte eben niemand machen, deshalb ist es jetzt ganz wichtig, behutsam an die Sache ranzugehen“, ist sich Andreas Thomas sicher. 

Andreas Thomas: „Die Hygienemaßnahmen haben gegriffen“

„Wir haben gesehen, dass die Hygienemaßnahmen beim ersten Mal gegriffen haben. Aber wieso damals nur 200 Zuschauer zugelassen worden waren, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich bin der Meinung, dass man gut 500 Zuschauer zulassen könnte. Die Sportplätze sind groß genug. Man steht im Freien und die Abstände kann man auch einhalten. Wenn wieder gespielt werden soll und kann, dann bitte nur mit Zuschauern und vier Wochen Vorbereitungszeit“, meint der sportliche Leiter des FCP, Tarik Sarisakal. 

FC Pipinsried: Wir wollen spielen - aber bitte mit Zuschauer

Ins gleiche Horn stößt der FCP-Vorsitzende Roland Küspert. „Also, das mit den 200 Zuschauern war ein Witz. Gerade im Pokalspiel gegen Nördlingen haben wir da nur Minus gemacht. Fünf Prozent der Einnahmen oder mindestens 250 Euro mussten wir an den Verband abdrücken. Die sind einfach mal so weg. Dann werden die Zuschauereinnahmen geteilt – da kann man sich vorstellen, was übrig bleibt“, so Küspert angesäuert. Und einmal in Rage legt er noch einen nach. „Das Erste, was wir vom BFV in diesem Jahr gehört haben, ist, dass die Beträge erhöht worden sind. Wegen gestiegener Kosten. Das ist eine absolute Frechheit. Wir haben null Einnahmen. Doch statt dass die Verbände den Vereinen helfen, gibt es noch einen über den Zünder“, erzählt Küspert stinksauer. Dabei geht es dem Verein noch einigermaßen gut, denn Austritte aufgrund von Corona gibt es keine. „Aber das Vereinsleben ist halt komplett zusammengebrochen. Es fehlt einfach, dass man den einen oder anderen im Vereinsheim sieht, zusammen ein Bier trinkt, der Mannschaft beim Training zuschaut und eben nicht nur über Fußball spricht. Es fehlt einfach ein Stück Kultur“, so Küspert.

(Bruno Haelke)

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