Will sich stets weiterentwickeln: Julian Kirr, ehrgeiziger Torhüter des FC Pipinsried. FOTO: HAE

„Junge Spieler scheitern an den eigenen Ansprüchen“

FC Pipinsried-Keeper Kirr: So denkt er heute über Türkgücü und Michi Hofmann

  • vonBruno Haelke
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Julian Kirr kam im Sommer 2020 von Türkgücü München zum FC Pipinsried. Der  20-jährige Keeper zog im Duell mit dem erfahrenen Tim Oberwahrenbrock zwar den Kürzeren, doch aufgeben ist für den ehrgeizigen Keeper keine Option.

Der Fan der FC Bayern München nennt nicht Manuel Neuer als Vorbild, sondern den Torwart der Frankfurter Eintracht, Kevin Trapp.

„Vor ein paar Jahren war ich im Stadion und hab’ den Trapp da gesehen. Der hat einfach toll gehalten. Von da an war und bin ich ein Fan von ihm“, erzählt Kirr.

Der in Gräfelfing geborene und in Emmering wohnhafte Torsteher kam über die Jugendteams des SC Fürstenfeldbruck, des FC Deisenhofen und der SpVgg Unterhaching zu Türkgücü. Seit acht Monaten steht er beim Bayernliga-Spitzenreiter FC Pipinsried unter Vertrag.

Hallo Julian, wie erlebst Du privat, aber auch aus sportlicher Sicht die momentane Corona-Zeit?

Julian Kirr:Servus. Natürlich ist die aktuelle Lage für keinen von uns einfach. Ich persönlich denke, wir müssen es annehmen wie es kommt und das Beste daraus machen. Ich hatte das Coronavirus im November 2020, zum Glück ohne Symptome. Wir können nur hoffen, dass mit der Zeit die Normalität wieder einkehrt. Sportlich gesehen fehlt der Fußball natürlich immens, ich halte mich dennoch durch tägliches Training fit. Mal sind es ausdauertechnische Übungen, mal ist es Krafttraining. Zudem sind es Dehnübungen, vor allem aber auch torwart–spezifische Sachen. Ich denke, ich habe mich da gut aufgestellt, ich bin topfit und heiß, dass es hoffentlich bald weiter geht mit dem Sport. Ansonsten mache ich viel mit meiner Familie und mit meiner Freundin. Die Lage hat also auch was positives, man hat mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

Kirr: Das Jahr bei Türkgücü München hat mir sehr viel geholfen.

Was machst Du beruflich?

Ich bin seit einem Jahr in einer Ausbildung zum Finanzcoach bei der Deutschen Vermögensberatung. Da mein Papa und mein Onkel auch dort arbeiten, fällt mir das sehr leicht. Die Arbeit dort macht mir sehr viel Spaß, ich denke, das Finanzthema ist gerade zur aktuellen Zeit wichtiger denn je.

Hälst Du Kontakt zu Deinen Mitspielern? Wenn ja, wie (Mail, Facetime, usw.)?

Klar, ab und an telefoniert oder schreibt man mit dem einen oder anderen. Wir trainieren auch jede Woche über Zoom zusammen. Ich muss aber ehrlich gestehen, den meisten Kontakt habe ich noch mit ein paar Ex-Kollegen von Türkgücü München und den Freunden in meiner Nähe.

Stichwort Türkgücü. Was war der prägendste Moment in dieser Zeit?

Das Jahr bei Türkgücü hat mir sehr viel geholfen. Offiziell war es mein letztes Jugendjahr. Ich durfte schon oben mit trainieren und das Niveau in einer Profimannschaft erleben. Außerdem war ich sogar neun Mal auf der Bank dabei, da sich ein anderer Keeper verletzt hat. Ansonsten hab ich ein paar Spiele in der A-Jugend gemacht. Am prägendsten war aber tatsächlich die tägliche Arbeit mit den Trainern und Spielern. Insbesondere meinem Torwarttrainer von letztem Jahr, Michi Hofmann, hab ich sehr viel zu verdanken. Er hat mich noch mal sehr viel weitergebracht. Klar war der Aufstieg, auch wenn wir ihn nicht richtig feiern konnten, am Ende das Highlight eines für mich gelungenen Jahres.

Wie kam Dein Wechsel zum FC Pipinsried zustande?

Der erste Kontakt lief über Uli Bergmann. Anschließend war ich zum „Probetraining“ bei meinem heutigen Torwarttrainer Tomas Tomic. Die Gespräche danach waren gut und ich war überzeugt, dass das der nächste, richtige Schritt für mich ist. Das familiäre Umfeld und die Menschen im Verein haben mir die Entscheidung dann auch sehr leicht gemacht.

„Michi Hofmann hat mir in meiner Entwicklung am meisten geholfen“

Welchen Eindruck hast Du vom neuen Team in Pipinsried und dem Verein?

Die ersten Eindrücke waren top. Im Team sind sehr coole Typen, die auch noch super kicken können. Ich konnte mich gut einbringen und die Jungs haben mich auch super aufgenommen. Der FC Pipinsried ist ein sehr attraktiver Verein, vor allem für junge Spieler, die sich weiterentwickeln wollen. Es hat für mich also alles super gepasst!

Wolltest Du schon immer Torwart werden?

Als ich mit sechs Jahren angefangen habe, Fußball zu spielen, war ich tatsächlich Stürmer, bis es mich dann nach ein bis zwei Jahren ins Tor gezogen hat. Hat früher wohl eher dran gelegen, dass ich nicht so viel laufen wollte (lacht). Aber am Ende war es dann aber die beste Entscheidung. Torwart zu sein, das ist meine absolute Leidenschaft geworden, es gibt für mich kein schöneres Gefühl, als im Tor zu stehen und die Bälle zu halten.

Man sagt, Torhüter haben eine Macke, Du auch?

Ganz ehrlich, das kann ich bestätigen. Ich kenne natürlich sehr viele Keeper, und jeder einzelne ist in einer gewissen Hinsicht verrückt. Wir werden ja auch gern mal als „Psychos“ bezeichnet, weil wir Bälle halten, bei denen andere schreiend aus dem Tor rennen würden. Oder wir schmeißen uns ins Getümmel, in dem andere mit Stollenschuhen herumstochern. Ich persönlich habe keine Angst vor solchen Sachen, ganz im Gegenteil. Also eine gewisse Verrücktheit gehört dazu als Torwart, auch bei mir. Ich denke, wenn man die Leute in meinem Umfeld fragt, wer der verrückteste Mensch ist, den sie kennen, fällt die Entscheidung zu 99,9 Prozent auf mich. Aber damit kann ich leben (lacht).

Häufig scheitern gerade junge Spieler an den eigenen Ansprüchen. Hie und da kann man den Eindruck gewinnen, dass mancher junge Spieler meint: ich habe in der U 19-Bundesliga gespielt, dann ist die Bayernliga auch nur ein Sprungbrett – wenn überhaupt. Wie siehst du das?

Ich muss sagen, als Jugendspieler unterschätzt man das sehr. Jugend- und Herrenbereich sind zwei ganz verschiedene Welten. Viele kommen am Ende nicht so wirklich mit diesem Wechsel klar. Deswegen, finde ich, war es für mich super, in meinem letzten Jugendjahr schon Herrenluft geschnuppert zu haben. So ist es mir ein wenig leichter gefallen, mich an den Herrenbereich zu gewöhnen. Am Ende des Tages soll man sich nicht überschätzen, aber auch niemals an seinen eigenen Fähigkeiten zweifeln. Stets weiter hart arbeiten, lernwillig sein, immer ehrgeizig und diszipliniert bleiben. Dann ist alles machbar.

Welche Trainer haben Dich am meisten geprägt?

Für mich als Torwart waren das natürlich meine Torwarttrainer. Wie vorhin schon erwähnt war es speziell Michi Hofmann, der mir in meiner Entwicklung am meisten geholfen hat. Mit seiner Vita und Erfahrung konnte er mir unheimlich viel mit auf den Weg geben und beibringen. Aber auch ein Heinz Ulmann (FC Emmering), Nino Staudigl (FC Deisenhofen), Sebi Wolf (SpVgg Unterhaching) – sie alle haben ihren Teil dazu beigetragen zu dem, was ich heute sportlich und menschlich bin. An dieser Stelle noch mal ein Riesendankeschön an euch alle.

Was machst Du, um Dich fit zu halten?

Ich hatte es ja schon bei der ersten Frage angesprochen – in meiner Woche gibt es keinen Tag ohne Sport. Ich habe mich sehr breit aufgestellt und arbeite täglich daran, in allen Belangen, trotz des Lockdowns, besser zu werden. Da ich sehr ehrgeizig und zielstrebig bin, fällt mir das aber auch sehr leicht. Ich bin trotz Fußballpause noch mal auf ein neues Level gestiegen, das will ich natürlich weiter ausbauen. Man kann nämlich immer was verbessern. Wenn es wieder los geht, werde ich voll angreifen.

Was sind Deine persönlichen und sportlichen Ziele?

Persönlich will ich mich täglich, egal bei was, stets weiterentwickeln; neue Erfahrungen machen, Erlebnisse sammeln und somit auch als Mensch wachsen. Sportlich gesehen will ich, so wie bei allem, das Maximum rausholen. Wie das am Ende dann bei mir aussieht und was dabei rauskommt, wird sich zeigen.


Das Gespräch mit Julian Kirr führte unser Mitarbeiter Bruno Haelke.

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