Fabian Hürzelers Vertrag beim FC Pipinsried läuft am 30.06 aus.
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Fabian Hürzelers Vertrag beim FC Pipinsried läuft am 30.06 aus.

Spieler mit auslaufenden Verträgen nicht zu halten

FC Pipinsried: „Regelung für Bayernliga ein Bärendienst“

  • vonBruno Haelke
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  • Robert Ohl
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FC Pipinsried fürchtet den Verlust von Spielern, deren Vertrag nach der Saison ausläuft. TSV 1865 Dachau würde Saison 2019/20 lieber abbrechen wegen Planungssicherheit.

Pipinsried/Dachau – Der bayerische Fußballverband (BFV) hat entschieden, dass die Saison 2019/2020 bei den Amateuren nicht abgebrochen, sondern ab September weitergespielt werden soll. Die Spielzeit 2020/2021 wird gestrichen. Wann die Meister in die entsprechenden Ligen aufsteigen dürfen, ist ungewiss. Wahrscheinlich im Sommer des kommenden Jahres.

Die Regionalliga hingegen soll ebenfalls weiterspielen, dann ohne die bis zum Meldeschluss der 3. Liga führende Mannschaft, sprich: Der designierte Meister steigt auf. Meldeschluss ist der 22. Juni. In Frage kommen Türkgücü München oder der FC Schweinfurt 05. Der Rest spielt dann weiter bis in den Sommer des kommenden Jahres. Aufsteiger in die Regionalliga soll es aber im Umkehrschluss dieses Jahr nicht mehr geben.

Auf die Idee kamen augenscheinlich die Vertreter der Regionalliga Bayern. Aus welchem Grund es zu diesem Vorschlag kam, ist nicht bekannt. Die vom BFV für die laufende Saison 2019/20 eingesetzte Lösungs-Arbeitsgruppe (LAG) nahm den Vorschlag auf – und dieser wurde binnen sehr kurzer Zeit umgesetzt. Zudem wurde ein Rahmenspielplan vorgelegt (wir haben berichtet).

Sollte es Anfang September weitergehen, stehen für die Bayernliga Süd noch elf Spieltage an. Werden die Spiele ordnungsgemäß durchgeführt, dann wäre die Saison Mitte November beendet. Für die restliche Spielzeit bis zum Beginn der Saison 2021/2022 soll dann ein interessantes Programm gestaltet werden. Im schlimmsten Fall jedoch stehen von Mitte November 2020 bis Sommer 21 keine Wettkampfspiele mehr an.

Bevor der Verband diese Regelung veröffentlichte, gab er noch eine Änderung der Wechselfristen bekannt (wir haben berichtet). Zu welchen Konstellationen dies im Endeffekt führen wird, wird spannend sein zu beobachten.

Bei den beiden Bayernligisten im Landkreis Dachau, dem FC Pipinsried und dem TSV 1865 Dachau, gibt es Kritik an den Entscheidungen des BFV.

Hürzeler: „Ich weiß noch nicht, wie es weitergeht.“

Für den FC Pipinsried, bei dem jeder Spieler einen Vertrag hat, könnte dies bedeuten, dass alle, deren Vertrag ausläuft, gehen können, ohne dass der FCP, der zur Zeit die Bayernliga Süd mit 21 Punkten Vorsprung anführt, etwas dagegen machen könnte. Die vorgestellten Neuzugänge André Gasteiger (Karlsfeld) und Rene Hamann (Jetzendorf) sind dagegen auf das Wohlwollen ihrer Vereine angewiesen. Da die Vereine um den Aufstieg (Karlsfeld) bzw. gegen den Abstieg (Jetzendorf) kämpfen, erscheint eine Freigabe ungewiss.

„Insgesamt ist das eine sehr unbefriedigende Lösung, denn damit können wir erst 2021 aufsteigen. Damit haben wir dann erneut ein halbes Jahr praktisch keinen Spielbetrieb. Durch die Reglung können sich jetzt die Regionalligisten am Spielermarkt bedienen, wir können nichts dagegen unternehmen. Diese Regelung ist für die Bayernliga ein Bärendienst. Ich hoffe, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist“, so FCP-Präsident Roland Küspert.

„Ich weiß noch nicht, wie es weitergeht. Mein Vertrag läuft am 30. Juni aus. Die Entscheidung, die jetzt getroffen wurde, ist schlimmer als ein Abbruch. Und im neuen Jahr um einen erfundenen Pokal spielen, der eh nichts bringt, ist nicht besonders reizvoll. Ich denke, dass man sein Gesicht nicht verlieren will, deshalb wird das jetzt so durchgezogen“, ergänzt FCP-Trainer Fabian Hürzeler.

Und Vizepräsident Martin Schmidl sagt: „Es ist einfach unglücklich, dass sich die Entscheidungen so lange hinausgezogen haben. Da sitzt man Zuhause und wundert sich nur noch über die Dinge. Informationen direkt vom BFV haben wir noch nicht, derzeit läuft alles über die sozialen Medien. Und solange noch nichts offiziell an die Vereine weitergeben wurde, kann man einfach nicht agieren. Eine Planungssicherheit ist jedenfalls nicht vorhanden. Wir sind davon ausgegangen, dass unsere Trainer bis Saisonende weitermachen. Nun müssen wir erstmal mit ihnen sprechen.“

Alkan: „Abbruch der Saison 19/20 bessere Lösung.“

Ugur Alkan, Abteilungsleiter beim Bayernligisten TSV 1865 Dachau, ist ebenso wenig begeistert vom Vorgehen des Verbands: „Dass die Saison 19/20 zu Ende gespielt wird, fand ich schon fair für alle Teams. Aber dass jetzt die Saison 20/21 komplett entfällt, finde ich keine gute Lösung. Man redet von Planungssicherheit, doch wie soll man planen, wenn gefühlt jeden zweiten Tag was Neues kommt. Von September 20 bis März 21 die restlichen elf Spiele zu spielen, ist in meinen Augen eine viel zu lange Zeit. Dazu kommt noch, dass Teams, die finanziell gut aufgestellt sind, jetzt in der Winterperiode gut aufstocken können. Fair für alle Teams wäre eine Regelung zu finden, dass einfach die aktuellen Spieler weiterspielen. Es wäre die bessere Entscheidung gewesen, die Saison 19/20 abzubrechen und ab September die neue zu starten. Dass der Zeitraum natürlich eng wäre, ist klar. Aber es gibt einige Varianten, das zeitlich hinzubekommen.“

Text: Bruno Haelke und Robert Ohl

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