Aua, das tut ja schon beim Betrachten weh: Glück im Unglück hatten in dieser Szene beide Spieler; Eittings Angelo Hellmeier überstand das Tackling des Dachauers Andi Neff nahezu unverletzt (leichte Bänderdehnung), und der 65-Kapitän durfte trotz der „dunkelgelben“ Attacke weiter spielen. Foto: daniela bartels

In letzten 180 Sekunden das Spiel gedreht

Dachau - Dank einer tollen Moral und einem unbändigen Siegeswillen haben die Fußballer des TSV 1865 Dachau das Schlagerspiel gegen den FC Eitting gedreht und aus einem 0:2-Rückstand noch einen 3:2-Sieg gemacht.

Das Herzschlagfinale im 65-Stadion an der Jahnstraße war allerdings nichts für schwache Nerven, zwei ihrer drei Tore markierten die Dachauer erst in den letzten 180 Sekunden. In der turbulenten Schlussphase holten die Dachauer all das nach, was sie in 87 Minuten zuvor verpasst hatten. In dieser Phase zeigte der Spitzenreiter, warum er die Tabelle der Bezirksliga Nord anführt. „Nur ein Spitzenteam dreht so ein Spiel noch um“, meinte ein Zuschauer auf der Tribüne nach dem Husarenstück des Gastgebers anerkennend.

Und nach dem Happy-End konnte dann auch die neue Abteilungshymne des TSV 1865 Dachau würdig eingeweiht werden.

Der Gast aus Eitting, der als Tabellendritter an die Jahnstraße gefahren war, fühlte sich schon als Sieger, doch wieder einmal zeigte sich, dass ein Fußballspiel eben 90 plus x und nicht nur 87 Minuten dauert. So wurde die Passivität der Eittinger bestraft, die nach der Pause nur noch das Ziel hatten, den Vorsprung ins Ziel zur retten. Grund für die augenfällige Zurückhaltung der Gäste nach dem Seitenwechsel könnte aber auch ein Nachlassen der Kondition gewesen sein. Der TSV 1865 Dachau fand nicht wie gewohnt in Spiel, der Tabellenführer schaffte es am Samstag nicht, das Eittinger System mit Libero, einer massierten Abwehr und einem freischaffenden, überragenden Spielertrainer Michael Stiller (ehemals Pipinsried) zu knacken. Der TSV 1865 Dachau wurde in der ersten Hälfte selten gefährlich, es mangelte an Kreativität im Mittelfeld. Wenig Bindung zum Spiel hatte der Dachauer Debütant Holm-Thies Kühl; der aus der zweiten schwedischen Liga an die Jahnstraße gewechselte Ex-Ismaninger ist versiert am Ball und scheut weder kurze noch lange Wege, aber auch er hatte vor der Pause nur selten die zündende Idee. So verlebte die Eittinger Abwehrreihe eine ruhige erste Spielhälfte.

Die mit einem 0:2-Rückstand in den zweiten Durchgang startende 65-Elf machte nach dem Wiederanpfiff mächtig Druck. Chasim Mestan brachte den Gastgeber kurz nach der Pause auf 1:2 heran, und endgültig Oberwasser bekamen die 65-Kicker, als Eitting sich per Ampelkarte gegen Korbinian Huber selbst dezimierte (58.). Die personelle Überlegenheit des TSV währte aber nicht lange, denn Dachaus Sturmführer Marco Bläser erwies seinem Team nur zwölf Minuten später mit einer dummen Aktion einen Bärendienst, als er den Ball mit der Hand fing. Auch dieses Vergehen ahndete der Schiedsrichter mit der Gelb-Roten Karte.

Die erste große Chance zum Ausgleich hatte in der 73. Minute Chasim Mestan, doch Eittings Keeper Florian Linninger parierte in dieser Szene super. Abgesehen von den Schlussminuten, in denen Andi Neff und Martin Handel aus dem 1:2 noch ein 3:2 machten, fehlte es den Dachauern an einem geeigneten Konzept, um die vielbeinige Eittinger Abwehr zu knacken. Neff hatte übrigens Glück, dass sein Foul in der ersten Halbzeit an Angelo Hellmeier nicht mit der Roten Karte geahndet worden war.

Dachaus Spielertrainer Marcel Richter war nach dem Schlusspfiff richtig happy, er meinte spontan: „Wow, das war super von meiner Mannschaft, die immer weiter gemacht hat und letztendlich auch zu Recht mit drei Punkten belohnt worden ist. Die Mannschaft hat einfach einen äußerst positiven Charakter, es macht richtig Spaß, mit diesen Spielern zu arbeiten. Die Entscheidung, Korbinian Wildgruber ins Mittelfeld und Chasim Mestan in die Viererkette zu stellen, hat sich voll bezahlt gemacht, da haben sich beide sichtlich wohler gefühlt.“ (ro)

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