Lernfähig und ehrgeizig: Paolo Cipolla.
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Lernfähig und ehrgeizig: Paolo Cipolla.

Der Spieler des FC Pipinsried im Interview

Paolo Cipolla: „Ich war noch nie so fertig“

  • vonBruno Haelke
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Der 24-Jährige wechselte im vergangenen Jahr aus der Kreisliga zum Bayernligisten Pipinsried. Er spricht über die schwierige Anfangszeit und seine ehrgeizigen Ziele.

Dachau – Lockdown, vorgezogene Winterpause – man hat es momentan nicht leicht als Fußballer. Die Heimatzeitung nutzt die Gelegenheit, in Zeiten der Corona-Pandemie Amateurkicker aus dem Dachauer Einzugsgebiet zu befragen. Wie kommen sie mit der Situation zurecht, und was erwarten sie sich von der Zukunft?

Paolo Cipolla (24) ist eine der ganz großen positiven Überraschungen beim Bayernliga-Überflieger FC Pipinsried. Der Offensivspieler wechselte zu Beginn der immer noch laufenden Saison 2019/2020 vom Kreisligisten TSV Indersdorf zum ambitionierten Bayernligisten. Kaum einer traute ihm damals zu, sich in der Mannschaft, die mit ehemaligen Zweitliga-, Drittliga- und Regionalligaspielern gespickt ist, Einsatzzeiten zu erarbeiten. Doch er belehrte alle eines Besseren, er wurde elf Mal auf den Außenpositionen eingesetzt, dabei erzielte er zwei Treffer. Danach wurde er allerdings durch eine schlimme Knieverletzung zurückgeworfen.

Sein ehemaliger Trainer Fabian Hürzeler beschrieb Cipolla wie folgt: „Ich habe selten einen Spieler erlebt, der so viel in einem Training investiert hat. Er ist jedem Ball wie ein Verrückter nachgerannt. Und er hat jeden Zweikampf bestritten, als wäre es sein letzter. Dadurch verdiente er sich immer mehr Einsatzzeiten, er ist somit ein Vorbild für alle Jugendspieler aus seiner Region geworden. Viele werden seinen Weg vom Kreisligaspieler zu einem hoffentlich bald Regionalligaspieler verfolgt haben. Darauf kann der Junge stolz sein.“

Schwere Zeiten, was bedeutet die jetzige Corona-Situation für die Gesellschaft und den Fußball?

Paolo Cipolla:Ich kann nur für mich sprechen. Für mich persönlich ist es jetzt im Moment sehr bitter, weil ich nach der Verletzung wieder auf dem Wege war, mit der Mannschaft zu trainieren. Im Allgemeinen ist es sehr schlimm, denn es fehlt einfach die Routine. Normal hat man zwei- bis dreimal Training. Und jetzt können wir nur arbeiten, kein Training – es ist einfach langweilig.

Paolo, auf welcher Position fühlst Du dich am wohlsten und warum?

Ich fühle mich tatsächlich im Zentrum am wohlsten, im Zentrum hat man einfach mehr Freiheiten nach vorne. Wenn man außen spielt muss man hin und zurück laufen...

Wie hast Du es geschafft, in einer solch starken Mannschaft als Kreisligaspieler Spielzeit zu bekommen?

Insgesamt war und ist es ein hartes Stück Arbeit. Ich erinnere mich noch ganz genau, wie es war, als ich in Pipinsried angefangen habe. Ich glaube, ich war noch nie so fertig wie in den ersten zwei Wochen, habe in dieser kurzen Zeitspanne vier Kilogramm abgenommen. Dann habe mir dann selbst gesagt, dass ich für mich selbst mehr machen muss. Daraufhin habe ich in der Woche zusätzlich noch zwei bis drei Laufeinheiten gemacht, zudem noch Krafteinheiten. Das hat mir sehr viel gebracht, dadurch bin ich immer besser reingekommen.

Auch bei den Fans ungemein beliebt: Paolo Cipolla hat den Sprung in die Bayernliga geschafft. 

Was machst Du beruflich?

Ich bin gelernter Schreiner und arbeite jetzt in Teilzeit in der Schreinerei, wo ich meine Ausbildung gemacht habe.

Wie hat sich das Spiel in den letzten zehn Jahren aus Deiner Sicht verändert?

Es hat sich sehr viel verändert, wichtig ist der taktische Aspekt und sehr viel geht es auch darum, wie fit man ist. Ich mache gerade meine B-Lizenz, und da ging es von Anfang an um taktische Sachen und auch um die Ausdauer.

Wie siehst Du die Entwicklung Deiner Mannschaft aktuell und in den letzten Jahren?

Die Pipinrieder Mannschaft hat wirklich sehr viel Potenzial, für mich ist es eine Ehre, mit solchen Spieler zusammen zu spielen. Für mich sind Spieler wie Thee, Krautschneider, Rech, Zischler, Kaufmann oder Pigl absolute Führungsspieler, die dir immer Tipps geben und dir helfen können. Pablo Pigl hat für mich sogar einen Trainingsplan erstellt, um wieder fit zu werden.

Wohin führt die Reise Dich und Dein Team im letzten Drittel der Saison?

Also, für mich gibt es nur ein Ziel: fit zu werden und endlich wieder auf dem Platz zu stehen. Für uns als Mannschaft zählt es erstmal, den Meistertitel klar zu machen; natürlich wollen wir uns als Mannschaft weiterentwickeln, um dann in Richtung Regionalliga zu schauen.

Welche Trainer haben Dich am meisten geprägt?

Also menschlich hat mir Helmut Lang sehr geholfen. Ich war ein sehr schwieriger Junge im Alter von 18 und 19 Jahren. Doch er hat es geschafft, mich auf die richtige Spur zu bringen, er war und ist immer noch wie ein Vater für mich. Ich wäre jetzt nicht da, wo ich jetzt bin, wenn er mir nicht geholfen hätte. Spielerisch und taktisch habe ich mich unter Fabian Hürzeler enorm weiterentwickelt. Ich habe viel noch mit 23, 24 Jahren lernen können. Muri Salemovic muss ich auch erwähnen, er hat mich zwar am Anfang sehr hart rangenommen, aber durch sein „durch den Mann laufen“ bin ich der Spieler geworden, der ich jetzt bin.

Was sind Deine persönlichen Ziele in den kommenden Jahren?

Eventuell mache ich den Schreinermeister. Sportlich will ich so hoch spielen wie möglich. Ich komme aus der Kreisliga und habe gerade in der Bayernliga Fuß gefasst. Die Regionalliga ist wieder was anderes. Und ja, auch das will ich schaffen.

Das Gespräch mit Paolo Cipolla führte unser Mitarbeiter Bruno Haelke.

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