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„Was bringen dir die Tricks im Spiel?“ - Fußball-Freestyler Samuel Weller im Interview

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Als Fußball-Freestyler beweist Samuel Weller viel Fußspitzengefühl.
Als Fußball-Freestyler beweist Samuel Weller viel Fußspitzengefühl. © Bruno Haelke

Samuel Weller ist Fußball-Freestyler. Der 22-Jährige trat unter anderem schon bei der EURO 2020 für den DFB und die UEFA auf. Im Interview erklärt er seinen Sport.

Dachau – Was hat Hallen-Volleyball mit Fußball-Freestyle zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel – gäbe es da nicht den Dachauer Volleyballer Samuel Weller. Neben seinem Sportstudium, regelmäßigen Trainingseinheiten und Einsätzen in der 3. Volleyball-Bundesliga ist der 22- jährige Allrounder als Fußball-Freestyler bekannt.

Der Libero der ASV-Volleyballer, ein bekennender FC Bayern-Fan, erblickte in Bietigheim-Bissingen das Licht der Welt. Über den VfR Garching kam der Fußball-Freesteyler aus der Volleyball-Bayernliga an den Stadtwald. Bei einem Beach-Volleyball-Turnier zeigte er einige Kunststücke, die den sportlichen Leiter des ASV Dachau, Sepp Wolf, beeindruckten. „Wenn der jetzt noch den Ball drei Mal sauber pritschen kann, dann kommt er zu uns.“

Weller „schaffte“ diese Aufgabenstellung mit Bravur – und steht seitdem im Kader des Volleyball-Drittligisten aus dem Stadtwald. Der 1,80-Meter-Libero nennt als seine Vorbilder den Norweger Erlend Fagerli im Freestyle sowie den Franzosen Jenia Grebennikov im Volleyball.

„Wir als Freestyle-Community sind sehr offen für jeden.“

Samuel Weller

Wir haben uns mit dem vielseitigen Ballkünstler unterhalten, wollten wissen, wie es zu dieser ungewöhnlichen Symbiose gekommen ist.

Fußball-Freestyler und 3. Liga Volleyball? Wie geht das?

Samuel Weller: Gutes Zeitmanagement, viel Ballgefühl – und ganz viele Sportoutfits (lacht). Mich treibt außerdem eine sehr starke Motivation zur Bewegung an, die mich jeden Tag motiviert, um zu trainieren.

Wie sind Sie zum Fußball-Freestyle gekommen?

Über Videos auf social media, als ich noch Fußball im Verein gespielt habe. Dann wollte ich das Ganze mal selber ausprobieren und habe ein paar Tutorials angeschaut; ich bin dann raus gegangen und habe meine ersten Tricks gelernt. Auch heute – sieben Jahre später – bin ich noch dabei – und ich kann inzwischen ein paar Tricks mehr (lacht).

Wie oft muss man trainieren, um sich Freestyler nennen zu dürfen?

Ich würde sagen, wenn man regelmäßig Freestyle trainiert (nicht nur mal fünf Minuten vorm Fußballtraining), dann kann man sich schon als Freestyler bezeichnen. Wir als Freestyle-Community sind sehr offen für jeden, der sich dem Sport zuwenden möchte und helfen jedem bei jedem Trick und bei jeder Schwierigkeit.

„Es ist überwiegend ein Miteinander – und auch ein Life-Style.“

Samuel Weller

Was war Ihr größter Erfolg und was war Ihr größtes Erlebnis?

Die größten Erfolge waren sicherlich die deutsche Meisterschaft von RedBull Street Style 2021 (online Format), der Titel des Deutschen Vize-Meisters 2018 – und ich war in den Top 64 bei der Weltmeisterschaft 2018. Ein tolles Erlebnis war die Teilnahme als deutscher Freestyler bei der EURO 2020 für die UEFA und den DFB.

Was kann man unter dem Begriff „Meeting“ im Bereich Fußball-Freestyle verstehen?

Ein Meet ist ein Treffen mehrerer Freestyler, wobei nicht unbedingt ein Wettbewerb stattfindet, ansonsten wäre es eine Competition (Anmerkung der Redaktion: Ein Wettbewerb). Dabei geht es meist nur um das gemeinsame Training und Austauschen von (neuen) Tricks. Da es nicht viele Freestyler gibt, ist es meist etwas Besonderes mit anderen zusammen zu trainieren. Es wird sehr geschätzt, vor allem von der jüngeren Generation.

Manuel Weller glänzt im Volleyball als reaktionsschneller Libero.
Manuel Weller glänzt im Volleyball als reaktionsschneller Libero. © Bruno Haelke

Gibt es da einen knallharten Konkurrenzkampf, oder ist es mehr das Miteinander, also eine Art Life-Style?

Es ist überwiegend ein Miteinander – und auch ein Life-Style. Aufgrund der begrenzten Anzahl an Sportlern kennt jeder jeden, deshalb herrscht immer eine tolle Atmosphäre bei den großen Turnieren. Nur im Wettbewerb selber – in den sogenannten „Battles“ – gibt es spannende Duelle, vor allem, wenn es dann um die großen Titel geht, auf die man einige Monate hingearbeitet hat. Aber spätestens auf der Aftershow-Party stößt man dann wieder miteinander an.

Fußball-Freestyle: Mehr Geld mit Social Media als mit Wettbewerben

Könnte ein Fußball-Freestyler als Profi leben?

Man könnte durchaus vom Freestyle leben, allerdings kaum von Wettbewerben und Shows alleine. Vor der Pandemie habe ich immer Shows auf Events/Veranstaltungen gehabt, allerdings nur neben dem Studium. Der einzige Weg, wirklich gut vom „Ballhochhalten“ zu leben, ist mit Hilfe der sozialen Medien. Die meisten sind dann aber mehr Influencer als „echte“ Freestyler und würden bei Freestyle-Wettbewerben nur durchschnittlich abschneiden. Auf social media punktet man nämlich eher mit den am besten aussehenden Tricks als mit den Schwierigsten, die auf Wettbewerben gefragt sind.

Welche Ziele haben Sie in naher Zukunft?

Den deutschen Meistertitel in einem „analogen Format“ zu verteidigen und bei der EURO 2024 in Deutschland Freestyle noch bekannter zu machen. Zudem möchte ich mehr (internationale) Auftritte wahrnehmen, um Freestyle als Sport zu präsentieren. Es wird es noch zu sehr mit dem klassischen Fußball verbunden, beispielsweise mit Fragen wie: „Was bringen dir die Tricks im Spiel?“

Das Interview führte Bruno Haelke.

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