Sichtlich wohl in seiner Rolle als Trainer fühlt sich Matthias Koston beim Fußball-Bezirksligisten Kammerberg. 
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Sichtlich wohl in seiner Rolle als Trainer fühlt sich Matthias Koston beim Fußball-Bezirksligisten Kammerberg. 

Trainer der SpVgg Kammerberg im Interview

Matthias Koston: „Das Spiel ist dynamischer und schneller geworden“

  • vonRobert Ohl
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Im Interview spricht Matthias Koston, Trainer des Bezirksligisten SpVgg Kammerberg, unter anderem über die Gründe warum er mit 30 Jahren nicht mehr selbst Fußball spielt.

KammerbergLockdown, vorgezogene Winterpause – man hat es momentan nicht leicht als Fußballer. Die Heimatzeitung nutzt die Gelegenheit, in Zeiten der Corona-Pandemie Amateurkicker aus dem Dachauer Einzugsgebiet zu befragen. Wie kommen sie mit der Situation zurecht, und was erwarten sie sich von der Zukunft?

Matthias Koston (30) ist Trainer des Bezirksligisten SpVgg Kammerberg. Seine Spielerkarriere hat er vor dem zweiten Lockdown mit einem Einsatz in der C-Klassen-Begegnung SV Günding III – SpVgg Kammerberg II offiziell beendet. Damit hat er von der Landesliga bis hinunter zur C-Klasse in allen Spielklassen als aktiver Spieler agiert.

Matthias, Du bist aktuell Trainer des Bezirksligisten SpVgg Kammerberg. Warum nur Trainer und nicht Spieler? Mit 30 Jahren wärest Du doch im besten Fußballeralter als Mittelfeld-Strippenzieher.

Matthias Koston:Das stimmt, obwohl mich als Flügelstürmer sehe, habe ich oft zentral gespielt. Aber dies ist vorbei und das hat einen einfachen Grund: Meine Gesundheit geht vor und ich hatte schon viele Auszeiten wegen schwerer Verletzungen. Dazu kommt noch mein labiler Rücken. Da ich schon Folgeschäden habe möchte ich verhindern, dass diese in Zukunft noch gravierender ausfallen. Deshalb gibt es nur den Trainer Matthias Koston, der Spieler ist leider Geschichte.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, als Trainer zu arbeiten, gab es ein Schlüsselerlebnis?

Die Idee hat sich in einer meiner Verletzungspausen entwickelt, unter meinem damaligen Trainer Frank Peuker. Da ich ohne Fußball nicht leben kann, habe ich als Co-Trainer beim ASV unter Harald Halter in der „Zweiten“ ausgeholfen. Es hat mit sehr gut gefallen mit jungen Spielern zu arbeiten und etwas zu organisieren. In Reichertshausen hat dann der Wunsch, als Trainer zu arbeiten, so richtig Fahrt aufgenommen. Da konnte ich viele eigene Ideen einbringen und umsetzen.

Du warst bisher als Spieler nur in drei Vereinen tätig. Beim ASV Dachau über zehn Jahre, beim TSV Reichertshausen und nun bei der SpVgg Kammerberg. Wo liegen die Unterschiede?

Beim ASV war es für mich sehr einfach, es gab dort ein perfektes Umfeld zu dieser Zeit für einen Spieler. Das Trainerteam passte, die Trainingsmöglichkeiten waren top. In Reichertshausen und Kammerberg ist die Charakteristik so, dass es Dorfklubs sind, die aber den Fußball richtig leben, mit allen Dingen, die dazu gehören. Lustig ist dabei, dass ich als Bayern- und Barca-Fan bisher nur bei Teams mit Blau-Weißen Trikots war.

Koston: Hallenfußball ist auch für draußen wichtig

Wo hast Du begonnen, Fußball zu spielen? Gab es im Jugendbereich Anfragen aus einem Nachwuchsleistungszentrum?

Das Kicken habe ich in der U 11 des SV Petershausen gelernt. Bis zum ersten Jahr U 19 habe ich das SVP Trikot getragen, ich bin im zweiten Jahr der U 19 zum ASV Dachau gewechselt. Es gab mal eine Anfrage des TSV 1860 München, aber das hat wegen der Schule nicht funktioniert. Deshalb gab es da eine Absage von mir und meinen Eltern.

Als Fußball-Tausendsassa bist Du auch noch als Externer bei der Organisation des Herbert-Reischl-Gedächtnisturnier des ASV Dachau um den VR-Cup involviert. Wie sind da Deine Erfahrungen?

Die beste Erfahrung ist die Erkenntnis, wie man mit einem kleinen, gut abgestimmten Team ein so großes Turnier organisieren kann. Es läuft einfach, abgesehen von der Coronapause, es macht großen Spaß, da mitzumachen. Für mich ist Hallenfußball wichtig, da er so viele Situationen hergibt, in denen die Spieler situativ reagieren und das Problem lösen müssen. Das ist eminent wichtig, auch im Hinblick auf die Spiele im Freien. Und dann ist da natürlich noch die tolle Stimmung in der Halle - Fußballfan, was willst du mehr?

Was machst Du beruflich?

Ich arbeite seit drei Jahren als Vermessungsingenieur bei der Dachauer Firma Seidl und Partner. Davor habe ich Geoinformatik und Satelliten-Positionierung studiert.

Was bedeutet Deiner Ansicht nach die jetzige Coronakrise für die Gesellschaft an sich und den Fußball im speziellen?

In so einer Pandemiezeit zeigt sich deutlich, wie stabil eine Gesellschaft ist. Jeder muss sein Leben in allen Bereichen, trotz der Pandemie, organisieren, und das fällt auch aus wirtschaftlichen Gründen vielen schwer.

Koston: Meine Teams müssen zwei Systeme beherrschen

Hast Du persönliche Erfahrungen mit dem Corona-Virus gemacht?

Ja, das habe ich. Ich hatte Corona, und das ist kein Spaß. Ich spüre bis heute, drei Monate später, noch die Auswirkungen. Infiziert wurde ich Mitte Oktober 2020, es begann mit grippeähnlichen Symptomen. Nach eineinhalb Wochen war ich als fitter junger Sportler so schlapp, dass ich keine fünf Minuten gehen konnte. Erst nach drei Wochen ging es etwas aufwärts. Daher kann man sich vorstellen, was die Infektion mit vorerkrankten und älteren Menschen machen kann.

Wie hat sich das Spiel als Trainer für dich verändert in den letzten fünf Jahren?

Es ist dynamischer und schneller geworden. Dazu kommen noch die technischen und taktischen Varianten, die viele Spieler und Trainer wissen und beherrschen müssen. Somit hat sich die Statik des Spieles verändert. Das ist nicht mehr vergleichbar mit früher. Es wird immer wichtiger, dass jeder Spieler, bis auf die Spezialisten im Tor, mehrere Positionen spielen können. Das ist für mich als Trainer eine der wichtigsten Anforderungen, da in einem Amateurklub mit kleinem Kader dies absolut notwendig ist. Die Spieler müssen heute bei mir zwei Systeme können: Das 4-2-3-1 und 4-4-2 mit Raute.

Wie siehst Du die Entwicklung deiner Mannschaft?

Durch die Pandemie sieht man eben keine Entwicklung, leider. Ich hatte das Glück, eine intakte Mannschaft zu übernehmen. Dazu kamen noch meine Ideen. So versuchen wir, mehr Ballbesitz zu generieren und das Pressing zu forcieren. Ich bin begeistert davon, wie alle mitziehen.

Koston: Frank Peuker ist der Trainer schlechthin

Wohin geht die Reise mit Deinem Team im letzten Drittel der Saison?

Nach vorne geht wahrscheinlich nichts mehr, das haben wir nach dem ersten Lockdown verdaddelt. Jetzt versuchen wir, noch so viele Punkte wie möglich zu holen und unser Spiel taktisch zu verbessern.

Wer hat Dich als Trainer am meisten beeinflusst oder gefördert?

Da kann ich vier Namen nennen. In der Jugend war in Petershausen Torsten Haag überragend für mich. Danach kam Stefan Hofer, der mich taktisch schulte – und wie ich Barca-Fan ist. Dann natürlich der leider viel zu früh verstorbene Herbert Reischl junior, der für mich der Hintergrundmentor war. Und dann ist da natürlich noch der Trainer schlechthin – Frank Peuker. Er hat mir alles gezeigt, was im Fußball wichtig ist, vor allem was die Einstellung und Taktik betrifft.

Was sind deine Pläne, willst du noch höherklassig trainieren? Was hast Du für Trainer-Lizenzen oder welche möchtest du erwerben?

Die Pandemie hat es verhindert, dass ich die B-Lizenz mache. Ich war schon zum Eignungstest angemeldet, aber das war dann nicht mehr möglich. Aber ich hole das sicherlich nach. Ob ich mal höherklassig trainieren werde weiß ich nicht. Denn dann müssen mein Beruf und der Fußball schon zusammenpassen. Ich denke, mehr als Landesliga wird nicht gehen. Aber der Job geht immer vor.

Das Gespräch mit Matthias Koston führte unser Mitarbeiter Robert Ohl.

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