Immer wenn er in Bayern ist kickt Simon Harrsen für die SpVgg; hier verwandelt er einen Elfer gegen Feldmoching.
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Immer wenn er in Bayern ist kickt Simon Harrsen für die SpVgg; hier verwandelt er einen Elfer gegen Feldmoching.

Simon Harrsen kickt bei seinen München-Besuchen für die SpVgg Kammerberg

Simon Harrsen: Bezirksliga für die SpVgg Kammerberg trotz Mexiko-Job

  • vonRedaktion Dachau
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Simon Harrsen ist vor vier Jahren nach Mexiko-Stadt gezogen. Trotzdem ist er in dieser Zeit neunmal für die SpVgg Kammerberg in der Bezirksliga aufgelaufen.

Kammerberg Simon Harrsen ist im Sommer 2015 zur SpVgg Kammerberg gewechselt. Auf 30 Bezirksliga-Einsätze hat er es seitdem gebracht. Das wäre nicht erwähnenswert, würde der 31-Jährige nicht seit vier Jahren in Mexiko-Stadt leben.

„Ich wollte eigentlich nur zwei Jahre aus beruflichen Gründen nach Mexiko. Das Angebot, ab Januar 2019 die Geschäfte unserer Gesellschaft in Mexiko zu führen, war aber zu gut, um es abzulehnen“, so Harrsen. Es scheint, als wäre vieles in seinem Leben eine Mischung aus Zufall und Plan.

Als Harrsen ans Telefon geht, ist es in Deutschland kurz vor 19 Uhr. Harrsen macht gerade Mittagspause. Er ist im Home-Office, denn auch in Mexiko gelten wegen der Corona-Krise Ausgangsbeschränkungen. „Es gibt hier noch nicht so viele Fälle, wir sind noch etwas hintendran, doch die Zahlen steigen“, berichtet Harrsen. Er lebt mit seiner Frau Luz zusammen, die er vor langer Zeit in den USA kennenlernte. Dorthin hatte es ihn im Alter von 20 Jahren des Fußballs wegen verschlagen.

Fußball an der Uni in den USA

„Ein Mitspieler bei meinem damaligen Verein Husumer SV bekam ein Fußball-Stipendium an einer Universität in den USA“, erzählt Harrsen. „Ich habe mich daraufhin auch erkundigt und eine Agentur gefunden, die ein Auswahlcamp mit 120 Spielern veranstaltet hat. Ich hatte mehrere Angebote und habe mich für die Lindenwood University in St. Louis entschieden“, so Harrsen. Vier Jahre blieb er in den USA – und seitdem sind er und Luz ein Paar. „Sie ist Spanierin und kommt aus Valencia. Dort haben wir im April 2019 geheiratet“, erzählt Harrsen. Er findet sich überall schnell zurecht. Das hat dem gebürtigen Nordfriesen auch geholfen, als er 2015 nach München zog. Harrsen arbeitete bereits damals für das Ravensburger Unternehmen, das Technologie-Management anbietet und bei dem er es in vier Jahren vom Trainee zum „Vice President Sales Mexico“ brachte.

Erst Hallbergmoos, dann Kammerberg

Nach seinem Umzug nach Süddeutschland wollte er weiterhin Fußball spielen. Er schloss sich zunächst dem VfB Hallbergmoos an, merkte aber schnell, dass er es dort schwer haben würde. Die Klasse für die Landesliga hätte er gehabt, für seinen Heimatverein Husumer SV war er in der Oberliga Schleswig-Holstein aufgelaufen. „Ich konnte aber wegen meines Jobs nur unregelmäßig trainieren“, sagt Harrsen. Hallbergmoos stellte den Kontakt nach Kammerberg her – und der damalige Trainer Manuel Haupt war von Harrsens Qualität sofort überzeugt.

Und Harrsen, der in Almdorf aufwuchs, einem 600-Seelen-Örtchen im Kreis Nordfriesland, fühlte sich sofort wohl in Kammerberg. In seiner ersten Saison bei der Spielvereinigung absolvierte er 21 Partien. Haupt sagte über den 1,97 Meter großen Innenverteidiger, er sei „unser Abwehrchef.“ Er trug sogar phasenweise die Kapitänsbinde.

Spiele für Kammerberg, trotz Umzug nach Mexiko

Nach jener Spielzeit zog Harrsen nach Mexiko – doch der Kontakt riss nie ab. In seinem Jahr in Kammerberg war eine so enge Bindung entstanden, dass er sich immer bei Haupt und Teammanager Gerhard Güntner meldete, wenn ein Deutschland-Aufenthalt anstand.

„Ich habe Manuel immer im Voraus angerufen. Wenn er Bedarf hatte, bin ich eingesprungen“, so Harrsen. Das war eigentlich immer der Fall, denn Haupt wusste, dass der großgewachsene Verteidiger seiner Defensive Sicherheit verleihen würde. „Ich habe meine Flüge immer so gelegt, dass ich das Abschlusstraining am Donnerstag noch mitnehmen konnte“, so Harrsen.

Neunmal lief er in den vergangenen vier Jahren für die Spielvereinigung auf – verteilt auf fünf Deutschland-Aufenthalte. Er spielte in jeder dieser neun Partien über die vollen 90 Minuten und erzielte dabei vier Tore. Seitdem er im Januar 2019 die Mexiko-Geschäfte seiner Firma führt, hat er aber weniger Zeit.

Letzter München-Besuch im vergangenen November

Im vergangenen November war Harrsen letztmals in München. Natürlich führte ihn auch damals sein Weg raus auf den Kammerberger Sportplatz. „Ich habe Hallo gesagt und viele Hände geschüttelt“, so Harrsen.

In diesem April wäre er für ein paar Wochen in München gewesen. „Ich hätte mich auf jeden Fall vorher gemeldet“, sagt Harrsen. Und wäre er gebraucht worden, hätte er die Fußballschuhe für die Kammerberger geschnürt. Er weiß aber auch, dass die Situation eine andere ist als in den vergangenen Jahren. Trainer ist mittlerweile Matthias Koston. „Ich habe mich Matthias bei meinem Besuch im November vorgestellt, er hat mich aber noch nicht spielen gesehen. Zu Manuel hatte ich ein extrem großes Vertrauensverhältnis“, so Harrsen.

Sollte er aber mal wieder in Deutschland sein und die Spielvereinigung Kammerberg personelle Sorgen in der Defensive haben, wäre Harrsen bereit.

„Ich spiele in Mexiko in mehreren Mannschaften, wobei der Fußball dort anders aufgebaut ist. Es wird auch im Erwachsenenbereich auf verschiedenen Spielfeldgrößen gespielt“, sagt Harrsen und erklärt: „Sonntags spiele ich mit einer Mannschaft elf gegen elf, unter der Woche dann auch mal Futsal.“

Obwohl Simon Harrsen beruflich stark eingespannt ist, lässt ihn der Fußball nicht los. „In Latein- und Nordamerika gibt es viele Talente. Ich spiele mit dem Gedanken, als Berater Spieler zu vermitteln. Ein gutes Netzwerk habe ich“, so Harrsen. Wenn Plan und Zufall dann wieder zusammenspielen, könnte diese Idee durchaus von Erfolg gekrönt sein.

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