Der sportliche Leiter Ugur Alkan war mit der ersten Häfte nicht einverstanden.
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Der sportliche Leiter Ugur Alkan war mit der ersten Häfte nicht einverstanden.

TSV 1865 Dachau steigert sich erst in der zweiten Halbzeit

Ugur Alkan: „In dieser Liga reichen 45 gute Minuten einfach nicht aus“

  • vonRobert Ohl
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Der TSV Dachau 1865 spielte zum Frühjahrsrunden-Auftakt bei der Reserve des FC Ingolstadt. Nach einer schwachen ersten Halbzeit steigerte sich die Lamotte-Elf.

Dachau/IngolstadtDer TSV 1865 Dachau ist mit einer 2:3 (0:2)-Niederlage beim FC Ingolstadt II in die Frühjahrsrunde der Bayernliga gestartet. Immerhin ist die Lamotte-Elf am ersten Spieltag nach der langen Winterpause nicht auf einen Abstiegs-Relegationsplatz abgerutscht, die Niederlagen der Regensburger und der Landsberger spielten den 65-Kickern in die Karten.

Zentraler Grund für die durchaus vermeidbare Niederlage war eine total unterirdische erste Halbzeit mit einem schon in der Vorbereitung selten funktionierendem 3-5-2-System. Erst nach der Umstellung auf ein 4-4-2 mit einer flachen Vier im Mittelfeld lief es in der zweiten Hälfte deutlich besser für den TSV 1865 Dachau. Aber da war das Spiel eigentlich schon verloren.

Erste Halbzeit hatte wenig mit Bayernliga-Fußball zu tun

Die mitgereisten 65-Fans fragten sich, warum die zweite Halbzeit in Sachen Einstellung, Technik, Lauf- und Passspiel so viel besser war als der total missglückte erste Durchgang. Die ersten 45 Minuten der Dachauer hatten wenig bis gar nichts zu tun mit Bayernliga-Fußball; es war ein Fehlpassfestival, das bei den wenigen mitgereisten 65-Anhängern ein kollektives Kopfschütteln verursachte.

Da konnte man es auch nicht als Entschuldigung gelten lassen, dass bei den Schanzern mit Gabriel Weiß, Maximilian Wolfram, Patrick Sussek und Filip Bilbija vier Spieler aus dem Drittliga-Profikader auf dem Platz standen.

Erster Dachauer Torschuss in der 44. Minute

Fakt ist: die Lamotte-Elf hatte 30 Minuten enorme Probleme, über die Mittellinie zu kommen. Der Ingolstädter Torwart Lukas Schellenberg war praktisch arbeitslos, er musste zusehen, sich bei den winterlichen Temperaturen im ersten Durchgang keine Erkältung einzufangen.

Die Dachauer schossen in der 44. Minute erstmals auf das Ingolstädter Gehäuse, dementsprechend bedient war 65-Fußball-Boss Ugur Alkan beim Gang zum Halbzeittee: „Das war gar nichts von uns, kein Tempo. Wir bringen es nicht fertig, können mal zwei oder drei Bälle zum eigenen Mann zu passen. So wird das nichts, wir können froh sein, dass es nur 2:0 für Ingolstadt steht.“

Schanzer vergeben beste Chancen

Das Spiel auf dem sehr gut bespielbaren Rasen-Nebenplatz im Ingolstädter Audi-Sportpark hatte gerade erst begonnen, da stand es auch schon 1:0 für die Hausherren. Patrick Sussek netzte nach einem Solo durchs halbe Mittelfeld aus 19 Metern locker ein. Dem 2:0 in der 27. Minute, ein Abstauber-Kopfball von Tim Kraus, war eine geniale Vorarbeit von Filip Bilbija vorausgegangen.

Danach vergaben die Reservisten von der Schanz noch einige weitere Hochkaräter, sie verpassten so die Chance, den Vorsprung vor dem Seitenwechsel noch deutlich auszubauen. Der kaum zu stoppende Filip Balija vergab in der 28. und 32. Minute zwei „Hundertprozentige“. Hinzu kam noch ein nicht gegebener Treffer von Gabriel Weiß in der 28. Minute, das Tor zählte wegen einer hauchdünnen Abseitsstellung des Schützen nicht.

Dachauer Leistungssteigerung in Halbzeit zwei

Torchancen für die Lamotte Elf gab es nicht. Als in der 44. Minute Marcel Kosuch mal den Versuch wagte, das Ingolstädter in Gefahr zu bringen, führt das zu Jubelstürmen rund um die Dachauer Bank.

Doch dann wurde alles auf Null gestellt – bis auf das Ergebnis. Wie ausgewechselt präsentierten sich die Dachauer ab der 46. Minute. Einer der Gründe für das Kippen des Momentums war der eingewechselte Tempospieler Ryosuke Kikuchi, der für viel Schwung sorgte. Und dann griff auch das der 65-Mannschaft wie auf den Leib geschneiderte 4-4-2-System.

In der 55. Minute gab es eine Doppelchance für den TSV durch Christian Doll und Robin Volland; letzterer scheiterte knapp nach der glänzenden Vorarbeit über links von Ryosuke Kikuchi.

Ingolstadt tauchte nur noch sporadisch vor dem 65-Kasten auf. Die beste Chance für den Gastgeber hatte Mario Götzendörfer in der 65. Minute, als er das Spielgerät aus 22 Metern an den linken Pfosten schlenzte. Der Dachauer Marcel Kosuch war kurz zuvor mit einem Gewaltschuss aus 20 Meter am Ingolstädter Keeper Lukas Schellenberg gescheitert. Auch den nachfolgenden 20-Meter-Schuss von Fabian Lamotte konnte der FCI-Schlussmann entschärfen.

Turbulente Schlussphase

In der 82. Minute wurde es dann noch einmal so richtig spannend, den 65-Stürmer Christian Doll verkürzte per Freistoß aus 25 Metern. Am Ende wurde es richtig hektisch. In der 88. Minute sah der Dachauer Vendim Sinani für eine Notbremse an der Mittellinie gegen FCI-Stürmer Philipp Herrmann die Rote Karte, wenig später markierte Maximilian Wolfram aus acht Meter nach Vorarbeit von Philipp Hermann das 3:1 für Ingolstadt.

Den Schlusspunkt unter ein in jeder Beziehung wechselvolles Spiel setzte Dominik Schäffer in der Nachspielzeit, er sorgte mit einem feinen Drehschuss aus 18 Metern für den 3:2-Endstand.

Ugur Alkan staunte nach dem Schlusspfiff: „Unsere zweite Halbzeit war Fußball, wie wir ihn eigentlich von Anfang an spielen wollten. In dieser Liga reichen 45 gute Minuten einfach nicht aus. Da gewinnen wir die zweite Hälfte mit 2:1 und versemmeln den Punkt wegen einem indiskutablen 0:2 im ersten Durchgang. Die Systemumstellung hat sich bewährt, uns aber leider nicht den Punkt gebracht.“

Stenogramm

FC Ingolstadt 04 II - 1865 Dachau 3:2 (2:0)

FC Ingolstadt 04 II: Lukas Schellenberg, Maximilian Neuberger, Gabriel Weiß (64. Dominik N’gatie), Joseph Königsdorfer, Tim Kraus, Maximilian Wolfram, Patrick Sussek (84. Paul Polauke), Felix Bachmann, Filip Bilbija (64. Philipp Herrmann), Ünal Altintas, Mario Götzendörfer

TSV 1865 Dachau: Maximilian Mayer, Thomas Ettenberger (76. Dominik Schäffer), Fabian Lamotte, Alexander Weiser, Merlin Höckendorff, Robin Volland, Stefan Vötter, Christian Doll, Vendim Sinani, Marcel Kosuch, Leander Lask (46. Ryosuke Kikuchi)

Schiedsrichter: Peter Dotzel

Zuschauer: 50

Rote Karte: Vendim Sinani (88.)

Tore: 1:0 (2.) – Patrick Sussek. 2:0 (27.) – Tim Kraus. 2:1 (82.) – Christian Doll. 3:1 (90.+1) – Maximilian Wolfram. 3:2 (90.+3) – Dominik Schäffer.

Text: Robert Ohl

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