Ruhepol, strategischer Denker und begnadeter Kicker: Fabian Lamotte ist beim TSV 1865 Dachau seit Jahren eines feste Größe.
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Ruhepol, strategischer Denker und begnadeter Kicker: Fabian Lamotte ist beim TSV 1865 Dachau seit Jahren eines feste Größe. 

Fabian Lamotte im Interview

Heynckes, Elgert und Co. - 65-Spielertrainer Lamotte spricht über Profi-Zeit

  • vonRobert Ohl
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Als Profi schaffte es Fabian Lamotte bis ins DFB-Pokal-Finale. Seit 2012 ist er Teil des TSV Dachau 65.

DachauGeboren im sauerländischen Marsberg, aufgewachsen im hessischen Hespringhausen, seit Jahren aktiv beim TSV 1865 im oberbayerischen Dachau – Fabian Lamotte (37) hat schon einiges gesehen und erlebt in seiner Fußballerkarriere. Seit 2012 zählt er zum Spieler- bzw. Trainerstab beim jetzigen Bayernligisten TSV 1865 Dachau. Vorher war der Dachauer Übungsleiter Profi beim FC Schalke 04 (2003/2004/2005), beim TSV 1860 München (2005/2006) und beim österreichischem Traditionsclub Sturm Graz (2007 bis 2010). Vor seinem Engagement beim TSV 1865 Dachau legte er noch eine Zwischenstation beim BFC Viktoria Berlin (Oberliga) ein. Die Heimatzeitung hat sich mitten im zweiten Lockdown der Coronakrise mit dem erfahrenen Ex-Profi unterhalten.

Wie kam es zum Wechsel aus dem Kohlenpott nach München?

Fabian Lamotte:Eingeleitet wurde der Wechsel durch den damaligen 1860-Manager Roland „Magic“ Kneissl und den damaligen 60-Trainer Reiner Maurer. Ich hätte auch auf Schalke bleiben können, aber da waren regelmäßigen Einsatzzeiten natürlich nicht garantiert. Wahrscheinlich wäre ich vom Verein ausgeliehen worden. Deshalb war mir als junger Profi der Wechsel zu den Löwen schlüssiger, zumal ich bei Sechzig zu meinen Einsatzzeiten gekommen bin.

Was machen Sie beruflich?

Mein Job ist Produkt-Strukturierer bei der Bayerischen Landesbank. Wir beraten Sparkassen über Förderprodukte. Dazu gekommen bin über mein BWL-Studium.

Wie bist du bei 1865 Dachau gelandet nach deiner Profikarriere?

Nach meinem Zwischenschritt bei BFC Viktoria Berlin, dort habe ich nur fünf Spiele absolviert wegen meiner Achillessehnenprobleme, habe ich beschlossen, meine Profikarriere zu den Akten zu legen. Meine jetzige Frau wohnte in München und so habe ich den Lebensmittelpunkt dorthin verlegt – ich wollte Fußball nur noch als Hobby betreiben. Der Kontakt zum TSV 1865 Dachau kam über den Bruder von Manuel Stangl zustande, mit dem wir familiär verbunden sind.

Wie hat sich der Amateurfußball in Ihren Augen in den letzten zehn Jahren verändert?

Die Gesellschaft hat sich verändert, und deshalb auch das Gefüge in einer Mannschaft; die Elf-Freunde-Romantik ist sehr selten geworden. Manche Funktionäre wollen Profi- Strukturen einführen, aber hier sind für mich auch die Grenzen klar. Es ist eben Amateurfußball – und auch der Jugendbereich ist absolut wichtig.

Was waren Ihre schönsten Momente als Fußballer (Profi oder Trainer)?

Als ich meinen ersten Profivertrag bei Schalke unterschrieben habe, war das schon eine große emotionale Geschichte. Auch das DFB-Pokalfinale in Berlin gegen den FC Bayern München, das wir mit 1:2 verloren haben, war so ein Highlight; damals war ich im Kader dabei. Ein weiterer Höhepunkt war dann sicherlich auch noch der Pokalsieg mit Sturm Graz in Österreich 2009, wir gewannen mit 1:0 gegen SC Wiener Neustadt. Unvergesslich waren auch die Uefa-Cup-Reisen mit Graz und die Spiele mit 1860 München in einer ausverkauften Allianz-Arena.

Wie sehen Sie die Entwicklung Ihrer Mannschaft aktuell und in den letzten Jahren?

Es war immer ein Auf und Ab in der Tabelle. Einmal schnuppern wir oben hin, dann geht es wieder gegen Abstieg. Uns fehlte und fehlt einfach die Konstanz auf diesem gehobenen Bayernliga-Niveau. Das kriegen wir noch nicht so richtig hin.

Wohin geht die Reise mit dem 65-Team im letzten Drittel der Saison?

Wir sind ganz klar im Abstiegskampf und müssen dringend Punkte sammeln, um den Abstieg oder die Relegation zu verhindern.

Wer war oder waren Ihre besten Trainer und was haben Sie Ihnen in Ihrer Tätigkeit als Trainer mitgegeben?

Bei meinem Heimatverein war es sicherlich mein Vater Wilfried, der die Grundlagen für meine positive Entwicklung gelegt hat. In der U 19 war es dann Norbert Elgert, der mich zum Profi geformt hat, was ich nicht erwartet hatte. Hinzu kommt natürlich der für mich Beste des deutschen Klubfußballs, Jupp Heynckes, der mich als junger Profi gefordert und gefördert hat. Das hätten nicht alle gemacht. Auch bei Franco Foda in Graz habe ich viel gelernt, wie eigentlich bei allen meinen Trainern.

Was ist für Sie als Übungsleiter in der Trainingsarbeit wichtig, wie bewerten Sie die sogenannten Soft Skills Marke Hansi Flick für ein Team und welche Art von Kommunikation bevorzugen Sie mit den Spielern?

Die Soft Skills wie sozialer menschlicher Umgang, Anstand, Umgangsformen, persönlicher Kontakt sind für mich im Amateurfußball fast wichtiger als die Trainingsinhalte. Wir haben im Training einen breiten Mix aus allen wichtigen Elementen des Fußballs wie Spielformen, Taktik, Kondition. Aber das bedeutet gar nichts, wenn der Spaß fehlt, die Ernsthaftigkeit und Disziplin.

Wie sehen Sie Ihren weiteren Weg als Spielertrainer oder Trainer (Profiverein oder Beruf)?

Acht Jahre in einem Verein sind ungewöhnlich lang, aber es macht immer noch Spaß. Irgendwann, früher oder später, spiele ich nicht mehr. Bisher habe ich nur die B-Lizenz des BFV. Aber mein Ehrgeiz sagt mir, dass ich mindestens die A-Lizenz oder den Fußballlehrer machen will. Wohin mich dann das alles führt weiß ich nicht. Ich bin für alles offen.

Was bedeutet deiner Ansicht nach die momentane Corona-Situation für die Gesellschaft und den Fußball?

Für den Fußball ist es eine schwierige Situation – so ganz ohne Training. Es kann sein, dass die Vereine Jugendliche verlieren, die sich dann eben anders orientieren. Aber das trifft alle Sportarten gleichermaßen. Für die Gesellschaft sehe ich die Problematik bei den Risikogruppen, die Angst haben, zu erkranken und nicht wissen, wie sie es überstehen. Alles andere ist für uns zu ertragen. Existenziell wird es natürlich für die vielen Selbstständigen, die nicht wissen, wie und wann und ob es überhaupt weitergehen kann.

(Das Gespräch mit Fabian Lamotte führte Robert Ohl.)

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